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Kommentar

Schluss mit dem Hamburger Immobilien-Wahnsinn!

Der Autor leitet das Wirtschaftsressort beim Abendblatt.

Der Autor leitet das Wirtschaftsressort beim Abendblatt.

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Überzogene Preise und viel zu teure Makler – damit muss endlich Schluss sein. Reaktion der Banken ist notwendig.

Was sich derzeit auf dem Hamburger Immobilienmarkt abspielt, hat mit Seriosität und Realismus nicht mehr viel zu tun. Da werden Häuser in Randlagen, die eigentlich für die Abrissbirne bestimmt sind, als idyllisches Objekt oder Haus mit Charakter angepriesen – und Preise jenseits der 500.000-Euro-Marke verlangt. Zur Erinnerung: Vor der Euro-Einführung entsprach diese Summe einer Million D-Mark! Abrissobjekte unter 500.000 Euro und bewohnbare Einfamilienhäuser für weniger als 700.000 Euro sind zur Seltenheit geworden. Millionen-Objekte (in Euro!) bestimmen das Bild.

Friseurin muss für Maklercourtage drei Jahre arbeiten

Der Hamburger Immobilienmarkt hat längst ein Preisniveau erreicht, das mit überzogen noch nett umschrieben ist. Hinzu kommen Maklerprovisionen von mehr als sechs Prozent. Aber mit welcher Berechtigung? 62.000 Euro Provision für den Verkauf eines Hauses zum Preis von einer Million Euro – ist das eine faire Entlohnung oder nur der Tatsache geschuldet, dass die Marktmechanismen bei Maklern längst außer Kraft gesetzt sind? Diese Frage sollte man eine Friseurin beantworten lassen, die für den gleichen Betrag drei Jahre lang in Vollzeit arbeiten muss.

Einfach auf den Immobilienkauf verzichten!

Dass Immobilienpreise und Nebenkosten aus dem Ruder laufen, haben in Hamburg auch die Banken gemerkt. Sie sind nicht mehr bereit, den Finanzierungswahnsinn mitzumachen und Billigst-Kredite für marode Immobilien zu gewähren. Stattdessen verlangen sie mehr Eigenkapital oder höhere Zinsen als Risikoprämie. Das ist nicht nur richtig, sondern notwendig, um potenzielle Käufer vor der Überschuldung zu bewahren. Noch sinnvoller wäre es, wenn die Interessenten einer Immobilie schon bei Besichtigungsterminen die Makler auf überzogene Preis- und Provisionsvorstellungen aufmerksam machen und vom Kauf Abstand nehmen.