Meinung
Offen gesagt

Der Vorhang zu, eine Frage offen

Ein Theatertreffen-Vorschlag von Joachim Mischke

„Wenn Frau Deuflhard ins Gefängnis muss, komm ich freiwillig dazu und nehme zwei Flaschen Rotwein mit.“ Beim Stöbern im Online-Tagebuch des 52. Berliner Theatertreffens ploppt auch Thalia-Intendant Joachim Lux ins Bild. Erzählt von dem Aufklärungsunterricht seines Hauses beim Umgang mit der Flüchtlingsproblematik durch die „Schutzbefohlenen“-Inszenierung und von der unseligen AfD-Anzeige gegen die Kampnagel-Intendantin. „Wir können das nur als Realsatire wahrnehmen“, kommentiert Lux diesen plump peinlichen Angriff von rechtsaußen.

Dann ist das Video-Interview vorbei, wie jetzt auch das diesjährige Theatertreffen, das gern als Leistungsschau der Branche bezeichnet wird, als Gipfeltreffen bühnenkünstlerischer Genüsse, Herausforderungen und Zumutungen. Doch eine grundsätzliche, ketzerische Frage bleibt unbeantwortet im Raum stehen: Wieso immer nur Berlin? Andere Städte haben auch schöne Bühnen. Kultur ist Ländersache, heißt es, und das stimmt ja auch. Warum dann also nicht einen tollen Wanderzirkus aus dem Theatertreffen machen? Warum nicht mit den herausragenden Produktionen in jene Orte in der „Provinz“ gehen, in denen engstirnige Kommunalpolitiker ihre eigene Bildungs- und Fantasiearmut an der Kultur auslassen? Den Dramaturgen der angesagten Häuser, die sich jährlich in Berlin lange Nächte gönnen, sollte egal sein, in welcher Theaterkantine sie versacken. Es gibt Wichtigeres.