Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. Februar 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Wir haben doch Zahlkarten!

10. Februar: „HVV schafft Bargeldzahlung in Bussen ab. Elektronisch bezahlen: Prepaid-Card soll ab Ende 2023 Münzen und Scheine endgültig ersetzen.“

Es ist zu begrüßen, dass zukünftig in HVV-Bussen nicht mehr mit Bargeld hantiert und gezahlt werden soll. Aber warum muss denn der HVV dabei gleich die Welt neu entdecken und hunderttausende neue HVV-Prepaid-(Plastik)-Karten erstellen, verteilen und aufladen lassen? Warum werden die Busse nicht - wie jeder Bäckerladen an der Ecke auch - mit Terminals ausgerüstet, an denen man kontaktlos per Debit- oder Kredit-Karte oder per Smartphone zahlen kann?

Uwe Magnussen, Hamburg

HVV unkompliziert nutzen

Durch die Abschaffung der Bargeldzahlung wird eine Beschleunigung der Aufenthaltszeit an den Haltestellen erwartet, weil die Kunden nicht mehr nach Bargeld kramen. Wieso wird unterstellt, dass man nach einer Prepaidkarte nicht auch kramen muss? Vor allem aber wird außer Acht gelassen, dass oft diejenigen Bargeldkunden den größten Zeitaufwand verursachen, die bei Fahrtantritt nicht wissen, welche Fahrkarte sie kaufen müssen und Beratungsbedarf durch die FahrerInnen haben. Dieser Bedarf wird auch weiterhin bestehen - mit der Folge, dass die Auskunft durch das Fahrpersonal nicht in einem ausgedruckten Fahrschein mündet, sondern dann in der Fortsetzung des Kaufvorgangs von den Kunden richtig und möglichst schnell umgesetzt werden muss. Ich glaube nicht, dass das Problem der Zeitverzögerungen so gelöst wird - es wird aber wieder eine Möglichkeit genommen, unkompliziert den ÖPNV zu nutzen.

Enno Schulz, Hamburg-Bramfeld

Versorgung ist nicht gesichert

9. Februar: „Wie teuer wird Gas im Kriegsfall? US-Präsident Biden droht mit dem Aus für die Erdgas-Pipeline Nord Stream 2. Das wären die Konsequenzen“

Man braucht nicht einen Kriegsfall anzunehmen, um bei der Energiepolitik der Bundesregierung Angst zu bekommen. Der Bedarf an Strom wird steigen, unabhängig, ob Mobilität durch Elektrifizierung oder Wasserstoff gesichert werden soll. Nächstes Jahr entfallen die Beiträge der Kernkraftwerke, bis 2030 wird angestrebt, die letzten Kohlekraftwerke zu schließen, die zusammen 2021 rund 40 Prozent Anteil an der Stromerzeugung hatten. Nur Gas könnte den Ausfall im Bereich der Grundlast ausgleichen. Der derzeitige Anteil von zehn Prozent müsste also erhöht werden. Da verflüssigtes Erdgas diese Lücke nur zu einem geringen Anteil ausfüllen kann und die Lieferungen der Niederlande und Norwegens massiv zurück gehen, wird dieses zunehmende Abhängigkeit von Russland bedeuten. Putin wird - wie in den siebziger Jahren die OPEC - bemerkt haben, dass mit reduzierter Menge die gleiche Einnahme zu erzielen ist. Wenn überhaupt, wird also nur mit weiteren massiven Preissteigerungen unser Energiebedarf gedeckt werden können. Wir sollten uns darauf einstellen, dass Heizen und Duschen ein Luxusgut wird und im Extremfall Strom und Heizung ausfallen. Bisher fehlt beim Kernkraft- und Kohleausstieg die Zusage, dass dieser nur bei abgesicherter Versorgung erfolgt.

Jürgen Schmidt

Mangel seit langem bekannt

9. Februar: „Schulwachstum mit Qualität. Hamburg hat stark investiert, aber jetzt gibt es ein Risiko“

Nein, an einigen Schulen kann der Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern schon seit geraumer Zeit nicht mehr gedeckt werden. Denn tatsächlich werden Lücken gestopft mit Studenten, die mit einem „Lehrauftrag“ eingestellt werden, noch keine Erfahrung haben, erst eingearbeitet werden müssen und bald wieder gehen. Das ist für alle Beteiligten sehr anstrengend und verschlingt viele Ressourcen. Der Mangel ist schon lange sichtbar, nur Ties Rabe will ihn nicht sehen. Denn statistisch gelten diese Stellen ja als „besetzt“. Genaueres Hinsehen: unerwünscht.

