Meinung
Kommentar

Bei RWE Dea ist Furcht vor Moskau unbegründet

Die Kritik am Verkauf von RWE Dea ist verfehlt

Die Sorge, dass mit dem Verkauf der Hamburger Öl- und Gasförderungsfirma RWE Dea an das russische Unternehmen LetterOne die Regierung in Moskau noch mehr Einfluss auf die deutschen Öl- und Gasimporte bekommt, ist trotz der Krise in der Ukraine nicht berechtigt. Selbst während des Kalten Krieges ist das Land seinen Lieferverträgen nachgekommen. Auch die Forderung von Politikern, die Bundesregierung müsse den Verkauf verhindern, ist nicht berechtigt. Denn es ist die Angelegenheit der Wirtschaft, wenn sich zwei Firmen über einen Kaufvertrag einigen. Die Meinung von Politikern, wonach ein Unternehmen nicht an einen russischen Investor gehen dürfe, ist zwar populistisch, aber damit noch lange nicht richtig. Anders wäre die Sache, wenn es um Rüstungsfirmen ginge oder andere strategisch relevante Unternehmen.

Die Furcht vor dem großen Einfluss der Moskauer Regierung auf die deutsche Energieversorgung ist vor dem Hintergrund der Zustände in der Ukraine nachvollziehbar. Doch auch Staatspräsident Wladimir Putin weiß, dass der Staatshaushalt Russlands größtenteils durch die Einnahmen der Gas- und Ölexporte finanziert wird. Einen Lieferstopp kann sich das Land trotz seines Rohstoffreichtums nicht leisten, zumal die russische Mineralölindustrie einen hohen Sanierungsbedarf hat. Viele Pipelines sind alt und marode. Russland braucht die Einnahmen aus dem Westen.

Natürlich wäre es aus Hamburger Sicht auf den ersten Blick schöner gewesen, wenn ein deutscher Investor RWE Dea übernommen hätte. Doch das hätte gravierende Folgen haben können. Denn ein inländischer Käufer hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Verwendung für die Zentrale in der City Nord, da er bereits einen Firmensitz in der Bundesrepublik hat. Die 600 Arbeitsplätze in der RWE-Dea-Zentrale wären in Gefahr gewesen. Hamburgs Arbeitsagentur hätte möglicherweise einen großen Andrang von ehemaligen Mitarbeitern aus der City Nord bewältigen müssen. LetterOne sitzt in Luxemburg. Der Investor hat bereits erklärt, die Deutschland-Zentrale übernehmen zu wollen. Die Mitarbeiter können hoffen.