Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. September 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Realistische Darstellung

29. September: Gastbeitrag: „Die Russen haben die Schlussakte von Helsinki zerrissen“

Für die endlich einmal realistische Darstellung der russischen Intentionen im Rahmen des Gastbeitrages möchte ich mich bei Herrn Brigadegeneral a.D. Dr. Klaus Wittmann bedanken. Ich hoffe, dass Herr von Dohnanyi, dem im Abendblatt jeden Freitag ein Forum geboten wird, sich dies auch einmal zu Gemüte führen wird. Er wird ja sicher als Nächstes behaupten, die Nato sei auch für die Sabotageakte an den Pipelines verantwortlich.

Birte Kluge, Hamburg-Blankenese

Managen heißt „gestalten“

28. September: „,Der Manager ist ein Auslaufmodell‘. Entscheider treffen Haider – heute mit Willms Buhse, Chef der Hamburger Beratungsfirma doubleYUU und Vordenker der Digitalisierung“

Der Versuch, den Manager zu beschreiben, geht total fehl. Der Manager kümmert sich nicht speziell um Zahlen und Fakten. Managen heißt „gestalten“ und umfasst prinzipiell alle Führungs- und Organisationsaufgaben im Unternehmen. Es ist Unsinn, dass der „ideale Chef“ nicht entscheidet. Egal, ob dieser nun Leader, Manager, Vorstand oder Chef genannt wird. Der oder die Führungsverantwortliche hat Entscheidungen zu treffen. Zumindest müssen Regeln und Vorschriften der Zusammenarbeit formuliert werden. Diese sind allemal grundlegend und entscheidend – auch zum gewünschten „wertschätzenden“ Umgang. Völlig naiv ist es, eine Alternative zwischen der Bedeutung Kunde oder Mitarbeiter für den Erfolg des Unternehmens aufzustellen. Ohne Kunden kein Umsatz – das weiß doch jeder. Mitarbeiter sind unentbehrlich, um die notwendigen Leistungen zu erbringen. Aber zunächst braucht ein Unternehmen ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell. Sehr antiquiert kommt Herr Buhse mit dem Satz daher, dass „Chefs motivieren können müssen“. Selbstverständlich ist es inzwischen, dass Mitarbeiter/Menschen sich nur selbst motivieren können. Allerdings ist es die Aufgabe von Firma und Chefs, dafür die Motivationsfaktoren, die Voraussetzungen zu gestalten. Zum Beispiel Positionen mit interessanten Aufgaben zu gestalten und Möglichkeiten zu schaffen, dass Mitarbeiter erfolgreich arbeiten können. Schließlich auch, dass sie mit ihrer Entlohnung zufrieden sind.

Dieter Brandes, Hamburg

Wir brauchen Netzstabilität

28. September: Leitartikel: „Die Krisen-Ideologen. Manche wollen in der Energienot die ganze Gesellschaft umbauen“

Matthias Iken hält für „ideologisch“, in der Krise Energie auch am Lebensstil, an Leuchtreklame, an Flutlicht zu sparen, und meint, stattdessen sollten Atomkraftwerke länger am Netz bleiben. Damit verkennt er grundlegend das Problem. Wir haben weniger ein Strom- als ein Primärenergieproblem und ein Netzproblem. Strommengen können wir aus dem Ausland zukaufen (außer, Frankreichs vielgerühmte Atommeiler produzieren auch da wieder nicht, aber dann bliebe uns noch norwegische Wasserkraft). Worauf wir beim Strom achten müssen, ist Netzstabilität. Zu der tragen Gaskraftwerke bei, Gas aber brauchen wir im Winter vor allem zum Heizen und für industrielle Prozesse und ansonsten sollten wir es aus bekannten Gründen sparen. Deswegen kann das letzte niedersächsische AKW voraussichtlich abgeschaltet werden – weil wir über den Winter in Norddeutschland mit viel Windkraft zu rechnen haben. In Bayern dagegen, wo man zwar Photovoltaik, nicht aber Windkraft ausgebaut hat, drohen im Winter Netzschwankungen. Deswegen bleiben da die AKWs am Netz. Ein Aufrechnen von Stromverbrauchsmengen und Produktionsleistung der ziemlich alten deutschen AKWs geht darum an der Sache vorbei. Ganz abgesehen davon, dass man fragen könnte: Was ist ideologischer – zu sehen, dass Deutschland 20 Prozent Gas einsparen muss und zu überlegen, auf welchen Wegen das gelingen kann? Oder in diesen Überlegungen einen „Kulturkampf“ sehen zu wollen und mit der Atomkraft das abgegriffenste Thema der deutschen Energiedebatte abermals auf die Agenda zu setzen, auch wenn AKWs nur für einen geringen Teil des Stromverbrauchs sorgen, und nur für 0,3 Prozent des deutschen Primärenergiebedarfs?

