Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. Mai 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Wo stecken sich Menschen an?

12./13. Mai: „Hamburg kippt Ausgangssperre, aber harte Kontaktbegrenzungen bleiben“

Wenn der Hamburger Senat sich einmal die Mühe machte, herauszufinden wo die Menschen sich überwiegend an dem Corona-Virus anstecken, dann müsste er nicht diesen unverhältnismäßig harten Lockdown verhängen. Dort wo Menschen sich nicht ausweichen können oder wollen z.B. enge Wohn- und Arbeitsverhältnisse verbunden mit dem Unverständnis mancher Bewohner, hat das Virus die besten Chancen, neue Wirte zu finden. Das geschieht nicht in kleinen Einzelhandelsgeschäften, in der Gastronomie oder in kulturellen Veranstaltungen, wo alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Das versichern uns Wissenschaftler, die an der Verbreitung der Aerosole forschen. Auch wenn zur Zeit die Inzidenzen sinken, so werden sie auch wieder ansteigen. Werden dann erneut alle derzeitigen Maßnahmen ergriffen? Wir werden mit dem Virus leben müssen und dazu braucht es sinnvolle Konzepte für die Zukunft, die nicht in einem totalen Lockdown enden sollten. Das ist meines Erachtens die vordringliche Aufgabe der Politiker.

Kriemhild Padberg

Das Recht der Jugend

12./13. Mai: „Keine Lust auf Astrazeneca – wegen der Ferien“

Diese Diskussion um diesen Impfstoff macht mich wütend. Ein Impfstoff, der nur helfen kann und so abgelehnt wird. Ich selbst (74 Jahre) habe die erste Impfung damit bekommen und hoffe, auch die zweite kann damit erfolgen. Als ich die Zusage bekam, war es gar keine Frage mich dagegen zu entscheiden, wie auch mein Ehepartner. Es gab absolut keine Nebenwirkungen, nicht mal der Einstich war spürbar. Verstehen kann ich diese Ablehnung vor allem nicht von der Altersgruppe über 60 Jahre. Alle, die so egoistisch sind und diesen Impfstoff ablehnen, nehmen doch der jüngeren Gruppe die anderen Impfstoffe, wie Biontech, Moderna usw. weg. In meinem Umkreis und meiner Altersgruppe haben alle bisher Biontech bekommen. Sie alle haben Kinder und Enkelkinder und alle werden damit konfrontiert. Wir können warten und müssen nicht in die Ferien fahren und Urlaub machen. Die jungen Leute, Jugendlichen und Kinder haben das Recht, endlich wieder normal zu leben und ausgelassen zu sein.

Anita Bergzog, Hamburg

Opfer auf dem Inzidenz-Altar

8./9. Mai: „Der Senat als ,Totengräber der City‘“

Matthias Iken hat in seinen letzten Artikeln sehr klar Stellung bezogen und Kritik an diversen Entscheidungen des Hamburger Senats geübt und wurde dafür viel kritisiert. Meiner Meinung nach hat er vollkommen Recht. Für mich sind die Entscheidungen von einer Selbstgerechtigkeit, um nicht zu sagen Arroganz geprägt, die ihres gleichen sucht. Herr Dr. Tschentscher war es, der mit am lautesten nach einheitlichen Regeln geschrien hat und war dann der erste, der sich über diese wieder hinweggesetzt hat. Sei es bei der Ausgangssperre oder bei den Inzidenzwerten. Im ganzen Land sind die RKI-Zahlen maßgeblich, aber in Hamburg gelten andere Regeln – geht es noch selbstherrlicher? In Hamburg wird auf dem Altar der Inzidenz alles andere geopfert und das obwohl in den umliegenden Bundesländern die Zahlen ohne die restriktiveren Maßnahmen ebenfalls sinken, vielleicht nicht so schnell, aber sie sinken – vielleicht sollte man Herrn Dr. Tschentscher mal sagen, dass es nicht um die deutsche Meisterschaft um die niedrigsten Inzidenzwerte geht. In Schleswig-Holstein kann man einkaufen ohne Termin, die Außengastronomie hat geöffnet, ja man kann sogar Urlaub machen. In Hamburg ist laut RKI seit zwölf Tagen die Inzidenz unter 100, aber hier wurde erst am Mittwoch das Ende der Ausgangssperre verkündet und nach den Ferien ein Wechselunterricht für alle Jahrgänge. Shopping mit Termin und negativem Test bzw. Impfnachweis frühestens 14 Tage später. Die Außengastronomie kommt frühestens Anfang Juni und das auch nur wenn die Inzidenz durchgehend unter 100 ist. Steigt sie einen Tag über 100, fängt alles von vorne an. Und diese Strategie wird dann auch noch gefeiert. Allein schon die Testpflicht für alles ist absurd, hat doch gerade Herr Dr. Tschentscher immer wieder betont wie unzuverlässig Schnelltests sind und das sie nichts bringen. Auf einmal darf ich ohne Test fast nicht aus dem Haus, sogar für einen Zoobesuch benötigt man einen Test und muss ständig Maske tragen – absurder geht’s nicht. Genau so unsinnig ist in meinen Augen die Testpflicht im Einzelhandel (wenn denn überhaupt mal wieder möglich). Warum muss ich im Baumarkt oder im Bekleidungsgeschäft einen Test vorweisen, aber wenn ich beim Discounter neben Lebensmitteln auch noch einen Pulli oder einen Hammer kaufe geht das ohne? Man könnte den Eindruck bekommen, dass eigentlich gar nicht gewünscht ist, dass diese Angebote wahrgenommen werden, sondern dass wir lieber weiterhin zu Hause bleiben und macht es deswegen so schwer und unattraktiv wie es geht. In der Wochenendausgabe wird von Herrn Dr. Tschentscher als „Totengräber der Innenstadt“ gesprochen, dem kann ich mich anschließen. Vielleicht ist es auch Absicht? Die Innenstadt als Einkaufsmeile ist dem Senat ja schon lange ein Dorn im Auge und außerdem hat man dann auch Argumente für den neuen Shopping-Tempel in der HafenCity.

