Meinung
Hunde-Kolumne

Warum Frieda (noch) nicht mit ins Büro kommt

Eine neue Umfrage zeigt, dass immer mehr Hundehalter ihren Vierbeiner auch bei der Arbeit dabeihaben wollen.

70 Prozent aller Hundehalter würden ihr Tier am liebsten regelmäßig mit ins Büro nehmen, 45 Prozent sogar täglich. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage im Auftrag von Nestlé Purina PetCare unter 1000 Haltern. Nur die Engländer liegen in diesem Punkt noch vor den Deutschen. Damit nicht genug. Jeder zweite würde auf eine Gehaltserhöhung verzichten, wenn er seinen Hund zur Arbeit mitbringen dürfte. Und: Ein Drittel könnte sich dafür sogar einen Jobwechsel vorstellen. Mich beeindruckt dieses Ergebnis schwer – und wie so oft bin ich auch hier wieder hin- und hergerissen.

Derzeit dürfen 20 Prozent der Deutschen ihren Hund mit zur Arbeit bringen – nicht gerade viele. Die gute Frieda hat mich schon ein paarmal stundenweise ins Büro begleitet. Am meisten freuten sich darüber meine Kollegen, die sie mit Streicheleinheiten überschütteten und mit Spielereien auf Trab hielten. Das war schon faszinierend und für mich auch etwas frustrierend, wie bereitwillig Frieda den Kommandos einiger energischer Kolleginnen mit langjähriger Hundeerfahrung Folge leistete und sich von den ihr völlig Unbekannten höchst zufrieden betüdeln ließ. Am zweitmeisten freute sich also Frieda, jedenfalls für ein paar Stunden. Dann wurde ihr langweilig, und sie zeigte verstärkt ihren „Nun aber wieder nach Hause“-Blick.

Und Herrchen? Mich hat der tierische Besuch eigentlich mehr gestresst als beflügelt. Zum einen konnte ich mich deutlich weniger auf die Arbeit konzentrieren, zum anderen – und das ist noch entscheidender – war ich mir nach einer Weile gar nicht sicher, dass ich meinem Hundemädchen mit dieser Visite wirklich etwas Gutes tat. Es soll ja Büros geben, in denen sich der Arbeitsalltag der Mitarbeiter kaum von ihrem Leben zu Hause unterscheidet. Das ist bei mir keineswegs so. Telefone klingeln, Computertastaturen klappern, die Luft ist eher mittelprächtig. Dauernd wird gesprochen, laufend kommen Leute ins Zimmer und gehen wieder raus. Frieda ist ja immer noch ein junger Hund, also nicht der Typ, der stundenlang stoisch unterm Schreibtisch döst. Sie ist neugierig und aufgekratzt, will alles checken. Um es kurz zu machen: 31 Prozent der Befragten finden, dass der Vierbeiner die Motivation am Arbeitsplatz fördert, und 37 Prozent glauben, dass er den Stress vor Ort senkt. Ich selbst gehöre aber nicht dazu.

Nach meinem Verständnis sind die Wohnung und der Park die richtige Umgebung für den Hund, und eine gewisse Zeitspanne ohne Menschenbegleitung kann ja auch erholsam sein.

Nun muss ich aber fairerweise zugeben, dass ich kein alleinerziehendes Herrchen bin und Frieda nie länger als vier Stunden alleine bleibt. Ich kann mir zwischendurch auch immer mal berichten lassen, was sie in meiner Abwesenheit veranstaltet, und manchmal bekomme ich dazu auch lustige Filmchen geschickt. Das alles ist bei anderen Haltern deutlich schwieriger, und ich kann mir gut vorstellen, dass sie ihr Tier ziemlich vermissen. Übrigens: Meine tolle Frieda ist für mich zwar unbezahlbar, aber auf mehr Gehalt würde ich ihr zuliebe nun auch wieder nicht verzichten – so viel Ehrlichkeit muss erlaubt sein. Fressi, Leinen, Spielzeug und der andere Tüdelkram sind schon teuer genug. Nimm’s mir nicht übel, Frieda, aber zumindest in diesem Punkt ziehe ich die Kröten dem Hund vor.

Wie die Umfrage auch zeigt, hat sich die Zahl derjenigen, die ihren Hund mit ins Büro nehmen möchten, seit 2012 fast verdoppelt. Eine Erklärung wird nicht mitgeliefert. Hat sich die Bindung zwischen Mensch und Hund in den fünf Jahren so dramatisch vertieft? Wohl kaum. Vermutlich hat das mit der allgemeinen Flexibilisierung des Berufslebens zu tun: Altersteilzeit, Sabbatjahr, Elternzeit, Homeoffice. Und nun also Hundezeit – Sie verstehen schon.

Nachdenkenswert für Arbeitgeber finde ich die Ergebnisse dieser Studie schon, und wie so oft wäre es bei manchem wohl mal einen Versuch wert.

So oder so: Wenn Frieda mal älter und ruhiger ist, nehme ich sie vielleicht häufiger mit ins Büro. Sie darf dann unterm Schreibtisch dösen, während Herrchen oben immer noch unverdrossen in die Tasten haut.