Meinung
Zwischenruf

Nie mehr Stau: Der Geheimplan für die Hamburger City

Norman Raap, Redakteur Hamburger Abendblatt 

Norman Raap, Redakteur Hamburger Abendblatt 

Foto: Raap

Die autofreie Innenstadt ist nicht genug. Auch Radler, Fußgänger und Busse sollen sich nie mehr in die Quere kommen. Eine Satire.

Laut Umfragen will eine Mehrheit der Hamburger die Autos aus der City verbannen. Was die Meinungsforscher bisher noch nicht veröffentlicht haben: Eine Mehrheit der Befragten sieht auch Fußgänger, Radler, Mopedfahrer und stinkende Dieselbusse als Ärgernis an.

Deshalb gibt es bereits streng vertrauliche Pläne, die dem Abendblatt exklusiv vorliegen und die alle – wirklich alle! – Verkehrsprobleme in der City lösen sollen. Es sind Pläne für eine „weitgehend menschenfreie Innenstadt“. Das Geheimpapier der Behörde für Hamburger Stauentwicklung und Verkehrschaos (HSV) sieht folgende Sofortmaßnahmen innerhalb des Wallrings vor:


1.
Rückbau der Gehwege und befestigten Fahrbahnen. Bis auf wenige schmale Gassen werden alle ehemaligen Straßen mit neuen Wohnungen bebaut. Vorbild sind die historischen Gängeviertel.


2.
Ausgangssperre für alle Anwohner, Gewerbetreibenden und Büromenschen von 6 bis 21 Uhr. Außerhalb dieser Zeit ist die City ohnehin fast menschenleer.


3.
U- und S-Bahnen dürfen in der Innenstadt nur halten, um Fahrgäste aufzunehmen und außerhalb des Wallrings abzusetzen. Nur nicht zurückbleiben, bitte!


4.
An der Stelle der historischen Stadttore werden Mautstellen eingerichtet. Künftig dürfen Touristen nur gegen Gebühr die erste weitgehend menschenfreie Innenstadt der Welt besichtigen.


5.
Ausnahmen vom Geh- und Fahrverbot gelten nur für Dienstleister, die E-Scooter aufladen oder die autonom fahrenden Sammeltaxis aus dem Schlamm ziehen (asphaltierte Straßen sind aus Naturschutzgründen nicht mehr erlaubt).


6.
Wer in der City ohne Ausnahmegenehmigung erwischt wird, muss mit seinem Wocheneinkauf im Lastenfahrrad dreimal den Waseberg hoch und runter.