Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 18. Juli 2020

Funktioniert seit Jahren nicht

17. Juli: ,Rechts gehen‘ für mehr Sicherheit. Hochbahn will mit Pilotprojekt die Fahrgastströme entzerren. An zwei Haltestellen weisen Markierungen den Weg

Die Pfeil-Kennzeichnung funktioniert schon seit Jahren nicht. Siehe der Südsteig im Hauptbahnhof. Als viel sinnvoller empfinde ich, eine andere zunehmende Unsitte zu benennen: Unter die Nase gezogene „Mund-Nasen-Masken“ nützen niemandem. Und das Argument der beschlagenen Brille ist nicht tragfähig, denn das erledigt sich nach wenigen Augenblicken.

Christiane Friedrich

(Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege)

Die fallen nicht vom Baum...

15. Juli: Obstbauern: Handel will unsere Kirschen nicht. Im Alten Land ist die Ernte in vollem Gange. Doch in den Obstregalen der Supermärkte liegen zumeist Früchte aus der Türkei

Etwas spät, aber nach den vielen Leserbriefen zum Thema nun doch noch ein Gedanke. Ja, Obst aus der Region ist ökologisch besser. Ja, Obst aus der Region ist deutlich teurer. Offenbar unterstellen aber viele Leserbriefschreiber, dass die ortsansässigen Bauern sich durch die hohen Preise die Höfe mit Blattgold belegen lassen wollen, ansonsten ist das Argument völlig unverständlich. Kirschen fallen nicht vom Baum, die müssen vorher gepflückt werden. Und dieses Pflücken ist zeit- und damit kostenintensiv. Was passiert, wenn man diese Arbeit zu Niedriglöhnen erledigen lässt, hat gerade das Thema Tönnies deutlich gemacht. Offenbar blenden das aber viele Menschen gezielt aus und schauen immer noch nur auf den Preis. Dass die Löhne in der Türkei niedriger sind als in Deutschland, sollte jedem klar sein und dass der Transport mit Lohnsklaven aus Osteuropa am Steuer der Lkw auch billig ist, ebenso. Ja, bei 13 Euro pro Kilogramm kann ich nicht jeden Tag Kirschen essen. Aber das konnte ich in den 60er-Jahren auch nicht. Und ich lebe tatsächlich immer noch. Wo also genau ist das Problem? Dass die Menschen, die im alten Land Kirschen pflücken, von dieser Arbeit auskömmlich leben wollen und sollen, wohl hoffentlich nicht?

Andreas Kaluzny

Schwere Arbeit hat ihren Preis

16. Juli: Leserbrief: Jammern auf hohem Niveau

Sicher, die Lobby der Landwirtschaft ist gelegentlich mit Forderungen schnell zur Hand. Die hier geäußerte Meinung bringt aber die Dinge durcheinander: Kirschen sind ziemlich teuer, aber die Preise mit Schweinefilet zu vergleichen ist Unsinn. Die Bewirtschaftung einer Obstplantage ist schwere Arbeit, dazu noch risikoreich durch die Abhängigkeit vom Wetter, von der Blüte bis zur Frucht. Abgesehen u. a. von der Wetterabhängigkeit gilt das sicher auch für Schweinezüchter, aber die Konsequenz ist nicht: Kirschen sind zu teuer, sondern Schweinefilet ist zu billig – wie fast alles Fleisch. Corona sollte uns alle gelehrt haben, „billig um jeden Preis“ ist vorbei.

Heike Bernhard

Umbau nicht gerechtfertigt

16. Juli: ,Wir müssen den Autoverkehr zurückdrängen‘. SPD-Bürgerschaftsfraktionschef Dirk Kienscherf über die Fahrrad- und ÖPNV-Stadt Hamburg, die Zukunft der City und das Verhältnis zum grünen Koalitionspartner

Ich befürchte, dass die ambitionierten Ziele für eine Neugestaltung der Innenstadt von der Bevölkerung nicht angenommen werden. Die Kettenläden in der City sind auch in den Einkaufszentren mit bequemer Erreichbarkeit (per Auto) vertreten. Es ergibt sich auch die Frage, ob vor dem Hintergrund einer älter werdenden Bevölkerung die hohen Kosten für den Umbau der Straßen für eine fahrradgerechte Stadt gerechtfertigt sind. Meiner Beobachtung sind die neu geschaffenen Velorouten eine Schönwetterangelegenheit. Bei dem typischen Hamburger Schmuddelwetter und auch im Winter bewegen sich nur noch wenige Radler auf den Routen. Wäre es nicht nur gerecht, wenn auch die Radler über Steuern zum Umbau beitragen würden, dem Kfz-Besitzer gleichgestellt. Man sollte auch über eine Kennzeichnungspflicht der Räder und evtl. einen Führerschein nachdenken. Denn Beachtung von Verkehrsregeln und Rücksichtnahme gegenüber den Fußgängern werden immer seltener.

