Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan zündelt von Libyen bis zum Kaukasus. Berlin schweigt oder beschwichtigt.

Die Zeiten der Pandemie sind wie geschaffen für Despoten, Autokraten und Antidemokraten. Unbehelligt von der Welt dürfen sie zündeln und Unruhe stiften, Gegner verfolgen oder morden. Im Schatten von Corona lassen sich sämtliche Grenzen verschieben: die Grenzen der Rechtsstaatlichkeit, des Völkerrechts – und Staatsgrenzen auch.

Der jüngste Vorfall hat mit Hamburg zu tun, der gleichnamigen Fregatte: Am Sonntag wollte die deutsche Marine ein türkisches Frachtschiff auf dem Weg nach Libyen überprüfen, zu dem die EU bereits einen Sonderbericht für Waffenembargo-Experten verfasst hat. Nach einem Protest der Türkei mussten die Soldaten unverrichteter Dinge abziehen. Ein ähnlicher Einsatz der französischen Marine wäre im Juni fast eskaliert.