Meinung
Abendblatt-Autoren

Wer ist eigentlich ...Iris Mydlach?

Immer montags: Der Fragebogen an die Abendblatt-Autoren, deren Namen man beinahe jeden Tag in der Zeitung liest. Heute: Iris Mydlach

Ich bin Journalistin geworden, weil ...
… ich es mir zugetraut habe. Das hat ein wenig gebraucht. Nach meinen Studium hatte ich zunächst im öffentlichen Dienst des Saarlands begonnen. Dann wagte ich den großen Schritt. Mein erstes Praktikum? Fand 2003 beim Hamburger Abendblatt statt.


Drei Dinge, die ich an Hamburg und dem Norden am meisten schätze:

Das Moin, das immer Direkte. Die Stille des Hafens am frühen Morgen.


Drei Dinge, die in Hamburg und im Norden besser werden müssen:

Die Betreuung in den Kitas, die Pflegesituation an den Krankenhäusern, die Inklusion.


Demnächst würde ich gern mal ein Interview führen mit ...

… der Premierministerin Islands, Katrín Jakobsdóttir.


Das wäre meine wichtigste Frage:

Wie wird man zum Land mit der größten Geschlechtergerechtigkeit der Welt?


Der interessanteste Interviewpartner, den ich bisher hatte:

Immer wieder: Rudi Kargus. Von der Weltbühne des Fußballs in die Kunstgalerien dieser Stadt. Wie viel Mut zu diesem Weg gehört und wie viel Arbeit an sich selbst, das hat mich sehr beeindruckt.


Die schwierigste Geschichte, die ich recherchieren musste:

War der schwerste Kampf des Handballers Oleg Velyky. Ich begleitete ihn während seiner schweren Krebserkrankung, die zunächst besiegt schien. Wir waren so gut wie gleichaltrig. Als er 2010 mit gerade einmal 33 Jahren starb, war das der schwierigste Text meines Lebens.


Diese Geschichte hätte ich lieber nicht geschrieben:

Mein Beitrag über die Frauenfußball-WM 2011. Heute denke ich, dass er ziemlich selbstgefällig war. Am Ende wird das meine Tochter beurteilen, wenn sie alt genug ist.


Das spannendste Ereignis, bei dem ich als Journalistin dabei sein durfte ...

… war das Fußballspiel SC Paderborn gegen die TSG Hoffenheim am 21. September 2007 – das Debüt der Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus in der Zweiten Bundesliga. Wie cool die Spieler darauf reagierten und wie wenig souverän viele meiner männlichen Reporterkollegen. Einer fragte Steinhaus tatsächlich, mit wem sie nach dem Spiel geduscht hatte. Das blieb mir lang in Erinnerung.

Meine (derzeit) größte Leidenschaft ist ...

... die Programmiersprache Python. Die habe ich in meiner Elternzeit entdeckt. Eine völlig neue Welt. Wenn mein Kollege Thorsten Ahlf aus der Fotoredaktion nicht wäre, hätte ich vielleicht auch schon längst aufgegeben.


Im letzten Leserbrief, den ich bekommen habe, ging es um ...

… das tägliche Hamburg-Quiz auf abendblatt.de. Da hatte ich offenbar in einer Antwort einen Fehler eingebaut. Immer wieder großartig, wie aufmerksam unsere Leser sind.


Im Hamburger Abendblatt lese ich am liebsten ...

… beziehungsweise jeden Tag als Erstes: den Harburg-Teil.


Wenn ich etwas anderes beim Hamburger Abendblatt machen könnte, dann wäre ich gern:

Infografikerin. Leider scheitert es bei mir an allem, was man für diesen Job können muss. Trotzdem finde ich es faszinierend, was man aus nackten Zahlen alles zaubern kann. Ich arbeite daran!


Im Moment lese ich folgendes Buch:

„Ada’s Algorithm“, eine Biografie der brillanten britischen Computerpionierin Ada Lovelace (1815–1852).

Meine Lieblingsautoren sind:

Donna Tartt, Gavin Extence, Angelika Klüssendorf.



Meine Lieblingsplätze in Hamburg sind ...

der Hafen und die Fährlinie 62 (egal in welche Richtung).



Das mache ich, wenn ich nicht arbeite:

Ich lese, bin gern im Garten und auf Reisen. Und ich pflege meinen schwerbehinderten Sohn.


Menschen, die an der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit von Medien zweifeln, sage ich:

Es ist immer richtig zu zweifeln. Nur sollte der Zweifel auch immer zu etwas führen. Uns Journalisten führt er – im besten Fall – zu einer gründlichen, ausgewogenen und von allen Seiten nachvollziehbaren Recherche.

Vita

Iris Mydlach (Hellmuth) hat 2004 die Deutsche Journalistenschule in München absolviert und kam über die „Süddeutsche Zeitung“ und den „Stern“ 2010 zum Abendblatt.