Herbert Drapatz

Eine Entbindungsstation fehlt

16. Juli: Wie die Klinik Groß-Sand gerettet werden kann. Gesundheitskiosk Billstedt als Blaupause für Wilhelmsburg? Großes Echo auf Pläne für Umbau zum Stadtteil-Gesundheitszentrum

Grundsätzlich finde ich es unbedingt notwendig, dass wir hier „auf der Insel“ ein Krankenhaus haben! Allerdings sind da einige Dinge, die abgeändert und verbessert werden müssten, um den Patientenzulauf zu verstärken (auch wenn es „nur“ Kassenpatienten sind): Ohne Pkw kommt man schlecht dorthin, von den verschiedenen Busstationen geht man ca. zehn Minuten noch zu Fuß. Das Krankenhaus hat keine Entbindungsstation (warum eigentlich nicht?) und keine HNO-Abteilung. Allerdings eine sehr gute Orthopädie/Chirurgie und Geriatrie. Und die Cafeteria kann auch von Nicht-Patienten/-Personal besucht werden und bietet einen günstigen Mittagstisch an. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Unternehmensberatung diese Punkte nicht in ihre Arbeit einbezogen hat. Also woran liegt es, dass der Senat nicht schnell die vorhandenen finanziellen Mittel „locker“ macht? Wieder einmal, weil es nur Wilhelmsburg ist?

Martina Konczak

Gegenüberstellung per Video

16. Juli: Anonymer Brief ,besorgter Bürger‘ führte zu Jatta-Verfahren. Zwei Indizien sollen HSV-Profi belasten. Anwälte halten die Vorwürfe für haltlos und kritisieren, dass die ,Bild‘ bei der Durchsuchung vor Ort war

Wie lange sollen die Ermittlungen eigentlich noch dauern? Immer wieder wird auf die Echtheit der Dokumente verwiesen. Nur, das ist nicht das Problem. Niemand zweifelt die Echtheit der Dokumente an, sondern die Identität dessen, der diese Dokumente vorlegt. Wenn schon beim Vergleich der Bilder Zweifel entstehen, sollte man wirklich sehr daran interessiert sein, die Identität zweifelsfrei zu klären. Da wir alle in den letzten Monaten den Nutzen der Technik und modernen Medien schätzengelernt haben, empfehle ich ein Zoom-Meeting der ermittelnden Behörden mit Bakery Jatta und Bakery Daffeh im Beisein der Presse.

Vera Haupt

Ältere werden diskriminiert

15. Juli: Auf Weltreise durch Hamburg. Senat wirbt: In der eigenen Stadt anderen Ländern begegnen. Erlebnisticket bietet Rabatte für viele Attraktionen

Generell finde ich beide Aktionen sehr gut, aber es gibt doch einen unschönen Haken. Wie können denn all die Personen teilhaben, wenn sie kein Internet oder Smartphone besitzen, oder wenn man nicht jede App auf das Handy laden möchte und schon gar nicht über einen Bezahlanbieter bezahlen oder andere Daten preisgeben möchte? Gleiches gilt übrigens auch für die vielen anderen Unternehmungen wie z.B. Schwimmbad oder Museum, die nur über Online-Anmeldung möglich sind. Ich empfinde das schon als Diskriminierung vieler, besonders älterer Herrschaften. Vielleicht sollten sich die Anbieter darüber mal Gedanken machen.

Marianne Hartmann

Nicht genügend Reichweite

14. Juli: Autohändler haben Krise fast überwunden. In Hamburger Unternehmen liegen die Verkaufszahlen nahezu auf Vor-Corona-Niveau. Die neue E-Wagen-Prämie hilft dabei nur wenig

Was soll ich mit einem Kleinwagen, mit dem ich nur knapp 160 Kilometer weit fahren kann. Und in der Stadt gibt es genug öffentliche Verkehrsmittel. Spontane Fahrten ins Blaue entfallen. Irgendwo in der Walachei weit und breit keine Ladestation. Und viel Geld kosten die Wagen auch. Da ist mir ein Benziner mit Reservetank im Kofferraum lieber.

Veronika von Sternburg, Hamburg