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Kommentar

Bodenampel für Fußgänger– geht’s noch?

| Lesedauer: 2 Minuten
Lars Haider
Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Der Autor ist Chefredakteur des Hamburger Abendblatts

Foto: Andreas Laible / HA

itte mal den Kopf heben , liebe Generation Smartphone

Was haben wir früher eigentlich gemacht, wenn wir an der Ampel warten mussten? Oder beim Bummel durch die Stadt? Oder wenn wir Fahrrad gefahren sind? Wahrscheinlich haben wir nach vorn geguckt, um zu sehen, was da auf uns zukommt – und auf wen wir.

Und heute? Heute gibt es Fernsehsendungen, die sich einen Spaß daraus machen, eine Frau oben ohne durch eine Einkaufsstraße laufen zu lassen und andere Passanten dabei filmen, wie sie genau das nicht bemerken. Weil sie auf nichts anderes achten als auf das Smartphone in ihrer Hand. Untersuchungen in den USA haben ergeben, dass (jüngere) Leute ihr Telefon im Schnitt 150 Mal am Tag zur Hand nehmen. Wer sich an einem normalen Tag an eine ganz normale Straße in Hamburg stellt, kann das bestätigen: Wie ferngesteuert bewegen sich immer mehr Menschen durch die Stadt, um mit allen möglichen anderen zu kommunzieren, aber nicht die zur Kenntnis zu nehmen, die an ihnen vorbeigehen.

Bisher hat man in Deutschland über Bodenampeln gelacht, die es beispielsweise in Asien gibt und die verhindern sollen, dass Smartphone-Nutzer bei Rot über die Straße gehen. Und jetzt das: Augsburg und Köln führen als erste deutsche Städte genau diese Bodenampeln ein. Geht’s noch? Kann man nicht von Fußgängern, Rad- und Autofahrern verlangen, dass sie in ihrer jeweiligen Funktion dem Straßenverkehr maximale (Be-)Achtung schenken? Und was kommt als nächstes? Geteilte Fußgängerwege für alle, die aufs Smartphone gucken wollen, und für die anderen, die es in der Jackentasche stecken lassen? Gibt es auch schon in anderen Teilen der Welt.

Wir müssen wirklich aufpassen (und da schließt sich der Autor dieser Zeilen mit ein), dass wir nicht zu Sklaven unserer Geräte werden. Dass wir nicht immer, wenn es irgendwie möglich (oder auch unmöglich) ist, zum Smartphone greifen. Und dass wir uns vornehmen, uns wieder öfter nur auf eine Sache zu konzentrieren – also nur Auto zu fahren, nur durch die Stadt zu bummeln oder, auch wenn es in diesen Zeiten völlig verrückt klingt, einfach nur mal an der Ampel zu warten.

Sie glauben gar nicht, wie entspannend das sein kann – ich habe es selbst gerade ausprobiert.

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