Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. Oktober 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Nicht von Interesse für Bürger

30. September: „NDR: Wie vergiftet ist die Stimmung? Intendant Joachim Knuth lässt Unternehmenskultur überprüfen“

Es ist beeindruckend, mit welcher Selbstverständlichkeit und Selbstgerechtigkeit der Intendant des NDR meint, die Bürger von dem eigentlichen Problem ablenken zu können. Als Vorwurf stand vor allem im Raum, dass der öffentlich rechtliche Rundfunk eine zu große (partei-)politische Nähe hätte. Von „Hofberichterstattung“ war die Rede. Dies hätte sich, nach interner Recherche, nicht bestätigt, lässt Herr Knuth nun im Nebensatz verkünden. Das (mit Verlaub) ist lächerlich. Wer den Bock intern recherchieren lässt, macht ihn zum Gärtner. Ob das Betriebsklima in seinem Unternehmen stimmt oder nicht und ob Führungskräfte „rustikal“ agieren, mag die Mitarbeiter sehr interessieren. Uns Bürger interessiert vor allem, ob der öffentlich rechtliche Rundfunk, für den wir alle zwangsweise bezahlen, wirklich unabhängig berichtet. Diesen Eindruck haben große Teile des Landes grade beim NDR aktuell nicht. Wenn Herr Knuth also eine unabhängige Untersuchung in Auftrag gibt, dann doch bitte zu dem eigentlichen Thema. Wortreiche Beteuerungen, die nur dazu dienen, auf ein weniger verfängliches Thema (ab)zu lenken, sind den Atem nicht wert!

Dr. Philip Düwel, Hamburg

Habeck muss das verhindern

28. September: „Hafen-Einstieg: Chinesen machen Druck“

Ich kann die Bedenken gegen die (Minderheits-)Beteiligung der chinesischen Reederei COSCO an der HHLA sehr gut verstehen. Offenbar ist die Geldgier der jetzigen Eigner nicht zu stoppen (findet sich kein deutscher Investor?) und dabei wird fast vorsätzlich übersehen, welche geschickten Strategien der chinesische Staat mit allen seinen Unternehmen anwendet, um seine weltweite Vormachtstellung weiter aufzubauen. Man möge sich einmal genauer ansehen, an welchen Häfen die Chinesen bereits jetzt weltweit beteiligt sind. Auch wenn es nicht um einen direkten Brückenkopf Chinas in Hamburg geht, so steht dahinter dennoch eine gut getarnte Salami-Taktik, deren Anwendung in Hamburg hoffentlich unser Wirtschaftsminister Habeck zu verhindern weiß.

Ewald Hauck

Und was ist mit Datenschutz?

28. September: „Homeoffice in der S-Bahn. Auf der Linie S 2 fährt ab kommender Woche ein Zug mit speziell eingerichteten Arbeitsplätzen“

Vielen Dank für diese so schmerzlich vermisste Innovation! Ich glaube mich zu erinnern, dass es in öffentlichen WLAN-Netzen gar nicht mal so sicher sein soll. Da könnten unter Umständen noch datenschutzrechtliche Probleme auftauchen, wenn der/die/das Beschäftigte auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit schon mal mit den Kollegen das erste Meeting abhält. So wie es auf dem Foto aussieht, können andere Mitreisende auch gut das Geschehen auf dem Monitor verfolgen, mal abgesehen davon was so besprochen wird. Das wird ja eine prima Geräuschkulisse werden, wenn noch das ein oder andere private Telefonat in entsprechender Lautstärke geführt wird. Mir fallen auf der Fahrt mit der S 3 / S 31 im morgendlichen Berufsverkehr eher andere Betätigungsfelder ein. Ich glaube flexible Steh-Lounges wären auch dringend notwendig.

Jens Rezmer, Seevetal

Nahrung für den Schimmel

29. September: „,Sparst du noch – oder schimmelt es schon‘? Weniger heizen und die Folgen für die Wohnung: Fragen und Antworten rund um den Schimmel “