Heiko Habbe

Zusammenhalt fördern

Wir verstehen doch alle, allerdings unterschiedlich schnell, dass wir uns in einer Zeitenwende befinden. Alte Gewissheiten, Urteile, Ansichten, ja, auch Gefühle, sind hinfällig und müssen neu justiert werden. Dass wir nun, je nach Lebenssituation und politisch/gesellschaftlichem Hintergrund, zu unterschiedlichen Ansichten hinsichtlich unserer Neuorientierung kommen, ist doch selbstverständlich. Lassen Sie uns doch die jeweils „andere Seite“ nicht immer gleich in Schubladen stecken, sondern halten wir diese Unterschiedlichkeit aus und versuchen, die Gemeinsamkeiten zu erkennen und zu fördern. Im Netz verhallen solche Stimmen in dem täglichen Meinungs-Tsunami, aber wenn eine Zeitung, wie das Abendblatt, heute eine Berechtigung hat, dann diese: Zusammenhalt fördern.

Dr. Thomas Tasche

Kein Deal mit den Chinesen

28. September: „Hamburgs Hafen: Chinesen setzen Habeck unter Druck“

Es ist mir völlig unverständlich, dass es unter unseren Politikern und Wirtschaftslenkern immer noch welche gibt, die nichts aus unserer jetzigen Energie- und Wirtschaftskrise gelernt haben und immer noch der Chinesischen Karte das Wort reden. Wir haben uns in schwerste Abhängigkeit zu Russland und China begeben und müssen jetzt den Tribut für diese Nachlässigkeit zahlen. Die Chinesen werden uns, haben sie erstmal in unserem Hafen Fuß gefasst, das Fell über die Ohren ziehen, so wie sie es ja teilweise schon mit unserer Wirtschaft und in anderen Ländern bereits gemacht haben. Ich hoffe sehr, dass der Wirtschaftsminister den Deal zwischen Cosco und dem Terminal Tollerort der HHLA untersagt, damit wir nicht noch mehr von unserer Eigenständigkeit verlieren, und die Chinesen einen immer größer werdenden Einfluss auf unsere Wirtschaft erhalten.

Hans-Hermann Krogmann

Aus für „Landhaus Walter“?

23. September: „So soll der Stadtpark schöner werden“

Na Bravo! Da haben das „Landhaus Walter“ und der „Downtown Bluesclub“ endlich wieder den Betrieb aufnehmen können, und nun soll ihnen wieder Kundschaft genommen werden, indem die Otto-Wels-Straße für Autos geschlossen wird. Ich nutze meistens den ÖPNV. Doch wenn man damit nachts nicht mehr nach Hause kommt oder stundenlange Umsteigestrecken suchen muss, dann wird Uwe Mamminga am Stadtpark bald wieder dichtmachen müssen, das Aus für die tollen Musiknächte dort. Welcher Kulturbanause setzt seinen Ehrgeiz darein, die alteingesessenen Kultureinrichtungen Hamburgs um ihre – oft älteren – Besucher zu bringen, die für den Kunstgenuss auf ihr Auto angewiesen sind? Und wo sollen die tollen Künstlerinnen und Künstler dann noch auftreten können?

Gisela Alberti

Erfrischend und humorvoll

26. September: „,Urlaub? Ich muss mich nicht erholen!‘. Elke Heidenreich hat (fast) die ganze Welt gesehen und nun ein wunderbares Buch über das Reisen geschrieben“

War das ein schönes Interview mit ihrer Reporterin Frau Schiller und Elke Heidenreich. Bei den beiden Frauen merkte man sofort, dass sie auf einer Wellenlänge sind. Erfrischend, humorvoll und sehr intelligent war dieses Gespräch. Eine Wohltat in der Berichterstattung. Vielen Dank dafür.

Oliver Bischoff, Hamburg-St. Georg

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