Meinung
Zwischenruf

Knapp vorbei ist auch daneben

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Elisabeth Jessen ist stellvertretende Leiterin des Hamburg-Ressorts.

Foto: HA / Andreas Laible

Manche Neujahrsvorsätze versanden schnell. Kaum ist der Januar vorbei, vergessen viele Menschen, was sie sich in der Silvesternacht selbst hoch und heilig versprochen haben. Mehr Sport war erfahrungsgemäß bei vielen dabei, aber schon im Februar lichten sich die Reihen im Fitnessstudio. Was jene, die noch immer stramm dabei sind, natürlich freut.

Aber regelmäßiges Training hat auch Nachteile. Mit den Spinden dort geht es einem nämlich wie mit dem Fahrrad oder dem Auto, bei denen man manchmal nicht mehr so genau weiß, wo man sie geparkt hat. Im ersten Moment mutmaßt man, sie seien vielleicht geklaut, bis man sich doch entsinnt, wo man sie abgestellt hat.

Mit den Spinden im Fitnessstudio ist es so ähnlich. Man weiß nicht mehr genau, in welchem man seine Sachen deponiert hat. Sehen ja alle gleich aus. Und manchmal guckt man nicht so genau hin – hinein mit dem Zeug in den erstbesten freien Schrank und ab auf den Crosstrainer.

Nach eineinhalb Stunden Training lässt sich Spind 251 leider nicht mehr öffnen. Muss ein Defekt sein! Oder war es vielleicht doch 253? Nein, auch hier funktioniert die Chipkarte nicht. Gibt’s doch nicht, ich weiß hundertprozentig, dass es einer der beiden Spinde sein muss.

Ein Mitarbeiter versucht sein Glück mit der General-Schlüsselkarte. Aber ein Mann in der Damenumkleide? Das muss gut vorbereitet sein! Erst als alle Frauen sich etwas übergezogen haben, wagt er sich rein. Was soll ich sagen? In Spind 251 und 253 sind meine Sachen nicht.

Gläserner Mensch hin oder her – wie gut ist es in diesem Moment, dass es moderne Technik gibt. Im Computer kann der Mitarbeiter nämlich sofort sehen, welches Schrankabteil ich mit meiner Karte abgeschlossen habe: 247. Die Damen ringsum feixen sich eins, mein Malheur hat ja auch wirklich jeder mitbekommen. Knapp daneben ist leider auch daneben. Dabei hätte ich schwören können ...