Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 25. März 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Das vergisst Russland nie

24. März: „Deutschland will weitere Waffen an die Ukraine liefern

Bei Professor Masala von der Universität der Bundeswehr könnte Bundeskanzler Scholz lernen, dass Nichteinmischung das Gebot der Stunde und darüber hinaus ist. Die Waffenlieferungen machen alles nur schlimmer, insbesondere werden noch mehr Menschen sterben. Im Übrigen werden die Russinnen und Russen, wie auch immer jede(r) einzelne zu Putin steht, es nie vergessen, dass Deutschland Waffen geliefert hat, mit denen auf russische Soldaten geschossen worden ist. An sowjetischen, jetzt russischen Mahnmalen, die sich auf den Krieg Deutschlands gegen die Sowjetunion beziehen, brauchen sich deutsche Politikerinnen und Politiker, wie z. B. Scholz, nie wieder blicken zu lassen.

Martin Weise

Verspätete Zugeständnisse

23. März: Leitartikel: „Zu gut, um wahr zu werden. Wolodymyr Selenskyjs Friedensideen sind bestechend, aber wohl ohne Aussicht auf Erfolg“

Selenskyj bietet Putin heute nach fast einem Monat Krieg das an, was dieser ursprünglich gefordert hatte: Verzicht der Ukraine auf die Krim, die Unabhängigkeit von Luhansk und Donbas, Nato-Verzicht und Neutralität. Dies vor dem Krieg nicht angeboten zu haben, ist die historische Verantwortung der politischen Führung der Ukraine. Sie zog es stattdessen vor, den Kampf gegen den übermächtigen Gegner aufzunehmen. Sie setzte dabei auf die Unterstützung des Westens, insbesondere darauf, die Nato in den Konflikt hineinziehen zu können, was sie noch heute z.B. mit der Forderung einer Flugverbotszone versucht, was von der Nato aber aus guten Gründen abgelehnt wird. Vermutlich hätte sich Putin jedoch selbst mit dem vorzeitigen Verzicht der Ukraine nicht zufriedengegeben, da es ihm wohl primär darum geht, die „russische“ und geostrategische so wichtige Ukraine zurückzugewinnen. Insofern dürften der Ukraine die verspäteten Zugeständnisse auch heute nichts nützen.

Axel Borrmann

Aus der Seele gesprochen

24. März: „Es ist nicht schwer, ein Alltagsheld zu sein. Gerade in Zeiten wie diesen braucht die Welt mehr Liebe. Wer mit Freude bei der Sache ist, wirkt auf andere besonders anziehend“

Mit Ihrem Kommentar über „Alltagshelden“ sprechen Sie mir aus der Seele. Genau das, was Sie beschreiben, geht auch mir oft durch den Kopf und ich versuche es selbst umzusetzen bzw. mich mit Menschen zu umgeben, die mit einfachen Mitteln versuchen, Mitmenschen etwas Freude und Lockerheit zu vermitteln, ohne dafür studiert haben zu müssen und sich dabei nie zu wichtig nehmen. Gut finde ich Ihre Beschreibung dieser Menschen: „Sie fühlen sich an wie Sonnenschein auf der Haut“. Ich nenne sie „To-Go-Personen“, um mal im Neu-Deutsch zu formulieren. Und das Gute daran ist, dass dies einen Domino-Effekt nach sich zieht. Je mehr Sie sich mit solchen Personen umgeben, desto besser wird es um ihre psychische Gesundheit bestellt sein und auf den Blick auf die Welt hat es ebenfalls positive Auswirkungen.

Erik Hansen

Alles Gute von A bis Z

23. März: „Grünen-Politikerin wehrt sich gegen Hass im Internet. Bundestagsabgeordnete Emilia Fester erntet Shitstorm für emotionale Rede zur Impfpflicht-Debatte“

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort und Schrift kundzutun. Und jeder hat das Recht, Meinungsäußerungen zu widersprechen. Ob man die Äußerungen des Herrn Rainer Wendt zur Rede von Frau Fester, Abgeordnete des Deutschen Bundestages, nun als Meinungsäußerung wahrnimmt, ist die eine Sache. Jemanden als „Ich-Göre“, als „Rotzlöffel“ zu bezeichnen, Wähler zu diffamieren, die „solche lächerlichen Kindchen ins Parlament“ wählen, geht schon über eine Meinung hinaus. Beleidigungen trifft es eher. Herr Wendt sollte sich argumentativ mit dem Beitrag von Frau Fester auseinander, dann kann man auch darüber streiten. In meiner Generation nennen wir so ein Verhalten „ungezogen“. Ich wünsche Herrn Wendt alles Gute, alles Gute von A bis Z: von A wie Anstand bis Z wie zögern und zweifeln.

