Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. Juni 2020

Bismarck weitersanieren

29. Juni: Was wird aus Hamburgs Bismarck? Kritiker fordern Sanierungsstopp des Denkmals

Ich finde, die Statue sollte weitersaniert werden, sie ist Teil unserer Geschichte. Falls man es vergessen haben sollte: Ab 1883 wurden in Deutschland durch Reichskanzler Bismarck zuerst die gesetzliche Krankenversicherung, dann die Unfallversicherung und schließlich die Rentenversicherung eingeführt. Sie waren überwiegend auf die Arbeiterschaft ausgerichtet. Das ist doch auch wichtig und sagt aus, dass Bismarck die Arbeiter nicht egal waren. Die Kolonialgeschichte mag ja auch für den Reichskanzler stehen, aber wen wollen wir denn noch alles vom Sockel stoßen? Was werden unsere Nachfahren von unseren Entscheidungen denken, die heute gültig sind, aber in 100 Jahren eventuell auch in Frage gestellt werden? Die müssen dann auch damit leben. Lasst den Bismarck so stehen und saniert ihn weiter!

Gisela Seib

Geschichtsloses Hamburg

Diejenigen, die ohne jegliche Ermächtigung meinen, Heroen der eigenen Geschichte müssten weg, schaffen sich damit doch nur selbst ab. Willkommen im geschichtslosen Hamburg.

Dietrich Räsch

Lachnummer HSV

29. Juni: Eine historische Blamage. Desaströses 1:5 gegen Sandhausen – der HSV benötigt dringend neues Personal

Unfassbar, unterirdisch, unerhört, was sich der HSV geleistet hat. Bitter für die, die sich noch Fans nennen, warum eigentlich? Ha-Ha-Ha-HSV – eine Lachnummer und inzwischen ein typischer Zweitligaverein.

Detlef Lange, Hamburg

Lustloser Haufen

Der HSV hat es wieder einmal geschafft, alles zu verspielen. Dabei war die Möglichkeit auf den Relegationsplatz zu gelangen und damit eine Chance auf die Rückkehr in die erste Liga, in den letzten Spielen zum Greifen nah. Auch die gestrige Demontage durch Sandhausen passt in dieses Bild – der HSV hat in der letzten Zeit nur noch desaströse Leistungen gezeigt. Insofern wäre ein Aufstieg in letzter Minute auch nicht verdient gewesen. Der HSV ist genau da, wo er hingehört: In der 2. Liga. Und wenn nicht irgendwann ein Ruck durch die Mannschaft geht, vielleicht durch Bezahlung nach Leistung, wird das auch in der kommenden Saison so bleiben. Schade für Hamburg und seine immer noch verbliebenen HSV-Fans. Auf einen Trainerwechsel sollte man verzichten, der HSV hat schon genug davon verschlissen, denn am Trainer liegt es sicher nicht, sondern an dem unmotivierten und lustlosen Haufen von Spielern.

Helmut Jung

Hinweise allein nützen nichts

27./28. Juni: Die unheiligen Zustände der Schlachthöfe. Mit atemberaubendem Desinteresse hat die Gesellschaft die Fleischindustrie gewähren lassen. Nur wenige halten dagegen

Das schmackhafte Rösten von Grillfleisch beherrscht das Denken der meisten Deutschen. Da erzeugen Hinweise auf die massenhafte Verletzung des Tierwohls oder die schlechten Arbeitsbedingungen in der fleischverarbeitenden Industrie nur ein müdes Achselzucken. Hauptsache, das tierische Grillgut ist billig. Politiker, die sich jetzt gegen Massentierhaltung aussprechen oder angemessene Arbeitsverträge für die Beschäftigten in der Fleischverarbeitung fordern, riskieren ihre Wiederwahl. Nach der Sommerpause wird das Thema sowieso in der Versenkung verschwunden sein. Warum nur trauen sich nicht mal die Grünen, unermüdlich auf das Verbot der Massentierhaltung zu drängen, was sowohl dem Tierwohl dient, als auch der fleischverarbeitenden Industrie die Möglichkeit gibt, festangestellte Arbeiter zu beschäftigen? Zusätzlich fällt weniger Gülle an. Aber dadurch wird natürlich das Angebot an Fleischerzeugnissen bei gleicher Nachfrage geringer, was die Preise in die Höhe treibt. Auch wenn weniger Fleisch gesünder wäre, die Bürger werden sich gegen so eine Entwicklung wehren.

Christiane Mielck-Retzdorff

Es geht nur um Profit!

27./28. Juni: Der Kampf gegen Billigfleisch. Corona-Krise und Tönnies-Ausbruch haben die Politik wachgerüttelt – Landwirtschaftsministerin Klöckner will eine Tierwohlabgabe durchsetzen

Allein das Wort „Tierwohlabgabe“ ist schon eine Lüge. In Deutschland und Europa geht es seit Jahrzehnten nicht um das Wohl der Tiere in der Massenproduktion. Es geht einzig und allein um Profit und Dumpingpreise. Den Preis dafür tragen die Tiere, die unter absolut unwürdigen Bedingungen gehalten werden. Dagegen helfen keine Abgaben und Finanzierungshilfen, sondern klare Gesetze. