Meinung
Kommentar

Cyclassics – so geht es weiter

Hamburger Radrennentrotz des Publikumserfolgs kein Selbstgänger

20 Jahre werden die Cyclassics nun alt, da darf man von Herzen gratulieren. Ein echter Klassiker mag man in dem Alter noch nicht sein, da ist der Radsport sehr streng. Aber das Rennen hat es trotzdem längst an die Spitze der bedeutendsten deutschen und der beliebtesten europäischen Veranstaltungen ihrer Art geschafft. Breiten- und Spitzensportler in einem Rennen, das war bei der Premiere 1996 neu. Würden die Cyclassics für jede erfolgreiche Kopie ihres Konzepts eine angemessene Provision erhalten, dann wäre ihre Zukunft wohl langfristig gesichert.

Tatsächlich sind auch die Cyclassics trotz ihres Publikumserfolgs kein Selbstläufer. Die Suche nach einem neuen Titelsponsor blieb erschreckend lange erfolglos, beinahe hätte Hamburg sein nach Teilnehmern größtes Sportereignis an Düsseldorf verloren. Und die Nachfrage der Aktiven lässt allmählich nach. Soll die Trendwende gelingen, müssen die Cyclassics hier und da die ausgefahrenen Wege verlassen. Veränderungen bei der Streckenführung wie im vergangenen Jahr, als die Profis von Kiel heranrollten, können ein Ansatz sein, neue, kurzweilige Wettbewerbe ein anderer. Auch über ein Nachtrennen oder die Integration weiterer Radsportklassen lohnte es sich nachzudenken.

Der Marathon hat es vorgemacht: Er hat sich durch die Einführung der Staffel aus der Krise befreit und neuen Zielgruppen zugänglich gemacht. Auch die Cyclassics tun gut daran, sich dem veränderten Freizeitverhalten anzupassen, ohne dabei den Kern der Veranstaltung herauszureißen. 20 Jahre sind wahrlich kein Alter, aber wenn die Cyclassics weiterhin jung wirken sollen, kann eine Auffrischung nicht schaden.