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Kommentar

CDU-Comeback für Friedrich Merz ist ein cleverer Schachzug

CDU-Comeback für Friedrich Merz. Ein cleverer Schachzug

Friedrich Merz meldet sich zurück in der CDU – und das hinterlässt ein Fiepen im Ohr: der Unkorrekte, der Marktliberale, der Rechtsaußen, der Steuersenker und (am Ende) der Verlierer im Machtkampf mit Merkel, als Merz nach der Wahl 2002 den Posten des Unionsfraktionschefs an die spätere Kanzlerin abtreten musste. Egal wie jemand zu Merz steht: Die Personalie eckt an. Und angeeckt hat in der CDU schon länger niemand mehr richtig. Die Union ist eine Partei aus einem (vor allem Merkels) Guss. Es ist keine Partei mit Kanten. Und deshalb steckt in Merz’ Engagement eine Chance. Aber auch ein Risiko.

Friedrich Merz wird nun Mitglied einer Parteikommission, die sich um den wirtschaftspolitischen Kurs der CDU Gedanken machen soll. Die Kommission kommt in einer Zeit, in der die Kritik am blassen Wirtschaftsprofil der Union lauter wird. 50 junge CDUler fordern „endlich mal wieder wirtschaftsfreundliche Reformen“. Nach dem auch von der Kanzlerin mitgetragenen Mindestlohn und der Rente mit 63 erstarkt die Kritik. Merz wirkt wie ein merkelscher Schalldämpfer, der den Lärm der Kritiker mindern soll.

Merz gilt als Finanzexperte – mit einem klar arbeitgeberfreundlichen Kurs. Er wollte, dass die Steuererklärung auf einen Bierdeckel passt. Niedrige Steuern für Besserverdiener, das war seine Idee. Nachdem er sich 2009 beleidigt aus der Partei zurückgezogen hatte, fehlte dem Wirtschaftsflügel der Union ein Gesicht. Jetzt, wo die FDP aus der Politik verschwunden ist, muss die Union ihr Wirtschaftsprofil schärfen. Sie kann Wähler und Macht gewinnen. Gleichzeitig ist Merz ein Konservativer. Er proklamierte die „deutsche Leitkultur“. Merz kann Flankenschutz gegen Konkurrenz durch Rechtsaußen-Parteien sein. Doch er ist auch ein Provokateur, manche sagen: ein Nörgler. Das kann Unruhe in die Union tragen. Und Merz hat viele Jahre keine Politik gemacht. Er kann nicht einfach dort weitermachen, wo er 2009 aufhörte. Die Gesellschaft braucht heute eine andere Melodie als den Bierdeckel-Blues. Merz fängt langsam an, in einer Parteikommission. Vielleicht reicht das auch der CDU erst mal.