Meinung
Offen gesagt

Für mehr Außenseiter in der Elbphilharmonie

Schon jetzt, zwei Jahre vor dem eigentlichen Jubiläumstermin 2020, ­be­ginnen die ersten Programmplaner landauf, landab mit Beethoven-Ideen-Ouvertüren, um nur ja die Ersten zu sein. Nichts gegen Beethoven, aber, so ganz ohne wirtschaftliche Notwendigkeiten dahingeträumt: Wann, wenn nicht jetzt, könnte in der Elbphilharmonie-Stadt Hamburg der zu Unrecht ­unbekannten Rarität drastisches Vorfahrtsrecht in Klassik-Konzertprogrammen eingeräumt werden? Jahrzehntelang hatten es die Publikumslieblinge hier sehr leicht und das Neue viel zu schwer, weil konsequent nicht oder kaum gespielt wurde, was andernorts Chancen bekam.

Die klassische Grundversorgung ist ehrenvoll und wichtig, schon klar. Dennoch hat diese Idee ihren Reiz: einfach mal kein MozartBrahmsBeethovenBrucknerMahlerStraussetcpp. Respektvolles Hausverbot für die Hausgötter, als konzertierte Aktion. Stattdessen voll hinein ins lohnende Risiko-Repertoire: ­Geniales von Ives, Britisches von Vaughan Williams, Dänisches von Nielsen, Ganzfrühes von Mendelssohn, ­Dröhnendes von Liszt, Anstrengendes von Weinberg, ­Radikales von Ustwolskaja, Fast­unhörbares von Nono, Laaang­atmiges von Feldman, Klangfarbenschillerndes von Skrjabin ... Die Liste wäre lang, die Elbphilharmonie ist eh immer ausverkauft. Was soll schon passieren, außer: Überraschungen.