Meinung
Gastbeitrag

Wie wollen wir in Hamburg künftig leben – und wovon?

Norbert Aust, Präses der Handelskammer Hamburg

Norbert Aust, Präses der Handelskammer Hamburg

Foto: Michael Rauhe

„Wir brauchen neue Ideen und Lust auf Visionen“: Die Chefs der Hamburger Handelskammer starten Initiative, um Wandel der Stadt zu gestalten.

Hamburg. Die Welt ist im Wandel, nicht erst seit Corona. Die Pandemie aber legt unsere Schwachstellen schonungslos offen. Die Krise hat deutlich gemacht, dass wir uns jetzt über unsere Zukunft Gedanken machen müssen, und das ganz grundlegend. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie wir in 20 Jahren in Hamburg leben wollen – und wovon? Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, das zu tun.

Hamburg hat aus unserer Sicht zwei Möglichkeiten: Wir gehen den gleichen Weg wie bisher. Es gibt einige Hügel, die wir erklimmen müssen. Einige Kurven, aus denen wir nicht fliegen sollten, und vielleicht gibt es ab und an mal einen Steinschlag, der uns dazu zwingt auszuweichen. Dann wird Hamburg vom Wandel gestaltet. Die andere Möglichkeit ist, dass wir mutig sind, den bekannten Weg verlassen und uns einen neuen bauen. Dann gestalten wir den Wandel. Und dafür brauchen wir neue Ideen und Lust auf Visionen.

Hamburg droht, abgehängt zu werden

Wir haben dazu drei Thesen. Erstens: Wenn wir auf dem bisherigen Weg bleiben, droht Hamburg im Standortwettbewerb abgehängt zu werden. Schon heute haben wir ein steiles Süd-Nord-Gefälle. In süddeutschen Metropolen werden beispielsweise fast viermal so viele Patente angemeldet wie in Norddeutschland. Auch bei Wertschöpfung und Arbeitslosenquote entwickelt sich die Schere zwischen Süd und Nord immer weiter auseinander. Wenn wir nicht konsequent gegensteuern, hat das gravierende Folgen für unseren Wohlstand und die Lebensqualität in der ganzen Region.

Unsere zweite These: Für Hamburgs klassische Wirtschaftsmotoren bestehen ernste Risiken. Corona belastet unsere industrielle Basis schwer. So erreicht die Nachfrage im Luftverkehr wohl erst im Jahr 2024 wieder das Vor-Corona-Niveau. Und auch der Hafen bleibt – übrigens nicht erst seit Corona – unter seinen Möglichkeiten. Es fehlt eine Anpassungsstrategie an sich weltweit verändernde Handelsströme und Lieferketten. Wir müssen diese und auch andere Bereiche zukunftsfähig machen. Wir denken etwa an die Gesundheitswirtschaft, die Medienbranche und die Tourismus- und Freizeitwirtschaft – Branchen, die wesentlich zur Attraktivität unseres Standortes beitragen.

Wechsel in der Wirtschaftspolitik nötig

Und drittens: Der Handlungsdruck ist groß. Uns sitzt die Zeit im Nacken. Eine aktuelle OECD-Studie empfiehlt unmissverständlich einen raschen Wechsel in der Wirtschaftspolitik. Wir sollten norddeutschlandweit und groß denken. Wir benötigen einen ambitionierten Masterplan für den Standort.

Dieser Verantwortung und Aufgabe hat sich das Plenum der Handelskammer jetzt angenommen und den Startschuss für die Standortstrategie „Hamburg 2040: Wie wollen wir in Hamburg künftig leben – und wovon?“ gegeben. Hierfür setzen wir auf das Know-how in Ehren- und Hauptamt, die Kreativität unserer 170.000 Mitgliedsunternehmen sowie auf Experten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft.

Trends entdecken zentrale Aufgabe

Um über den Tellerrand hinauszublicken, werden wir weltweit Städte und Regionen mit Vorbildcharakter für Hamburg bewerten. Wir sind überzeugt: Unsere Stadt hat große Stärken. Sie bietet eine hohe Lebensqualität und hat eine vielfältige Wirtschaftsstruktur. Das sind hervorragende Voraussetzungen, um große Innovationen entstehen zu lassen. Ideen zu einer autofreien Innenstadt oder 5G im Hafen sind zwar wichtige Impulse, wir sollten aber weiter denken.

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Wir brauchen eine gemeinsame Vision, wo die Quellen für Wertschöpfung, Wohlstand und letztlich Lebensqualität in Hamburg in den nächsten 20 Jahren sind. Natürlich sind uns hierbei einige Rahmenbedingungen gesetzt, allen voran durch den Klimawandel. Corona hat uns aber wachgerüttelt und uns gezeigt, dass wir nicht bequem sein dürfen und uns nicht auf das verlassen sollten, was wir heute haben. Wir müssen lernen, flexibler zu werden, neue Geschäftsmodelle zu durchdenken, Trends rechtzeitiger zu erkennen. Und das ist für uns die zentrale Aufgabe der Handelskammer. Wir wollen unsere Mitgliedsunternehmen bei ihrer Zukunftsentwicklung unterstützen, für sie Standortmanager und Trendscout sein.

Wie wollen wir in Hamburg künftig leben – und wovon? Wir halten jetzt Augen und Ohren offen, um alle Impulse, Ideen, Visionen und Anregungen einzusammeln. Dafür brauchen wir Sie. Kommen Sie gern auf uns zu und schreiben uns eine Mail an hamburg2040@hk24.de.