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E-Mails Zwischen Hamburg und Berlin

Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Foto: Andreas Laible / HA

Der wöchentliche E-Mail-Wechsel von Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider und „Cicero“-Chef Christoph Schwennicke.

Christoph Schwennicke (r.), Chefredakteur des in Berlin produzierten Magazins „Cicero“, und Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, pflegen eine E-Mail-Freundschaft, die wir jeden Sonnabend an dieser Stelle veröffentlichen.

Haider: Lieber Christoph, wie ich Dich kenne, gehörst Du auch zu denen, die nun eine Verbindung zwischen dem WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft und der Situation der Bundesregierung konstruieren.

Schwennicke: Du willst mich necken, scheint mir. Ich bin Fußball-Abstinenzler und finde diese Fußball-Politik-Parallelen unglaublich platt und billig.

Haider: Wunderbar. Dann gleich voll in die Politik: Wie geht dieses Wochenende aus, haben wir nächste Woche noch eine Bundesregierung. und wenn ja, welche?

Schwennicke: Haben wir. Und zwar exakt diese. Die europäische Lösung wird im Geiste eine Seehofer-Lösung sein. Und dann wird Seehofer ein bisschen zurückweisen dürfen, bis die europäische Lösung, also Abriegelung der Außengrenze, greift.

Haider: Aber dann wäre ja die ganze große und vor allem groß inszenierte Aufregung umsonst gewesen. Was macht Dich so sicher, dass Angela Merkel auch diese Krise löst?

Schwennicke: Nein, das war nicht umsonst. Merkel wird durch den Zangengriff von EU/Partnerländern und CSU auf einen Kurs der Vernunft geführt. Das geht bei ihrer Halsstarrigkeit nur mit der Brechstange.

Haider: Und was hat die CSU für ihre Landtagswahl davon?

Schwennicke: Sie wird sagen: So wie wir die Obergrenze durchgesetzt haben, haben wir auch das durchgesetzt.

Haider: Aber für eine absolute Mehrheit wird das auch nicht reichen. Oder bin ich der Einzige, der Markus Söder nicht mehr sehen kann?

Schwennicke: Der Einzige vielleicht nicht. Aber du spielst da als Hamburger auch eh keine Rolle. In Bayern hat er einen guten Stand. Und 40 plus ist in diesen Zeiten der Zersplitterung der Parteienlandschaft immer noch einzigartig bundesweit.

Haider: Das hat zuletzt nur einer geschafft.

Schwennicke: Wenn ich bloß wüsste, wen Du da meinen könntest ...