Meinung
Leitartikel

Corona-Krise: Gemeinsam schaffen wir das!

| Lesedauer: 4 Minuten
Lars Haider
Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider.

Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider.

Foto: Andreas Laible / HA

Das Klein-Klein von Bundesländern und Staaten hilft jetzt nicht weiter. Der Kampf gegen eine weitere Ausbreitung geht nur gemeinsam.

Was hilft gegen diese Krise? Grenzen schließen, soziale Kontakte reduzieren, Hände waschen – natürlich. Vor allem müssen wir jetzt aber, und das meine ich nur im übertragenen Sinne, zusammenstehen. Nur gemeinsam kommen wir schnell durch diese Zeiten. Die Jüngeren müssen sich um die Älteren kümmern, die Starken den Schwachen helfen, die Mutigen den Ängstlichen, die Wohlhabenden den Ärmeren. Jetzt geht es nicht um das Ego, sondern um die Gemeinschaft, um Solidarität und den Schutz unserer Gesellschaft.

Einer für alle, alle gegen das Coronavirus. Das zählt, und dabei dürfen wir in Deutschland nicht den Fehler machen, dass jede Region, jedes Bundesland zu sehr an sich denkt. Es ist schlimm genug, dass die Europäische Union auf das Virus keine gemeinsame Antwort geben kann, dass es offenbar nicht einmal Krisenpläne für einen Fall wie diesen gibt – und man am Ende in einem Italiener nicht einen Mitmenschen, sondern nur einen möglichen Virusüberträger sieht.

Natürlich ist es nicht verkehrt, wenn jeder jetzt an sich denkt und das tut, was die Behörden von ihm verlangen. Aber es wäre falsch, wenn jede Stadt und jedes Bundesland für sich (und mit seinen Methoden) versuchen würde, die Epidemie aufzuhalten. Nehmen wir den Norden: Eine Anti-Corona-Strategie Schleswig-Holsteins ist ohne Hamburg nicht zu denken und umgekehrt. Will sagen: Die Grenzen zu einem Nachbarland innerhalb einer Metropolregion kann, darf man nicht dichtmachen. Dass Schleswig-Holstein seine Inseln wegen der dort nicht ausreichenden Kapazitäten in den Krankenhäusern abriegelt, ist zwar nachzuvollziehen. Mehr geht nicht, wenn man die Bürger benachbarter und eng miteinander verbundener Länder nicht gegeneinander ausspielen will. Soll heißen: Natürlich müssen die Schleswig-Holsteiner weiter zum Arbeiten nach Hamburg pendeln dürfen, und genauso natürlich dürfen sich Hamburger in ihre Ferienhäuser an Nord- und Ostsee zurückziehen – und sei es nur, um die schulfreie Zeit mit ihren Kindern dort einigermaßen vernünftig zu überbrücken.

Es ist verständlich, dass die Landesregierungen erst einmal an den Schutz ihrer eigenen Bevölkerung denken, das ist der Kern des föderalistischen Systems, in dem wir leben. Aber daraus darf kein „Wir gegen die“ werden, das hilft niemandem. Wenn schon in Deutschland augenscheinlich kein abgestimmtes Vorgehen über alle 16 Länder hinweg möglich ist – in Thüringen hatten heute die Schulen noch geöffnet, Baden-Württemberg hat den Flugverkehr komplett eingestellt –, dann muss das wenigstens in den großen Regionen möglich sein.

In Hamburg und Schleswig-Holstein konnte man in den vergangenen Tagen den Eindruck bekommen, dass der rot-grüne Senat auf der einen und die Jamaika-Koalition auf der anderen Seite stark ihr eigenes Ding machen. Vielleicht auch unter dem Eindruck, dass die Hamburger aus ihren Skiferien das Virus erst in den Norden gebracht haben (was leider auch nicht ganz falsch ist ...). Aber: Der Kampf gegen eine weitere Ausbreitung geht nur gemeinsam – und nicht mit unterschwelligen Hinweisen, dass man den jeweils anderen nicht in seinem Land haben will.

Hamburg allein kann den Kampf gegen Corona genauso wenig gewinnen wie Schleswig-Holstein oder Niedersachsen oder Bremen. Es geht nur gemeinsam und mit Ministerpräsidenten, die sich eng mit- und aufeinander abstimmen. Und die, wenn alles vorbei ist, Notfallpläne ausarbeiten, die künftig von Anfang an für alle gleich und konsequent sind. Also: Lassen Sie uns dieses große und alle weiteren Probleme immer gemeinsam angehen, wenn schon nicht länder – dann wenigstens bundesländerübergreifend. Alles andere wird schlicht nicht funktionieren.

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