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Nicht klagen, sondern Lehrer besser ausbilden

Wieder einmal schneiden Deutschlands Schüler bei einer Bildungsstudie schlecht ab. Das muss nicht sein, wenn richtig investiert wird

Solange wir nicht Klartext reden und die Probleme nicht konkret beim Namen nennen, können wir weiter über Rankings und mieses Abschneiden in Bildungsstudien lamentieren. Wir werden nichts ändern.

Nur wer seine Lehrer gut ausbildet, schafft auch eine solide Basis für guten Unterricht. Es muss Anreize geben, damit die besten Abiturienten sich für das Lehramt bewerben. Diese müssen wir mit kleinen Schritten und praxisnah ausbilden, bevor wir sie ins kalte Wasser werfen. Sie müssen stark genug sein, Benehmen und Leistung auch von Stadtteilschülern in Problemgebieten einzufordern.

Wer aber Referendare von Beginn an zwölf Wochenstunden eigenverantwortlich vor Klassen mit 28 Schülern stellt, riskiert, dass das in die Hose geht. Der Referendar ist ein "Auszubildender". Welcher Arbeitgeber würde seinen Lehrling allein losschicken, einen Reparaturauftrag zu erledigen, mit dem Vermerk "du schaffst das schon"?

Besonders in Stadtteilschulen weniger attraktiver Gegenden machen sich die 43,2 Prozent Schüler mit Migrationshintergrund bemerkbar. Hier sammeln sich nicht die Söhne und Töchter indischer Kaufleute. Hier lernen nicht die Kinder chinesischer Diplomaten.

In diesen Schulklassen kommen die Kinder aus Rumänien, Bulgarien, Kosovo, Türkei, Albanien, Afghanistan, Ghana, Togo und anderen Ländern. Manche der Jungen und Mädchen bringen schlimme Erfahrungen mit in die Schule. Der Wissensstand dieser Schüler ist äußerst unterschiedlich. Nur an wenigen Stadtteilschulen darf aber Unterricht in Leistungsgruppen differenziert werden.

Grundsätzlich gilt, dass lernstarke und lernschwache Kinder miteinander arbeiten sollen. Dass lernschwach häufig mit disziplinlos und lernunwillig einhergeht, wird leider oft außer Acht gelassen.

So kann ein Lehrer den fünf verschiedenen Anspruchsniveaus in seiner Klasse kaum gerecht werden. Sie fragen sich, warum fünf? Die Spanne reicht hier von Förder-, Haupt- und Realschul- bis zu Gymnasialniveau. Hinzu kommen die verschiedenen Inklusionsschüler.

Dass der Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler abhängig vom sozioökonomischen Status der Eltern ist, trifft nicht generell zu. Lernerfolg hat maßgeblich mit der Bildungsnähe des Elternhauses zu tun. Kinder aus unterbezahlten Beamtenfamilien im einfachen Dienst und Sprösslinge asiatischer Herkunft sind oft hoch motiviert und erzielen beste Lernergebnisse.

Im Gegensatz dazu fehlt den Söhnen wohlhabender Unternehmer anderer Herkunft häufig jegliche Motivation zu lernen. "Wozu brauch ich das? Geh ich zu meine Onkel in sein Firma. Hab ich nächste Jahr 5er BMW."

Junge Menschen, die Tugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit, Ehrlichkeit, Fleiß und Hilfsbereitschaft beherrschen, bekommen sogar mit dem ersten Schulabschluss Ausbildungsplätze in Hamburg.

Wenn die Neffen der Onkels familienintern auch ohne Abschluss in Arbeit kommen, kann uns das recht sein. Wir dürfen aber nicht zulassen, dass sie durch ihr Stören und ihre Disziplinlosigkeit anderen in den Schulen die Chance auf Lernen nehmen.

Wir müssen uns trauen, auch Eltern zur Verantwortung zu ziehen, deren Kinder sich nicht benehmen können oder nicht lernen wollen..

Und wir sollten aufhören, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Manche Studie scheint vom Anspruch her recht realitätsfremd zu sein. Hat einmal jemand gefragt, ob die Vermarkter der verschiedenen Bildungsstudien jemals selbst Unterrichtspraxis erfahren haben?

Karin Brose unterrichtet als Studienrätin an einer Stadtteilschule in Hamburg

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