Michael Rahloff, Hamburg

FFP2 Maske unnötig?

9. Februar: „Hamburg kippt 2G-Regel im Einzelhandel.“

Als Bürger frage ich mich langsam, was den Senat treibt. Man hätte einfach zugeben können, dass die 2G-Regel im Einzelhandel genauso ein Schuss in den Ofen war wie die Maskenpflicht im Freien im vergangenen Winter. Hat der Senat Angst vor Schadenersatzforderungen? Denn jetzt wird die überfällige Rücknahme mit einer drastischen und überflüssigen Verschärfung verbunden. Dass die FFP2-Maske am Laien nichts bringt, haben die Krankenhaushygieniker schon ausführlich beschrieben. Wird die Maske falsch getragen, ist es egal, welche Maske man ungenutzt trägt. Ist das ein Problem? Nein, denn man trifft als Erwachsener, wenn man nicht gerade Kinder in der Familie hat, im Alltag selten Ungeimpfte und nimmt die Coronawellen oder gar die ominöse „Omikronwand“ ungefähr wahr wie der Wanderer in der Wüste die Sturmfluten der Nordsee – man liest davon. Schlimm, aber weit weg. Da frage ich mich schon, wozu ich überhaupt noch so einen Aufwand treiben sollte. Ich bekomme zehn OP-Masken für den Preis einer FFP2-Maske. Nun mögen ja viele Hamburger inzwischen ohnehin FFP2-Masken tragen, weil es im HVV vorgeschrieben ist, aber das ist ein Scheinargument. Schleswig-Holstein zeigt, dass auch im ÖPNV eine OP-Maske reicht.

Frank Bokelmann

Dank statt Almosen

9. Februar: „Ehrenamtliche mit Bonuskarte belohnen“

Die Aussage, wir könnten den vielen Ehrenamtlichen nicht persönlich danken, gleichzeitig aber festzustellen, dass ehrenamtliches Engagement von vielen tausend Menschen in unserer Stadt, die in sozialen Einrichtungen wie Sport, Natur, Kultur und bei der Betreuung Geflüchteter arbeiten, unverzichtbar sei, erscheint mir wie ein Armutszeugnis. Entweder ist die Arbeit schlicht und einfach nicht mehr wegzudenken, dann hat jeder dieser Menschen mehr als ein Almosen verdient, was die meisten aber gar nicht erwarten. Anerkennung sollte da ankommen, wo die Leistung erbracht wird, dafür sind die Aktivitäten wie „Wir sagen Danke“ vom Hamburger Abendblatt und ähnliche tolle Veranstaltungen von privater Seite herzlich willkommen. „Wir können nicht jedem Danke sagen“ als Aussage der Politik halte ich für zumindest überdenkenswert. Man sollte es zumindest versuchen!

Claus Niemann

Kern der Demokratie

5./6. Februar: „Über das Leben nach dem Bundestag“

Mit Interesse las ich das Interview. Die Formulierung des von mir geschätzten ehemaligen Bundestagsabgeordneten Marcus Weinberg, dass sein Ausscheiden aus dem Bundestag für ihn Folge der „Fremdbestimmtheit durch den Wählerwillen“ sei, irritierte mich nachhaltig, auch wenn sie im Text in Anführungszeichen gesetzt wurde. Matthias Bartke ergänzte, im Text nun ohne Anführungszeichen, dass sei „gut formuliert. Das Fremdbestimmte des Aufhörens war das Missliche.“ Hier wird von zwei ehemaligen Repräsentanten des Wählerwillens gesagt, dass ihre Abwahl von ihnen als Ausdruck von Fremdbestimmung empfunden wird. Das enttäuscht. Ist ihnen während ihrer Zeit als Abgeordnete der Stolz der Bürger und Bürgerinnen hierzulande, im Besitz des Rechts auf freie Wahlen zu sein, abhanden gekommen? Zur freien Wahl als Kern unseres Demokratieverständnisses gehört zwingend die Chance gewählt und abgewählt zu werden. Vermutlich haben beide Politiker von ihrem Recht zu wählen und abzuwählen Gebrauch gemacht, und somit, vermittelt durch das Wahlverfahren, wechselseitig zu ihrer Abwahl beigetragen.

Prof. Dr. Christiane Bender, Hamburg

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