Wolfgang Faecks

Die Jugend hat gelitten

Es waren gerade die jungen Leute, die unter den Einschränkungen gelitten haben. Dies haben sie zum Schutz der alten Leute gemacht – und sie haben die Einschränkungen genauso konsequent umgesetzt, wie der alte, zu schützende Bevölkerungsteil. Dabei wurden vielen von Ihnen einzigartige, nicht wiederbringbare Ereignisse genommen (z.B. die Schulabschlussfeier oder der 18. Geburtstag). Das muss ein Ende haben, und die Impfpflicht ist ein probates Mittel hierfür. Wer die Impfpflicht nicht will, muss sagen, dass man dann die nicht geimpften älteren Mitbürger sterben lassen möchte! Denn eins muss klar sein: Die Gründe für die Einschränkungen existieren nicht mehr – es gibt Alternativen. Und wenn ein Polizeigewerkschaftschef derartige Bemerkungen absetzt, ist er für diese Funktion nicht geeignet und sollte wieder Streife gehen. Wobei, ob das so gut ist …?

Heinz-Günter Fritsche

Elbtower überdenken

23. März: „Pläne für Elbtower: Jetzt fordert Die Linke Akteneinsicht“

Die Forderung der Linkspartei führt noch nicht weit genug. Bei einer wie in einer Blackbox extrem intransparent und unter weitgehendem Ausschluss jeglicher Bürgerbeteiligung durchgezogenen Vision wie dem Elbtower gehören die Akten mit den genauen Konditionen für die Stadt schon im Sinne eines verantwortlichen und vertrauenswürdigen Umgangs mit Steuergeldern veröffentlicht. Schließlich bestehen die entscheidenden Defizite dieses nächsten Prestigeprojektes in der HafenCity nach der leider alles andere als von hanseatischer Bescheidenheit zeugenden Devise „Hurra, wir sind wieder wer“ vor allem darin, dass in vielen anderen Metropolen dieser Welt aus Klimaschutzgründen solche Gebäude mit einer riesigen Glasfassade gar nicht mehr gebaut werden dürfen. Auch ist es für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein fatales negatives Signal, wenn man direkt neben einem ärmeren Kiez wie der Veddel quasi als Antithese einen Wolkenkratzer errichtet, bei dem eine sehr reiche Klientel auf ihre Nachbarschaft regelrecht herabblicken darf. Deshalb sollte das Projekt, wenn es sich nicht mehr gänzlich verhindern lässt, in jedem Fall noch einmal inhaltlich überdacht werden, um zumindest den nachhaltigen Schaden zu reduzieren!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg-Veddel

Wotan hat genuschelt

22. März: „9,41 Millionen ,Tatort‘-Fans sahen den ,Tyrannenmord‘“

Ich habe mir den Tatort „Tyrannenmord“ angesehen. Ich wollte ihn natürlich auch anhören. Das ist mir aber nur teilweise gelungen. Wotan hat genuschelt, der Bodyguard und der Restaurantbetreiber haben mit einem starken Akzent gesprochen, und auch andere dahingeworfene Sprachbrocken haben meine Ohren nur schlecht verarbeiten können. Mein Hals-Nasen-Ohren-Arzt schimpft auf die Produzenten dieser Art Sendungen, weil sie ihm immer wieder Patienten zuführen, die ihr Hörvermögen testen lassen wollen. Das ist aber in Ordnung, nur die Sprachqualität der Sendungen lässt zu wünschen übrig. Mein Höhepunkt in dem Tatort war die Stelle, als ein Nachrichtensprecher die Nachrichten verlas. Da konnte man doch ganz entspannt zuhören und jedes Wort verstehen. Die Zwangsbezahlfernsehanstalt wird dazu nun sagen, dass sie sich nicht in die künstlerische Arbeit der Tatort-Produzenten einmischen möchte. Das muss sie auch nicht, sie muss nur nicht Sendungen produzieren lassen, die sehr viele Zuschauer kaum noch akustisch verstehen können.

David Cohnen

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