Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Oktober 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Schutz der Älteren

14. Oktober: „Grippe-Impfung in Hamburg stark nachgefragt. Einen Engpass bei der Versorgung gebe es aber nicht, sagt die Gesundheitsbehörde. Doch Hausärzteverband und Apothekerkammer widersprechen

Der Vergleich mit anderen Bundesländern zeigt, dass der Hamburger Senat eine Coronapolitik mit Verantwortung und Augenmaß betreibt. Das gilt auch für Einschränkungen durch die Maskenpflicht auf wenigen hochfrequentierten Plätzen und Straßen. Ebenso nehmen Bürgermeister Tschentscher und Senatorin Leonhard soweit ihnen möglich, Einfluss auf die Maßnahmen auf Bundesebene insbesondere bei der Öffnung von Schulen und Kitas. Der Engpass beim Grippeimpfstoff ist allerdings gravierend. Seit Mitte September versuchen meine Frau und ich (71 Jahre und 72 Jahre) in Apotheken im Hamburger Norden und in Norderstedt einen Impfstoff zu kommen. Uns wurde jetzt eine Lieferung frühestens Anfang November in Aussicht gestellt. Der Engpass besteht auch in Schleswig-Holstein. Keiner unserer gleichaltrigen Freunde und Verwandten, die in fünf weiteren Bundesländern leben, hat bisher seinen Impfstoff bekommen. Das widerspricht eklatant der Ankündigung, gerade die Älteren vorrangig schützen zu wollen.

Dr. Wolfgang und Anna Hammer

Impfstoff ist aufgebraucht

Bezug nehmend auf Ihren Artikel möchte ich bestätigen, dass es sehr wohl einen Engpass an Impfstoff in Hamburg gibt. Ich wollte mich am Dienstag impfen lassen (Risikopatient über 60) und musste erfahren, dass mein Hausarzt trotz frühzeitiger Bestellung nur einen geringen Anteil Impfstoff erhalten hat, der nunmehr aufgebraucht ist. Er erwartet eine Nachlieferung – wenn überhaupt – frühestens zum 15. November. Er konnte mir keinen Impftermin in Aussicht stellen! Die Gesundheitsbehörde scheint wohl die Lage der Freien und Hansestadt Hamburg nicht im Griff zu haben.

Vera-Maria Riek

Impfung: Günstige Zeitpunkte

Die nächste Charge des Grippe-Impfstoffs rollt jetzt an – so schrieb mir meine Krankenversicherung. Dass Ende Oktober und auch der November für die Impfung sogar günstigere Zeitpunkte für die Impfung sind, betont auch das RKI, denn der Impfstoff braucht nur zwei Wochen bis zur Wirksamkeit und der Schutz hält ca. drei Monate. Da die Grippewelle erfahrungsgemäß im Januar beginnt, ist der Schutz optimal gegeben.

Dorothea Kahlén, Aumühle

Digitale Zeitreise mit Humor

14. Oktober: Netzentdecker: „25 Jahre Internet – und ich“

Mit seinem besonderen Humor, der Hajo Schumacher eigen ist, vollführt er zur Freude des Lesers in der Rubrik „Netzentdecker“ mit seinem Rückblick eine digitale Zeitreise von den Anfängen vor 25 Jahren bis in die heutige Zeit. Dabei wird die eigene Betroffenheit wieder wachgerufen und man staunt, dass die Digitalisierung in unseren Schulen noch immer in den Kinderschuhen steckt. Ich hoffe in diesem Zusammenhang nur, dass der Erwerb von Medienkompetenz zum verantwortlichen Umgang mit dem Internet führen wird und ein Gespür für Nutzen und Gefahren entwickelt wird!

Horst Mahl

Ich wünsche mir Rücksicht

13. Oktober: „4725 Verstöße von Radfahrern in Hamburg geahndet. CDU kritisiert „Ramboradler“, die sich und andere gefährden, weil sie Regeln missachten“

Fährt Herr Graage auch Fahrrad? Denn ob die meisten Radfahrer „sich ordnungsgemäß durch den Verkehr“ bewegen, wage ich zu bezweifeln. Erst vor kurzem fuhr mich eine „Ramboradlerin“ um. Ich war in Eimsbüttel auf dem Rad unterwegs. Es gibt dort einen neuen Kreisverkehr im Stellinger Weg. Weil ich mich dort nicht so gut auskenne, fuhr ich langsam, um zu gucken, wo ich in die Telemannstraße abbiegen muss. Ehe ich mich versah, lag ich auf der Straße. Eine Raserin hatte mich geschnitten, umgefahren. Sie kam zurück und meinte, sie habe gedacht ich wolle in den Heußweg abbiegen. Woher wusste sie was ich denke? Glücklicherweise kam kein Auto, und ich hatte mir auch nichts getan. Dabei fühlte ich mich gerade im Kreisverkehr (mit Autos!) bisher immer so sicher. Ich fahre so gern Rad und wünsche mir mehr Rücksicht!

