Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. April 2021

Lesedauer: 4 Minuten

Keine Sonderregelung

29. April: „RKI meldet: Hamburg fällt unter Inzidenz 100

Bis zu einer anderslautenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gilt auch in Hamburg das Gesetz über die Bundesnotbremse. Darin ist verbindlich geregelt, dass u. a. die umstrittene bundeseinheitliche Ausgangssperre außer Kraft tritt, sobald die täglich vom RKI auf seiner Website veröffentlichte 7-Tage-Inzidenz an fünf aufeinander folgenden Werktagen den Schwellenwert von 100 unterschreitet. Dass der Hamburger Senat zum wiederholten Male angekündigt hat, diese unmissverständliche Gesetzesregelung nicht beachten zu wollen, sondern für die Aufhebung von Maßnahmen, die erheblich in die Grundrechte der Bürger eingreifen, „eigene Berechnung“ zugrundelegen zu wollen, ist – sehr vorsichtig formuliert – höchst erstaunlich. Gibt es in der Hamburgischen Bürgerschaft eigentlich noch Abgeordnete, die das Regierungshandeln kontrollieren? Sie jedenfalls sollten doch ein Interesse daran haben, dem Akzeptanzverlust auch für weiterhin zweckmäßige Coronaschutzmaßnahmen keinen weiteren Vorschub zu leisten.

Dr. Detlef Gottschalck

Uniform für Studierende?

29. April: „Helmut-Schmidt-Uni soll sich abschotten. Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter protestieren gegen Pläne für Militärischen Sicherheitsbereich“

Abschottung widerspricht dem Prinzip von Universität im Allgemeinen und den Gründungsidealen der HSU im Besonderen. Diese wunderschöne Hochschule besteht als offener Campus seit fast einem halben Jahrhundert. Die Hälfte dieser Zeit habe ich dort geforscht und gelehrt, ohne mich je in meiner Sicherheit bedroht zu fühlen. Es drängt sich leider der Verdacht auf, dass Sicherheitsbedenken einmal mehr als Totschlagargument herhalten müssen, um einer schleichenden Militarisierung des HSU-Campus den Weg zu ebnen. Vermutlich ist die Uniformpflicht für Studierende der nächste Schritt.

Prof. (em.) Dr. Bernd Wegner

Die Alten werden vergessen

28. April: „Deutschland, einig Fahrradland“

Die „Grabenkämpfe“ sind nur vorbei, weil Autofahrer bei unserem Verkehrssenator kein Gehör mehr finden und vielerorts aufgeben. Denn Herr Tjarks steht bei seinen bisher angestoßenen Projekten sehr wohl in einer einseitigen Fahrradideologie: Parkplätze werden vernichtet, was Lieferdienste und Handwerker zum Halten auf den Fahrbahnen zwingt. Dazu müssen auf vielen Straßen noch Spuren weichen. So stehen dann auch die E-Mobile im Stau. Ergo, die Grünen wollen eigentlich gar keine Autos mehr in der Stadt. Und wer kein Fahrrad benutzen kann und schlecht zu Fuß ist, dem wird in der City sogar das Busfahren erschwert (keine Busse auf der Mö). Hauptsache ist, dass die jungen, fitten Radfahrer durch die Stadt rasen können, die Alten und Behinderten werden von Herrn Tjarks vergessen.

Eike Oldenburg

Kopenhagen ist anders

Der Personenverkehr wird vom ÖPNV oder von Kraftfahrzeugen beherrscht. Das wird auch in Zukunft so bleiben. Die Konzepte für spezielle Fahrradwege sind naiv, dilettantisch und rückwärtsgewandt. Bestes Beispiel sind die Pop-up-Bike-Lanes, die von der Stadt ehrgeizig eingerichtet wurden und inzwischen von den Radlern wegen des hohen Gefahrenpotenzials abgelehnt werden. Gern wird Kopenhagen als Fahrrad-Paradies dargestellt. Hamburg lässt sich jedoch in keiner Weise mit Kopenhagen vergleichen. Die Stadt Hamburg mit starkem Frachtdurchgang und erheblichem Personenvorortsverkehr ist Mittelpunkt einer Metropol-Region mit fast sechs Millionen Einwohnern. Ganz Seeland mit der Hauptstadt Kopenhagen verzeichnet nur etwa 2,4 Millionen Einwohner. Dabei wird der Durchgangsverkehr durch ein optimales Autobahnkonzept aus der Stadt herausgehalten. Es ist zwecklos, aus ideologischen Gründen einen Popanz aufzubauen, den es real nicht gibt. Die Entwicklung hin zum Elektro-Fahrrad, auch was Komfort und Leistung angeht, wird rasant weitergehen. Diese Räder haben nichts auf Fahrradwegen zu suchen. Sie gehören auf die Straße.

Jürgen Flehr

Hut ab für diese Berichte

28. April: „Biden drückt aufs Tempo

Ich möchte mich bei Herrn Hautkapp für seine ausgezeichnete Berichterstattung über die USA bedanken. Sie ist sachlich, interessant, relativ knapp und verzichtet angenehmerweise auf sprachliche Effekthascherei – Hut ab!

Christian Lorentz