Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. Mai 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Einwände sind berechtigt

23. Mai: „Warum Hamburger gegen die U 5 klagen. Sie kritisieren die nach ihren Berechnungen ,verheerende Klimabilanz‘ und halten das Projekt für ,völlig überdimensionalisiert‘“

Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass Hamburger Politiker sich bekennen und zugeben, das sich mehrere Generationen ihrer Zunft hinsichtlich des Themas Straßen-/Stadtbahn mehrfach geirrt und folgenreiche Fehlentscheidungen getroffen haben. Die Abschaffung war ein Fehler, die zweimalige Beerdigung einführungsreifer Konzepte wegen Proteste lautstarker Minderheiten (auf die man andernorts in der Stadt komischerweise nie Rücksicht nimmt) eine Provinzposse, wie man sie selbst in Kleinstädten oder Dörfern hinter dem Wald nicht vermuten würde. Vor diesem Hintergrund sind die Einwände der drei Herren zwar mehr als berechtigt und zudem fachlich fundiert, allein, sie werden verhallen. Der Bürgermeister hat es in seiner Ahnungslosigkeit von modernen Stadtbahnkonzepten ja gerade noch mal deutlich zu verstehen gegeben. Nebenbei hat er zudem anderen Kommunen, die eine gegenteilige Entscheidung getroffen haben, eine gewisse Naivität oder gar Dummheit attestiert.

Andreas Kaluzny

Ein Kleinod in Hamburg

23. Mai: „Traditions-Bootsverleih Silwar von Schließung bedroht“

Als ich im Abendblatt las, dass der „Traditions-Bootsverleih Silwar von Schließung bedroht ist“, wurde ich sehr traurig. Viele Jahrzehnte lagerte ich dort mein altes Holzkanu, bis ich es aus Altersgründen aufgeben musste. Das Bootshaus ist ein Kleinod in Hamburg, für mich eines der schönsten Bootshäuser an den Kanälen der Alster. Fast verborgen liegt es, und man gelangt dorthin mit dem Boot nur unter einer Fußgängerbrücke paddelnd oder rudernd. Ich wurde immer freundlich behandelt, und alle waren stets sehr hilfsbereit, da ich mein sehr schweres Boot nicht alleine ins Wasser bekommen konnte. Das Kanu einer Cousine lagert immer noch dort. Ich hoffe sehr, dass die Stadt den Pachtvertrag mit der Familie Silwar verlängert – letztendlich hat sie diesen Vertrag seit 1874. Es ist somit das älteste Bootshaus in Hamburg. Traditionen verlieren leider immer mehr die Wertschätzung der Stadt!

Karin Schramm

Ein klimaschädlicher Klotz

23. Mai: „Baufortschritt: Gründungspfähle für Elbtower stehen“

Man mag durchaus über die Ästhetik des Elbtowers streiten. Völlig unverständlich ist aber, warum in einer Zeit, in der Sensibilität für das Klima gefordert ist, ein solcher Bau überhaupt genehmigt wird. Jeder Hauseigentümer wird genötigt, sein Gebäude CO2-neutral herzurichten, ob er die Mittel dazu hat oder nicht. Mit dem Elbtower wird ein Glas-, Stahl- und Betonklotz errichtet, dessen Klimaschädlichkeit mit dem Bau beginnt und im Betrieb weiter geführt wird. In Zeiten, in denen Büroarbeitsplätze in den heimischen Wohnbereich verlagert werden, wird nicht mehr, sondern weniger Bürofläche benötigt. Wir benötigen schon aus diesem Grund keinen Leerstand bei Gewerbeimmobilien, sondern Wohnungen.

Heinrich Stüven

Dieses Konzept reicht nicht

23. Mai: „Politik will mehr für Senioren tun. CDU legt 15-Punkte-Plan vor, Senat plant .altersfreundliche Stadt‘. Beauftragte nennt größte Herausforderungen“

Der Seniorenbeirat begrüßt die Verkehrspolitik des Senats: Diese helfe „den Älteren“ durch breite Fußwege und einen barrierefreien ÖPNV, heißt es. Es sind aber immer unterschiedliche Mobilitätseinschränkungen zu berücksichtigen. Ein breiter Fußweg und ein barrierefreier Nahverkehr allein helfen nicht, wenn für manche Menschen Fahrten mit dem ÖPNV und Wege zu Fuß einfach zu anstrengend und zu weit sind und sie daher zur Erhaltung ihrer Selbstbestimmung und Unabhängigkeit ein eigenes Fahrzeug benötigen. Die Erreichbarkeit von Versorgungseinrichtungen und Behörden mit einem Pkw und der dortige Parkraum müssen also auch Bestandteil des Konzepts einer altersgerechten Stadt sein. Es könnte auch ein Fahrdienst für Senioren berücksichtigt werden.

