Meinung
Zwischenruf

Eine unerwartete Fahrt im Oldtimer-Cabriolet

Foto: Klaus Bodig / HA

Die Hamburger sprühen zwar nicht immer vor Lebensfreude, aber oft sind sie für positive Überraschungen gut.

Das schicke Oldtimer-Cabriolet hatte ich schon ein paarmal bestaunt, am vergangenen Wochenende war dann auch sein stolzer Eigner samt Politur und Fensterleder vor Ort. Die Hamburger tun sich ja immer schwer mit ungeplanten Unterhaltungen, trotzdem ergab sich ein norddeutsch-knappes Gespräch über das Schmuckstück.

Wirklich sympathisch war mir dieser graumelierte Hüne nicht, der alle Fragen höchst einsilbig mit hingeworfenen Infos über Alter, Höchstgeschwindigkeit und Renovierungsarbeiten beantwortete. Ein reicher Stiesel eben, so schien mir. Überraschung Nummer eins war dann, dass er plötzlich mit dem Schlüssel wedelte und frage: „Wollen Sie mal ‘ne Runde drehen?“ Man muss im Leben auch mal im richtigen Moment Ja sagen, also: Ja. Dann folgte Überraschung Nummer zwei. Der nun doch recht nett erscheinende Herr wollte nämlich gar nicht mitfahren. „Hauptsache, Sie kommen zurück“, war alles, was er mir mit auf den Weg gab.

Holzlenkrad, Ledersitze, Felgen – ein Traum. Der röhrende Motor und der Fahrtwind überzeugten mich, dass ich hellwach war. Ungefähr 20 Kreuzungen wagte ich, dann ging’s schon wieder zurück. Das Glück nicht überstrapazieren – hätten Sie ja auch so gemacht. Meinen überschwänglichen Dank beantwortete der Oldie-Besitzer mit einem zerstreuten „Hmja“, dann war er auch schon wieder mit dem Lack beschäftigt.

Zwei Eindrücke haben sich mir eingeprägt: Das Auto fuhr sich wirklich genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und: Die Hamburger sprühen zwar nicht immer vor Lebensfreude, aber oft sind sie für positive Überraschungen gut.