Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. August 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Fahrgastkomfort vor Profit

10. August: Leitartikel: „Die Rumpelbahn. Die Vernachlässigung der Schiene schadet Passagieren und Umwelt“

Warum nennt niemand das Offensichtliche? Die Bahnprivatisierung ist krachend gescheitert. Man hat aus einer auf den Schienenverkehr konzentrierten, gut funktionierenden staatlichen Bahn einen profitmaximierten Selbstbedienungsladen gemacht, der überall Geld macht, nur nicht da, wo er soll. Mit so schönen Regelungen, dass Neubau staatlich gefördert, und Sanierung aus eigener Tasche gezahlt werden muss, hat man dieses Ergebnis der verrotteten Infrastruktur contra größenwahnsinnigen Neubauprojekten wie Stuttgart 21 bekommen. Dabei ist es in Zeiten des Klimawandels absolut fahrlässig, Neubau derart zu fördern. Der Bahnhof Diebsteich ist ein Paradebeispiel wie Großprojekte als Gelddruckmaschine eingesetzt werden: Von Beginn an zu klein konzipiert, wird jetzt der milliardenteure Verbindungsbahnentlastungstunnel geplant, der Hamburg zur Großbaustelle machen wird, damit die Züge überhaupt die Chance haben, den Deutschlandtakt einzuhalten. Wenn diese Großprojekte wenigstens am Ende Fahrgastnutzen bringen würden – da aber mit Scheuklappen geplant wurde, wird der Bahnhof Diebsteich niemals den Komfort und die Leistung des Bahnhofs Altona erreichen. Um diese Strukturen zu verändern, müsste die DB komplett reformiert werden. Wir müssen Steuergelder hineinstecken – denn es lohnt sich für uns alle. Das Management müsste komplett durch interne Eisenbahnerkompetenz ausgetauscht und als Unternehmensziel Fahrgastkomfort statt Profitmaximierung ausgerufen werden. Die Schweiz macht vor, wie es geht. Ein profitables Unternehmen ist wünschenswert – aber der Profit darf nicht zum Selbstzweck werden.

Christine Zander

Der Bürger hat entschieden

Der desolate Zustand der Bahn ist nicht vor allem die Folge von Fehlentscheidungen der Politik oder des Managements. Es waren die demokratischen und durchaus verständlichen Mehrheitsentscheidungen der Bürger für den Individualverkehr (Auto) zulasten des öffentlichen Verkehrs (Bahn), denen die Politik Rechnung tragen musste. So sollte die Bahn nach rigorosen Sparmaßnahmen privatisiert und an die Börse gebracht und der Straßenbau gefördert werden. Wenn jetzt im Lichte der Klimakrise ein gesellschaftliches Umdenken zugunsten des öffentlichen Verkehrs erfolgen sollte, wäre dies erfreulich, aber keinesfalls sicher. Denn beide Verkehrssysteme (Bahn und Auto) gleichermaßen aus öffentlichen Mitteln zu finanzieren, würde den Haushalt sprengen und unsere Volkswirtschaft überfordern.

Heinz Raudszus

Ein enttäuschender Bummel

10. August: „Einzelhandels-Präsident warnt vor ,Verslumung‘ der Mönckebergstraße“

Ich stimme dem Inhalt des Artikels voll und ganz zu. Ich lebe in Kapstadt und bin einmal im Jahr in meiner Heimatstadt. Dazu gehört der Bummel vom Hauptbahnhof über die Mönckebergstraße, Rathausmarkt, Jungfernstieg, die Atmosphäre empfinden und einkaufen. Diesmal war ich so enttäuscht über Rot-Weiße-Barrieren, leere Gebäude/Geschäfte und vor allem der Schmutz auf den Gehwegen hat mich sehr abgestoßen. Vor allem auf dem Rathausmarkt. Es muss doch wohl möglich sein, nachts die Gehwege abzuwaschen, so wie es früher gemacht wurde. Meinen Bummel habe ich sehr stark verkürzt und bin enttäuscht wieder in unsere Unterkunft gefahren. Auf einen nochmaligen Besuch werde ich verzichten.

