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Wie Hamburg vom Beachvolleyball profitiert

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Rainer Grünberg
Rainer Grünberg ist Chefreporter Sport des Hamburger Abendblatts.

Rainer Grünberg ist Chefreporter Sport des Hamburger Abendblatts.

Foto: Mark Sandten

Bundesstützpunkt am Alten Teichweg ist eine weltweite Vorzeigeeinrichtung. Jetzt kommt auch noch der beste Trainer der Welt.

Hamburg. Es war der 7. Juli des vergangenen Jahres, als die junge Sportart Beachvolleyball in Hamburg in eine neue Dimension vorstieß. Vor dem Tennisstadion am Rothenbaum hatten sich schon in den Morgenstunden Menschenschlangen gebildet, damals noch ohne Abstand, die von der Hallerstraße bis weit in die Rothenbaumchaussee reichten. Die Wartenden wollten Einlass für das WM-Finale am Nachmittag finden, was nicht allen gelang. Mehr als 3000 Leute, die zum Teil stundenlang angestanden hatten, mussten draußen bleiben.

Die 12.000 Zuschauer im Stadion machten dann aus dem Endspiel, das Julius Thole und Clemens Wickler vom Eimsbütteler Turnverband gegen die Russen Oleg Stojanowski/Wjatscheslaw Krassilnikow in drei Sätzen verloren, eine unvergessliche Party. Diese Weltmeisterschaft, da waren sich später alle Besucher, Spielerinnen und Spieler aus dem In- und Ausland einig, war die bisher beste der Geschichte, Hamburg der neue Hotspot des Beachvolleyballs.

Die geplante Fortsetzung der Story, das ursprünglich für die nächste Woche geplante Finale der Welttour, muss aus bekannten Gründen ausfallen; dennoch soll Beachvolleyball in Hamburg nicht nur seinen bisherigen Stellenwert behalten, sondern in den nächsten Jahren an Bedeutung noch gewinnen. Das ist nicht selbstverständlich in Zeiten wie diesen. Sportsenator Andy Grote (SPD) stellte bei seinem jüngsten Besuch des Bundesstützpunktes am Dulsberger Alten Teichweg aber erneut klar: „Die finanzielle Unterstützung der Stadt bleibt, sie wird sogar ausgebaut. Was wir angefangen haben – und das sich dann auch noch als erfolgreich erwiesen hat –, werden wir nicht fallen lassen. Wir veranstalten keine Strohfeuer, wir setzen auf Nachhaltig- und Verlässlichkeit.“

Hamburg als exzellenter Sportstandort

Beachvolleyball könnte ein Beispiel dafür werden, wie sich Hamburg als exzellenter Sportstandort weltweit profiliert: aus dem Dreiklang Weltklasse-Turnier, Weltklasse-Spieler, Weltklasse-Trainingsmöglichkeiten, drei Qualitätsmerkmale, die sich gegenseitig bedingen und befruchten. Und wenn sich die Besten eines Fachs an einem Ort versammeln, zahlt das immer auch auf das Image einer Stadt ein, die als zielstrebig, zukunftsgewandt wahrgenommen wird. Wer Expertise fördert, wird für Experten attraktiv, für neue Gewerbe und innovative Unternehmungen. Dem Deutschen Volleyball-Verband (DVV) alle diese Eigenschaften zuzuschreiben, wäre zwar des Guten zu viel, für einen oft schwer manövrierbaren Sportverband hat der DVV aber zuletzt Erstaunliches geleistet, auch dank seines ehrgeizigen Beach-Direktors Niclas Hildebrand.

Der Hamburger Bundesstützpunkt Beachvolleyball, Ende 2016 als Projekt gestartet, scheint in der Zusammenarbeit mit der Stadt und weiteren Partnern seine Rolle als zen­trale deutsche Übungsstätte nicht nur wahrzunehmen, sondern jetzt auch als solche bei Athleten und Trainern anerkannt zu werden. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall, als sich mehrere Nationalteams gegen eine Zentralisierung des Trainings wehrten, ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen wollten, nicht einsahen, welchen Mehrwert ihnen ein Umzug nach Hamburg brächte, an eine der modernsten Beachvolleyball-Anlagen der Welt, räumlich und fachlich angebunden an einen hochkompetenten Olympiastützpunkt.

Diesen Mehrwert gibt es spätestens jetzt, weil es dem DVV gelang, mit Jürgen Wagner den erfolgreichsten Beachvolleyball-Trainer der Welt, Olympiasieger mit Frauen (2016 Ludwig/Walkenhorst) und Männern (2012 Brink/Reckermann), auch Weltmeister mit beiden Teams, für die Verbandsarbeit zu begeistern. Wagner soll eine Trainingsphilosophie erstellen, Trainer ausbilden, Entwicklungsprozesse steuern, Zielvorgaben kontrollieren, unternehmerisches Denken einführen, zeitgemäßes Management umsetzen. Dafür erhält er weitreichende Kompetenzen. Wagner (64) ist dazu bereit, „weil ich mein Wissen nicht mit ins Grab nehmen möchte“. Erster Erfolg: Die drei talentiertesten Nachwuchsspieler des Landes kommen im Herbst nach Hamburg. Weitere werden folgen. Die Zukunft hat begonnen.

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