Meinung
Leitartikel

Corona-Pandemie: Kostenlos testen!

| Lesedauer: 4 Minuten
Elisabeth Jessen
Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin im Hamburg-Ressort.

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin im Hamburg-Ressort.

Foto: Andreas Laible / HA / Andreas Laible

Die Corona-Welle durch Urlauber muss eingedämmt werden – sonst wird es richtig teuer

Hamburg. Die niedrigen Zahlen der Corona-Neuinfektionen in Hamburg haben in den vergangenen Wochen vielen Menschen den Blick darauf verstellt, dass die Pandemie keineswegs vorbei ist. Man konnte die Infizierten oft an einer Hand abzählen. Damit ist es vorbei, die Zahlen sind wieder erschreckend hoch.

Trotzdem kann man überall beobachten, dass viele Hamburger in ihrer Vorsicht nachgelassen haben – an den vergangenen Wochenenden besonders auf dem Kiez und im Schanzenviertel, aber auch jeden Tag in Bussen und Bahnen. Viele tragen keine Maske oder nur halbherzig unterhalb der Nase, Abstand ist inzwischen etlichen wieder ein Fremdwort.

Reiserückkehrer importieren das Coronavirus

Wer sich bisher in der falschen Sicherheit gewiegt hat, dass das Virus nur noch in entfernten Gegenden dieser Welt großes Unheil stiftet, sollte einsehen, dass es gerade in größerem Maße zu uns zurückkommt. Man könnte auch sagen: Es wird verstärkt ins Land gebracht. Die Behörden sprechen nicht nur in Hamburg, sondern auch bundesweit vielfach von Reiserückkehrern, die das Virus importieren.

Viele sind recht sorglos losgeflogen, sogar in klar definierte Risikoländer. Die beliebten Urlaubsziele Türkei und Ägypten zählen dazu, aber auch etliche Staaten auf dem Balkan. Zum Glück für die Daheimgebliebenen soll für die Reiserückkehrer aus Risikoländern endlich die Pflicht kommen, sich testen zu lassen.

In diesem Zusammenhang hört man in diesen Tagen oft das Argument, wer es sich leisten könne, in ein Risikogebiet zu fahren, habe auch das Geld, einen Corona-Test zu bezahlen. Doch das ist zu kurz gedacht. Viele Infizierte der jüngsten Zeit sind Rückkehrer vom Balkan, die dort keineswegs teuren Hotelurlaub gemacht, sondern mutmaßlich mit kleinem Budget ihre Familien besucht haben.

Allgemeinheit soll Kosten für die Tests der Reiserückkehrer tragen

Natürlich hätten sie in diesem Jahr unbedingt darauf verzichten sollen. Eine solche Härte ist in Pandemiezeiten absolut zumutbar! Auch ich durfte meine Familie in Österreich monatelang nicht besuchen und habe mich daran gehalten. Auch ich habe mich nach einem Urlaub im März erst in freiwillige Quarantäne begeben, aus der rasch bitterer Ernst wurde, weil nicht nur ich, sondern die ganze Familie erkrankte. Nur durch die Quarantäne wurde die Ansteckungskette erfolgreich unterbrochen.

In der aktuellen Situation gilt es, die Kostenfrage hinten anzustellen und Vernunft walten zu lassen, sprich zu testen.

Wer in den Sommerferien in einem Risikogebiet war, wird seinem Arbeitgeber nur schwer erklären können, warum er die riskante Reise angetreten hatte. Die Gefahr bestünde deshalb, dass er ohne Gratistest versucht, die Quarantäne zu umgehen – und möglicherweise doch zur Arbeit geht und riskiert, die Kollegen anzustecken.

Da ist es vernünftiger, wenn die Allgemeinheit die Kosten für die Tests dieser Reiserückkehrer erst einmal übernimmt. Hinterher kann der Staat immer noch versuchen, sich das Geld zurückzuholen. Wenigstens bei denen, deren Einkommen das zulässt. Die Rückholflüge im März waren schließlich auch nicht kostenlos.

Warum die Einrichtung eines Testzentrums am Flughafen so lange gedauert hat und nun erst kurz vor Ende der Ferien starten kann, möchte man die Verantwortlichen im Senat allerdings schon gern fragen. Das Datum der Ferien stand lange fest, und dass mit den Rückkehrern die Fallzahlen wieder steigen würden, war auch vorhersehbar. Vielleicht wäre es sinnvoll, die Testmöglichkeiten noch großzügiger auszulegen. Denn wer jetzt etwa in Katalonien war, hatte ebenfalls ein großes Risiko, sich mit Corona anzustecken – als Risikogebiet ist Spanien aber nicht ausgewiesen.

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