Verena Ziegler

Schnell noch online bestellen...

15. Oktober: „Kaufhof Mö – der letzte Tag nach 53 Jahren. Traditionshaus schließt für immer“

Da stehen die Leute mit Tränen in den Augen vor Kaufhof Mönkebergstraße und sind traurig über die Kaufhausschließung... Schnell wird noch eine Pudelmütze bei Amazon per Handy bestellt und auf dem Nachhauseweg ärgert man sich über das Paketauto, welches den Fußweg versperrt weil sonst kein Parkplatz in der Nähe ist. Zuhause angekommen befindet sich im Briefkasten eine Nachricht, dass ein Paket beim Nachbarn abgegeben wurde. Es ist schon unverschämt, dass der Nachbar jetzt für ein paar Stunden nicht zu Hause ist. Wenn dann die in Indien von Kindern angefertigte Pudelmütze eintrifft, ist man zufrieden.

Hartmut Schacht

Nicht zu dieser Zeit

15. Oktober: „Warnstreik: Heute bleiben U-Bahnen und Busse im Depot“

Ein Warnstreik im Gesamtnetz des Hamburger ÖPNV zu Zeiten, in denen die Corona-Abstandsregeln massiv verschärft werden. Verständnis? Nein. Der Warnstreik ist unverantwortlich. Er ist notwendig, ja, aber nicht in dieser Form und zu dieser Zeit. Hier werden Eigeninteressen über das Gemeinwohl gestellt, wie ein Abbild unserer Gesellschaft.

Hans-Jürgen Ohlerich

Ausschluss der Trauernden

14. Oktober: „,Schrankenbetreuer‘ auf dem Friedhof“

Ihre Berichterstattung über die neue Schranke auf dem Ohlsdorfer Friedhof bildet das Meinungsklima in unserem Umfeld in keiner Weise ab. Trauernde Bürger und Bürgerinnen werden in ihren Trauerritualen und -gewohnheiten in einer Weise reguliert und bedrängt, die einer freien Stadt und eines Friedhofs in einer offenen Gesellschaft nicht würdig ist. Wir selbst müssen für unseren wöchentlichen Besuch des Grabs unseres Ehemannes, Vaters und Großvaters nun einen Umweg von mehreren Kilometern in Kauf nehmen, weil wir von der Einfahrt Klein Borstel nicht mehr zur Kapelle 2 kommen und nun mit unserer 86-jährigen Mutter einen langen Weg zur Einfahrt Fuhlsbüttler Straße zurücklegen müssen. Den anschließenden Spaziergang am See, den wir üblicherweise unternommen haben, müssen wir aufgrund der Schranken ganz streichen. Nicht nur wir, sondern viele andere Hinterbliebene hätten sich für eine andere Grabstelle entschieden, wenn sie über die neuen Zugangskonditionen zum Grab ihrer Angehörigen informiert gewesen wären. Gerade für alte und gehbehinderte Menschen ist die Frage eines zügigen und bequemen Zugangs per Auto eine zentrale Frage. Man hätte die Durchfahrt unattraktiv machen können, durch Überwachung der Geschwindigkeitsvorgaben. Wenn auf die Einhaltung von Tempo 30 geachtet worden wäre, wäre eine Durchfahrt von der Fuhlsbüttler Straße bis z. B. Bramfeld nicht lohnend. Zudem sollte es angesichts der Größe und der Ausdehnung dieses Friedhofs für eine freie Stadt und auch für die Trauernden verkraftbar sein, wenn eine einzelne Straße dieses Friedhofs, die Mittelallee, zeitweise während der Woche etwas stärker befahren sein sollte. Kaum ein Grab liegt direkt an dieser Straße. Dass man sich nun für eine Schranke in der Mitte dieses Friedhofs entschieden hat und damit das Verhalten von Trauernden und FriedhofsbesucherInnen unangenehm und unzumutbar reguliert, zeigt ein illiberales Verständnis dessen, was ein Friedhof zu sein hat. Im Zentrum und Herz des Friedhofs herrschen nun Mechanismen der Kontrolle, des Ausschlusses von Menschen, von Zugangsbürokratie und Regulierung. Wenn man den Tod als Teil des Lebens versteht, müssen die Orte des Todes und der Trauer offen sein.

Dr. Julia Kurig

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