Annette Kuch

Wer hat recht in dieser Frage?

21./22. Mai: „Drosten gewinnt Professorenstreit vor Gericht. Der Hamburger Physiker Roland Wiesendanger darf weiterhin nicht behaupten, Drosten habe die Öffentlichkeit über das Coronavirus getäuscht“

Die juristische Entscheidung zum Professorenstreit war absehbar. Die viel interessantere Frage, wer von beiden recht hat – nämlich ob der Ursprung des Virus auf einen Laborunfall oder auf eine natürliche Art der Verbreitung zurückzuführen ist – wird nie geklärt werden. Es spricht viel dafür, dass das Virus aus einem chinesischen Labor in Wuhan stammt. Warum wohl haben die Chinesen seinerzeit internationalen Wissenschaftlern den Zutritt zu einem Labor in in dieser Stadt verweigert? Allein diese Tatsache stützt die These des Physikers Wiesendanger nach dem Ursprung des Virus. Im übrigen spricht auch der Umstand, dass die Chinesen es seit vielen Jahren gewohnt sind, exotische Tiere zu verspeisen, die das Virus in sich tragen, ohne dass es je zu einem Ausbruch von Corona kam, für dessen Meinung.

Dr. Claus Rabe

Die Lebensfreude kam zurück

21./22. Mai: „Wie unser Darm die Psyche beeinflusst. Das Mikrobiom im Verdauungstrakt wirkt sich aufs Gehirn aus. Ob die richtige Ernährung aber Störungen vorbeugt oder sie mildert, ist ungeklärt“

Dass unser Darm (wird ja auch „Bauchhirn“ genannt) die Psyche beeinflusst, ist für mich schon lange klar. Es kann doch auch gar nicht anders sein. Schließlich hängt alles mit allem zusammen, und unsere Hülle umschließt die Organe und alles, aus dem wir bestehen. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich diese Zusammenhänge zwar nicht beweisen, doch ich kann berichten von mir selbst. Früher zuckersüchtig und mich sehr schlecht ernährend mit stark verarbeiteten Lebensmitteln, viel Fleisch, Weißmehl und Junkfood, machte es mich dick, depressiv, energielos und müde, außerdem litt ich an diversen Allergien. Ich wusste es eben nicht besser. Nachdem ich aufgrund meines schlechten Gesundheitszustandes dann irgendwann die Entscheidung traf, meine Ernährung sukzessive umzustellen auf Vollwertkost (Vollkornmehle, kein Industriezucker mehr, viel „Grünzeug“, nur selten Kuhmilchprodukte und vor allem kein rotes Fleisch mehr), kam alles zurück: Energie, Kraft, Lebensfreude, Ausdauer, nebenbei starker Gewichtsverlust und keine Allergien mehr!

Steffie Haddenga

Wir brauchen neue Gesetze

21./22. Mai: „Dass ich von meiner Freundin verprügelt wurde, hätte mir niemand geglaubt‘

Bedauerlicherweise gibt es viele Männer und Frauen, die von ihren Partner/-innen misshandelt werden. Frauen flüchten zum Teil mit ihren Kindern in Frauenhäuser, sind traumatisiert und stehen vor dem Nichts. Viele Frauen und Männer gehen zu ihren Partnern zurück, weil sie sich schuldig fühlen, bitten um Verzeihung, auch der Kinder wegen. Dann wird es nur noch schlimmer. Einige Frauen schaffen den Absprung und möchten ihren Kindern und sich selbst ein gewaltfreies Leben ermöglichen. Aber dann kommt die nächste Hürde – die Bürokratie und die Gesetze, z. B. das Umgangsrecht (es gilt automatisch das gemeinsame Sorgerecht), Unterhalt, Hartz 4! Es ist nur eine Fortsetzung der häuslichen Gewalt. Hier sollte der Gesetzgeber neue Gesetze erlassen, so dass den Frauen und Männern unbürokratisch geholfen wird! Mit psychologischer Unterstützung und finanziellem Spielraum.

Daniela Hemrich

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