Meinung
In eigener Sache

Die unangenehme Sache mit der Preiserhöhung

| Lesedauer: 5 Minuten
Lars Haider ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Lars Haider ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.

Foto: Andreas Laible / HA

Immer montags gehen wir an dieser Stelle auf Kritik an der Berichterstattung, auf Wünsche, Fragen und Debatten ein.

Hamburg. Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde des Hamburger Abendblatts,

immer montags beschäftigen wir uns an dieser Stelle mit Ihren Wünschen oder Ihrer Kritik. Wir wollen über die großen Leser(brief)-Debatten sprechen und Einblicke in unsere Arbeit geben, sowohl in die Art, wie wir recherchieren, als auch wie das Abendblatt gemacht wird. Wenn Sie Anregungen haben, her damit, eine E-Mail reicht. Die Adresse: chefredaktion@abendblatt.de.


Man könnte das Thema, um das es heute gehen soll, in wenigen Sätzen abhandeln. Etwa so: Es ist immer unangenehm, Sie über eine Preiserhöhung zu informieren, aber sie lässt sich leider nicht vermeiden. Das Abonnement des Hamburger Abendblatts kostet von Januar an 49,90 Euro im Monat. Zum gleichen Zeitpunkt wird auch der Einzelverkaufspreis der Sonnabendausgabe um zwanzig Cent auf 2,30 Euro angehoben. Die Ausgaben von Montag bis Freitag kosten unverändert 1,90 Euro.

Preiserhöhung ist nicht zu verstecken

So oder ähnlich (kurz) haben wir es in der Vergangenheit gehandhabt, die Preiserhöhung in einer kleinen Meldung angekündigt – und dafür zu Recht Kritik von Leserinnen und Leser erfahren. Eine Leserin schrieb: „Warum versteckt ihr die Preiserhöhung in einer Meldung im Hamburg-Teil? Warum geht ihr nicht offensiv damit um und steht dazu, dass es eben nicht billig ist, eine der besten deutschen Regionalzeitungen zu machen? Macht euch nicht kleiner als ihr seid.“

Diese und viele ähnlich lautende Briefe haben uns als Redaktion ermuntert, die Preiserhöhung in diesem Jahr nicht zu „verstecken“, sondern Sie, unsere Leserinnen und Leser, offen und ausführlich darüber zu informieren. Es bleibt natürlich trotzdem dabei, dass uns Preiserhöhungen immer unangenehm sind und wir Sie am liebsten damit verschonen würden. Dass das leider nicht geht, hängt mit der Entwicklung und vor allem der Finanzierung von Zeitungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten zusammen.

Zeitung finanziert sich überwiegend über Verkaufserlöse

Im Jahr 2000 hat sich die Produktion einer Zeitung zu 75 Prozent aus Anzeigen und nur zu 25 Prozent aus dem Verkauf an Abonnenten beziehungsweise am Kiosk finanziert. Damals mussten wir Immobilien-, Kfz- oder Stellenanzeigen – für uns die wichtigsten Anzeigenformen – teilweise sogar ablehnen, weil wir dafür nicht genügend Platz hatten. Das Abendblatt wäre gerade am Sonnabend schlicht zu dick geworden und hätte in keinen Briefkasten gepasst. Probleme aus einer anderen Zeit ...

Inzwischen hat sich das Verhältnis umgekehrt. Heute muss die Produktion einer Zeitung zu 75 Prozent aus den Verkaufserlösen finanziert werden, also aus dem, was Sie, liebe Leserinnen und Leser, bezahlen.

Gleichzeitig haben sich die Kosten in den vergangenen Jahrzehnten leider erheblich erhöht: Vor allem Papier ist teurer geworden, dazu kommen die gestiegenen Ausgaben für die Zustellung. Und, nicht zu vergessen: Unsere journalistische Arbeit wird in Zeiten wie diesen immer anspruchsvoller. Unserem und Ihrem Anspruch, eine Zeitung zu machen, auf die man sich verlassen kann, die Fake News aufdeckt, statt sie zu verbreiten, wollen wir jeden Tag gerecht werden.

Wir brauchen viele und gute Journalisten

Dafür brauchen wir viele und gute Journalisten (in der Redaktion des Abendblatts arbeiten rund 150 Menschen), die recherchieren, schreiben, fotografieren, produzieren, usw. Diese Journalisten und diese Form von Journalismus kostet Geld – und zahlt sich zum Glück aus. Kaum eine andere deutsche Regionalzeitung ist in den vergangenen Jahren so oft für ihre Arbeit ausgezeichnet worden wie das Abendblatt. Allein 2019 gab es den Grimme-Award für unsere Serie „Wem gehört Hamburg?“ und fünf European Newspaper Awards (zum Beispiel für unsere Aktion „Seid nett zueinander“). Unsere Chefreporterin Miriam Opresnik gewann zum dritten (!) Mal den Ernst-Schneider-Preis, eine der wichtigsten Auszeichnungen für Wirtschaftsjournalisten. Und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider wurde bei den Lead Awards gleich zu „Deutschlands Blattmacher des Jahres“ in der Kategorie Zeitung regional gewählt. Bei den Zeitungen überregional gewann Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der „Zeit“.

Auf diesem Weg wollen wir weitermachen, dabei sorgsam mit dem Geld umgehen, das wir zur Verfügung haben und möglichst viel davon in guten Journalismus investieren. Der wird in Hamburg auch deswegen immer wichtiger, weil es gar nicht mehr so viel davon gibt. Die „Welt“ stellt zum 1. Januar zu unserem Bedauern ihren Hamburg-Teil komplett ein; die „Zeit“ hat die Erscheinungsweise ihres Hamburg-Teils von wöchentlich auf monatlich umgestellt; die Zukunft der „Hamburger Morgenpost“ ist unklar, für sie wird ein Käufer gesucht. Das Hamburger Abendblatt sei im unruhigen Zeitungsmarkt „die Ausnahme“, schrieb die „taz“ vor Kurzem. Das soll so bleiben. Auch wichtig: Trotz der Preiserhöhung gehört das Abendblatt im deutschen Vergleich eher zu den günstigeren Regional- und Qualitätszeitungen.

Liebe Leserinnen und liebe Leser, die Redaktion und der Verlag des Hamburger Abendblatts hoffen auf Ihr Verständnis – und vor allem hoffen wir sehr, dass Sie Ihrer und unserer Zeitung weiter gewogen bleiben.

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