Meinung
Kolumne

Vater sein dagegen sehr

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonnabend im Hamburger Abendblatt

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonnabend im Hamburger Abendblatt

Foto: Andreas Laible / HA / A.Laible

Diesmal folgte der Vatertag auf den Muttertag in so gehetzter Eile, dass er ihm fast auf die Fersen trat. Das hängt damit zusammen, dass beides bewegliche Feste sind.

Der erstere, Muttertag genannt, wird von der Blumenindustrie, dem schlechten Gewissen der Söhne und der Telekom-Werbung auf Trab gehalten. Der Vatertag bewegt wenigstens für einen Tag von der Familie weg – in ein großes Besäufnis, auch Himmelfahrt genannt, und endet in der Hölle eines schweren Katers. Besäufnisse, wie sie keiner so wie Wilhelm Busch in seinen Schreckensbildern festhalten konnte.

An Vatertagen dürfen auch Noch-Nicht-Väter zwecks Einübung mitmachen. Es gilt die Wilhelm-Busch-Devise: „Vater werden ist nicht schwer / Vater sein dagegen sehr.“ Sie verwendet die gleichen Reime wie die des großen Humoristen, Urvaters aller Comics und Uronkel aller Ringelnatze: „Es ist ein Spruch von Alters her / Wer Sorgen hat, hat auch Likör.“

An Vatertagen tun’s auch andere hochprozentige Getränke. Die folgende Einsicht stammt nicht von Busch, sondern fließt aus dem Volksmund: „Wein auf Bier, das rat ich dir / Bier auf Wein, das lasse sein.“ Oder wie es in dem Stück „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ heißt: „Mische nicht / Und wenn das Herz auch bricht.“

Ausgerechnet Wilhelm Busch, der die Freuden des Vaterwerdens und die Leiden des Vaterseins so trefflich summiert hat, ist nie Vater geworden. Und außer in seiner Trilogie von Herrn Knopp, wo er Freuden und Leiden der Ehe festhält, handeln seine Bildergeschichten nie von Eltern und Kindern. Kinder leben lieber feindselig bei heuchlerischen Vormunden, Onkeln, Tanten, etwa die Fromme Helene oder Fritz in „Hans Huckebein, der Unglücksrabe“. Kurz: von bösen Buben, die alte Leute ärgern, die sich grausam rächen.

Busch hat im Julchen-Teil der Knopp-Trilogie den unverheirateten Onkel, der er geblieben ist, bis zum „Kältetod“ als „Eskimo“ so beschrieben, weil er die Kosten des Kinderkriegens scheut: Der wird „am Ende krumm und faltig / Grimmig, greulich, ungestaltig / Bis ihn dann bei Nacht und Tag / Gar kein Mädchen leiden mag. / Onkel heißt er günst’gen Falles / Aber dieses ist auch alles.“

Dann lieber den Kater. Einmal im Jahr. Und die grimmige Einsicht des leider vergessenen Günter Eich: „Ich kann meine Eltern nicht leiden: Vater Staat und Mutter Natur!“