Meinung
Deutschstunde

Zweimal dasselbe zu sagen ist zu viel des Guten

Der Verfasser ist „Wortschatz“-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Sprachkolumne erscheint dienstags

Der Verfasser ist „Wortschatz“-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts. Seine Sprachkolumne erscheint dienstags

Foto: Klaus Bodig / HA

Deshalb fallen manche Silben einfach weg. Ein Streifzug von der Haplologie bis zu den Teltower Rübchen.

Wissen Sie, was eine Haplologie ist? Wahrscheinlich nicht. Dieser Fachbegriff der Sprachwissenschaft gehört nicht zur Allgemeinbildung und dürfte selbst im Leistungskursus „Deutsch“ nicht zum Abiturwissen zählen. Ich erinnerte mich dunkel, im germanistischen Proseminar so etwas Ähnliches schon einmal gehört zu haben, hatte aber in den fast 60 Jahren, die seitdem vergangen sind, die Erklärung vergessen.

Die liefert uns nun die Duden-Sprachberatung als Hauptthema in ihrem Mai-Newsletter frei Haus, immer bemüht, die Regeln nicht nur der Grammatik und Orthografie, sondern auch der Phonologie unter uns Unwissenden zu streuen. Eine Haplologie ist die Verschmelzung zweier gleicher oder ähnlicher Silben (auch Phoneme, also Laute) zu einer einzigen.

So fällt im Deutschen grundsätzlich ein -er- weg, wenn an eine männliche Personenbezeichnung auf -erer noch ein weibliches -in angehängt wird. Ein weiblicher Zauberer ist keine „Zaub-erer-in“, sondern eine Zauberin, eine Bewunderin keine „Bewundererin“ oder die Mineralogie keine „Mineralologie“. Zweimal dasselbe zu sagen ist für die meisten zu viel des Guten. Gerade eben ertappte ich mich dabei, dass ich im Manuskript „Hap­logie“ geschrieben habe. Das Wort „Haplologie“ bietet sich ja deutlich für eine hier nicht statthafte Haplologie an.

Schwierigkeiten bereitet im Norden auch das Verb „sich erinnern“, wobei ebenfalls etwas wegfällt, zwar keine Silbe, sondern gleich das gesamte Reflexivpronomen. Sätze wie „Erinnerst du noch das Hafenfest im vergangenen Jahr?“ oder „Ich erinnere Omas Geburtstag“ mit direktem Akkusativobjekt sind in Hamburg umgangssprachlich üblich, aber standardsprachlich schlichtweg falsch. Im Sinne von „wieder an jemanden oder an etwas denken“ ist nur die reflexive (rückbezügliche) Form korrekt. Das Objekt wird meistens mit einer Präposition angeschlossen („Erinnerst du dich noch an das Hafenfest im vergangenen Jahr?“) oder im Genitiv („Er erinnerte sich seiner silbernen Hochzeit“). Dass der Genitiv in diesem Zusammenhang der gehobenen Sprache angehört und bei einer normalen Unterhaltung in der Hochbahn ein wenig überzogen wirkt, braucht nicht extra betont zu werden.

Wenn wir sonst nichts zu erzählen haben, reden wir über das Wetter. Es gibt Boulevardzeitungen, die das schöne Osterwetter in diesem Jahr gleich zur apokalyptischen Schlagzeile (mit Archivbild aus der Sahara) über die drohende nächste Trockenperiode benutzt haben, nach dem kühlen und feuchten Mai aber über die Kälte zu Pfingsten jammern, sodass ich mir fast wieder den Wintermantel aus dem Schrank geholt hätte.

Dabei wimmelt es in den Texten von „warmen“ und „kalten“ Temperaturen. Das ist natürlich falsch. Der Begriff „Temperatur“ gibt den Grad der Kälte oder Wärme wieder. Deshalb existieren nur niedrige oder hohe Temperaturen, die wir als warm, kalt oder angenehm interpretieren. Ebenso sollten wir von der höchsten oder der niedrigsten Temperatur sprechen, nicht von der „wärmsten“ oder der „kältesten“.

Entsprechend pleonastisch (doppelt gemoppelt) ist der häufig zu hörende Ausdruck „billige Preise“. „billig“ bedeutet bereits „nicht teuer, günstig zu haben, niedrig im Wert“. Also darf es nicht „billiger Preis“ oder „teurer Preis“ heißen, sondern niedriger oder hoher Preis.

Das schwache Verb „bepreisen“ ist übrigens eine korrekte Bezeichnung aus der Wirtschaftssprache, was eine Leserin vehement bestritten hat. Es bedeutet „einen Preis für etwas festsetzen“, zum Beispiel „einen Kredit nach dem Risiko bepreisen“. Bei der Wendung „um den Preis“ müssen wir aufpassen, dass die Logik der Aussage stimmt.

Falsch ist die Formulierung „Er sagte ihr die Wahrheit um den Preis des Verlustes ihrer Freundschaft“, richtig ist: „Er sagte ihr die Wahrheit um den Preis ihrer Freundschaft.“

Ein weiterer Stolperstein: Bei den Einwohnerbezeichnungen auf -ower (Lüchower, Teltower) wird das w nicht gesprochen. Nach alter Rechtschreibung musste deshalb hinter dem w getrennt werden (Teltow-er Rübchen), inzwischen ist allerdings auch die Worttrennung davor erlaubt (Telto-wer Rübchen).

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