Andreas Gerlach, Hamburg

Wir müssen endlich handeln!

10. Mai: „Wir werden dieses Virus kontrollieren“ und Gastbeitrag: „Wir brauchen ein Institut für Pandemieforschung in Hamburg!“

Lothar Wieler sagt in Ihrem Interview: „Pandemien werden durch Klimawandel, Artensterben, Globalisierung begünstigt.“ Er hofft, dass wir verantwortungsbewusster werden, bevor wir unsere Erde ruinieren. Ansgar Lohse sagt: „Die nächste Pandemie kommt bestimmt.“ Und, dass die Wahrscheinlichkeit neuer Pandemien in unserer immer dichter bevölkerten, verstädterten, immer mehr zusammenwachsenden und mobileren Welt immer weiter ansteigt. Und dass Sars-CoV-2 im Vergleich zu anderen potenziellen Erregern eine eher geringe Gefahr darstellt. Ja, das sehe ich genauso. Warum werden solche Aussagen nicht lauter und deutlicher veröffentlicht? Warum nicht an exponierterer Stelle? Was sagt uns das denn? Wir haben es in der Hand! Und nur wir können dafür sorgen, dass die Wahrscheinlichkeit für weitaus gefährlichere Viren geringer wird. Sonst müssen wir bei der nächsten Pandemie wieder panisch und hysterisch reagieren. Wollen wir das? Ich lese und höre immer nur drei Begriffe: Impfen, Testen, Inzidenzzahl. Das ist meiner Meinung nach viel zu kurz gegriffen, viel zu einfältig. Und wenn Ansgar Lohse sagt: „Wir brauchen mehr Wissen“ und dass Wissen schützt, sage ich: Ja, richtig, aber das reicht nicht. Wir machen jetzt das erste Mal die Erfahrung einer Pandemie, die weltumspannend ist. Wir haben jetzt die Chance, daraus zu lernen und zu verstehen, woher das Virus kommt und was das für uns bedeutet. Nur wir können die Situation auf unserem schönen blauen Planeten verändern. Warum höre ich keinen Aufschrei, damit eine nächste (vielleicht viel schlimmere) Pandemie verhindert werden kann und wir endlich handeln – im Sinne des Ökosystems, in unserem eigenen Interesse!

Stephanie Haddenga

Verständnis für Maßnahmen

11. Mai: Kommentar: „Zeit, die Terrassen zu öffnen. Die Außengastronomie weiter zu verbieten, ist falsch“

Ihr Kommentar spricht mir aus der Seele! Die allermeisten Menschen hatten Verständnis für die harten Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Mit diesem Verständnis war meines Erachtens immer die Erwartung gekoppelt, dass die Restriktionen zurückgenommen werden sobald dies möglich ist. Die Forderung, Außengastronomie, Einzelhandel und Kulturangebote mit Hygienekonzepten zu ermöglichen, ist in keiner Weise leichtfertig oder radikal. Es wäre die angemessene Handlungsweise. Erschwerend kommt hinzu, dass in unmittelbarer Umgebung von Hamburg genau so gehandelt wird. Wer meint, auf ein paar Wochen länger käme es nicht an, der irrt. Sowohl was die Akzeptanz der staatlichen Maßnahmen angeht als auch im Bezug auf die Durchhaltefähigkeit der in ihrer wirtschaftlichen Existenz betroffenen Menschen.

Rüdiger Kruse