Neben vielen richtigen Hinweisen im Artikel fehlt meiner Ansicht nach noch die Darstellung eines entscheidenden Zusammenhangs: Der Schimmel ist ein Pilz, der wie alle Organismen leben und überleben will. Dazu braucht er zweierlei: Wasser und Nahrung. Wie im Artikel richtig dargestellt, kann durch eine (heute) problematische (aber früher übliche) Baukonstruktion, durch problematisches Nutzerverhalten oder durch eine Kombination aus beidem auf der Innenseite der Außenwand Kondensation von Luftfeuchtigkeit stattfinden. Dadurch erhält der Schimmel dann die notwendige Feuchtigkeit. Was dient ihm dort aber als Nahrung? Das können nur organische Substanzen sein, also gewachsene Stoffe, die tierischen oder pflanzlichen Ursprungs sind. Baustoffe wie Stein, Putz und Mörtel sind im Regelfall mineralisch und können den Pilz nicht ernähren. Was aber an der Wand organisch ist, ist vor allem die Tapete und der Tapetenkleister, beide letztlich auf Holzbasis. Das heißt im Umkehrschluss: Wenn ich weiß, dass ich eine ggf. problematische Wand habe und dort aber auf Tapete und zugehörigen Kleister verzichte, sondern den Kalk-, Kalkzement oder Lehmputz mit einem passenden und diffusionsoffenen Anstrichsystem (also Kalkfarbe, Lehmfarbe oder Silikatfarbe) streiche, kann ich damit die Wahrscheinlichkeit, dass Schimmel auftritt drastisch reduzieren. Eine derartige Wand kann durchaus temporär erhöhte Feuchtewerte aushalten, ohne dass sich gleich Schimmel ansiedelt. Wenn eine Wand allerdings schon geschimmelt hat, reicht es meiner Erfahrung nach allerdings häufig nicht aus, nur die Tapete zu entfernen, weil der Pilz sich schon im Untergrund (Putz) eingenistet hat und ein Wiederbefall auch mit ganz wenig organischer Substanz (z.B. Reste vom Tapetenkleister im Putz, Spinnweben und Hausstaub) möglich ist. Da ist die Erneuerung des Putzes häufig die dauerhaftere und bessere Möglichkeit. Mir ist bewusst, dass jetzt nicht jeder gleich seine ganze Wohnung entsprechend umgestalten kann, aber vielleicht hilft dieser Hinweis, um Probleme einzuordnen und im besten Falle zu vermeiden.

Michael Holzrichter

Ich bin beeindruckt

29. September: Gastbeitrag: „Die Russen haben die Schlussakte von Helsinki zerrissen“

Ich las gerade den Gastbeitrag von Doktor Klaus Wittmann. Der Autor ist mir bekannt durch zahlreiche Interviews in einem anderen Medium. Aber der geschriebene Beitrag ist noch einmal deutlich präziser und pointierter und erfasst in eindrücklicher Weise das, was gerade in der Ukraine passiert und zieht auch die einzig richtigen Konsequenzen. Ich bin beeindruckt.

Johannes Fendt

Ideen zur Energieerzeugung

29. September: „Nach Sabotage: Sorge um die Infrastruktur. Wie sicher sind Pipelines und Unterseekabel? Experten vermuten Unterwasserdrohne mit Sprengladung hinter dem Angriff“

Wie schnell es jetzt in Deutschland gehen kann, zeigen die Planung, Genehmigung und Bau von LNG-Anlagen. Aber das reicht natürlich nicht. Kurzfristig hilft da wohl erstmal nur „Energiesparen“. Und weiter? Wo ist die flächendeckende alternative Energieerzeugung? Dazu fehlt es m. E. an Vorgaben des Staates (Bund und Länder). Zum Beispiel sollte es eine verpflichtende und angeordnete bundesweite Nutzungspflicht für öffentliche und gewerbliche Dachflächen und Parkplätze für Photovoltaikanlagen geben. Begleitet durch finanzielle Anreize, wie schnelle erhöhte Abschreibungen auf die Investitionen, reduzierte Steuerpflicht für Einnahmen aus „vermieteten“ Dachflächen und Parkflächen und reduzierte Steuern auf „Investitionen in Risikokapital für alternative Energien“. Die erzielten Steuern wären sogar zusätzliche Einnahmen des Staates. Ich bin mir sicher, dass mit solchen Anreizen Investitionsunternehmen und Installationsfirmen wie Pilze aus dem Boden schießen. Wenn der Staat es dann noch hinkriegt, z.B. Autobahnen und Zugtrassen mit Photovoltaik und Kleinwindkraftanlagen zu überbauen, sollte es Strom im Überfluss geben. Dazu bedarf es natürlich auch einer entsprechenden Infrastruktur, um die „kleinteilige“ Energieerzeugung entsprechend zu vernetzen und „Überschüsse“ an Strom für z.B. Wasserstoffgewinnung zu nutzen.

Artur Fallenbeck

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