Meinung
Zwischenruf

Ausblick auf das Jahr 2017

Eine Glosse von Alexander Schuller

Regen prasselte vom Himmel herunter, das Wasser rauschte durch die Rinnsteine. Ein Ehepaar hastete den Mühlenkamp entlang, vorbei an verwaisten Ladengeschäften und Restaurants. Nach 100 Metern blieb der Mann abrupt vor einem Geschäft stehen, über dessen Eingang eine überdimensionale Brille prangte.

Doch die Eingangstür war vergittert. Er blinzelte etwas mühsam den Mühlenkamp hinunter, denn seine Brille war zerbrochen. Außer einem Supermarkt hatten am Mühlenkamp noch zwei Spielhallen, drei Bäckereifilialen, vier Handyshops, ein Sonnenstudio, ein „Sushi to go“ und zwei Pizza-Lieferdienste geöffnet. „Wo ist denn der Optiker hin?“, schnauzte der Mann, „der war doch eben noch da!“

„Eben noch? Schatz, wann hast du dir deine Brille gekauft?“, fragte seine Frau in tadelndem Ton.

„2014. Vor drei Jahren. Und weil sie nicht passte, bin ich hierher, aber der Halsabschneider wollte mir zehn Euro fürs Anpassen abknöpfen!“

„Weil du die Brille im Internet bestellt hast und nicht bei ihm“, insistierte sie.

„Na und? Ich sag nur: Servicewüste Deutschland!“, brummte der Mann.

„Im Fernsehen reden die ja auch immer von der ‚Verödung der Innenstädte‘“, pflichtete seine Frau ihm jetzt bei, um ihn zu beruhigen.

„Hmmh“, grunzte ihr Mann. Um den Fachhandel zu stärken, das sah er auch ohne Brille deutlich, war es jetzt zu spät.