Rita Will, Kapstadt-Hamburg

Gesiezt wird nur der König

9. August: Deutschstunde: „Es wird geduzt, als gäbe es kein Sie mehr“

Zu dem Thema „Höflichkeitsanrede“ fällt mir eine Begegnung ein, die ich vor langer Zeit in Norwegen hatte. Ich war Mitglied einer deutschen Reisegruppe, die von einer Norwegerin betreut wurde. Sie sprach ein vorzügliches Deutsch, aber sie duzte uns, was wohl von Teilnehmern kritisiert wurde. Sie entschuldigte sich daher bei uns und erklärte, dass dieser Fauxpas daher käme, dass es im Norwegischen keine „Sie“-Form gäbe. Das wunderte mich, da ich ein wenig Dänisch kann und weiß, dass das Norwegische (Bokmål) dem Dänischen sehr nahesteht, es ist, historisch gesehen, eine Art „Kolonial-Dänisch“. Ich sagte ihr daher, im Dänischen kann man „du komer“ – du kommst – und „De komer“ – Sie kommen – sagen. „Ja,“ antwortete sie, „diese Form gibt es auch bei uns, aber wir verwenden sie nur, wenn wir mit dem König sprechen“.

Professor em. Ortwin Smailus

Stresstest in der Ausbildung

9. August: „Warum Fahrschüler so häufig durchfallen. Selbstüberschätzung, wenig Vorbereitung, zu viel am Handy und immer mehr Verkehr in der Stadt – eine Fahrlehrerin kennt die Gründe“

Die angesprochenen Defizite bemerkt man täglich auf unseren Straßen, denn sehr viele Menschen haben mittlerweile große Probleme mit dem immerzu größer werdenden Verkehrsaufkommen. Dass es oft auch an der nötigen Selbstständigkeit fehlt, eine unbegründete Ängstlichkeit und fehlende Stressfestigkeit vorliegt, ist auch dadurch begründet, dass das Fahrzeug nicht wie erforderlich beherrscht wird. Man sollte dazu übergehen, die auszubildenden Personen zunächst auf einem Fahrsicherheitsplatz mit dem Fahrzeug so vertraut zu machen, dass es in jeder Situation beherrscht wird. Wenn man dann noch den theoretischen Unterricht so voran stellt und in der Fahrschule den nötigen Kenntnisstand überprüft, bevor es auf die Straße geht, wäre viel erreicht, auch die nötige Selbstsicherheit. Abgesehen vom fehlenden Talent oder der Bereitschaft hart dafür zu arbeiten, sollte auch die Anforderung erhöht werden. Empathie und zu starke Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten sind bei der Ausbildung im Hinblick auf die Herausforderungen im heutigen Verkehr nicht angemessen. Nur wer auch in der Ausbildung einem angemessenen Stresstest ausgesetzt war, wird ohne Probleme in die Prüfung gehen und dann auch bestehen können.

Herbert Stephan

Ampelschaltungen umstellen

8. August: „Straßen bleiben beleuchtet. Senat erarbeitet Energiesparplan – Dimmen von Laternen auch wegen der Sicherheit kein Thema“

Hier kommt mal eine Einsparmöglichkeit, die vieles in den Schatten stellt: In Hamburg sind fast alle Ampeln nachts an. Ferner sind alle Bedarfsampeln nicht in die „grüne Welle“ geschaltet, sorgen also für überflüssige Anhaltevorgänge. Ferner gibt es in Hamburg nur auf wenigen Straßen überhaupt eine grüne Welle. Da laut dem Statistischen Bundesamt jeder zweite Deutsche am Tag eine Stunde mit dem Pkw unterwegs ist und dabei im Schnitt 20 Mal vor o. g. Ampeln halten muss, macht das für Hamburg eine tägliche Verschwendung von 200.000 Litern Kraftstoff oder 500 Tonnen CO2. Im Jahr spektakuläre 180.000 Tonnen, die durch einfachste Umstellungen der Ampelschaltungen zu sparen wären.

Thorsten Schima

Besser geschützt

9. August: Leserbrief: „Den Unsinn rückgängig machen und 6./7. August: „Lauterbach hat Corona: So geht es dem Gesundheitsminister“

Alle anderen, die es offensichtlich immer noch nicht verstanden haben: Niemand, auch Herr Lauterbach nicht, behauptet, dass die Impfung zwingend vor einer Infektion schützt. Sie schützt vor einem schweren Verlauf, weshalb so viele Betroffene – Gott sei Dank – inzwischen nach ein paar Tagen mit grippeähnlichen Symptomen wieder fit, vor Long Covid deutlich besser geschützt und auch schneller wieder arbeitsfähig sind. Das ist nun wirklich nicht so schwer zu begreifen.

Andrea Mehler

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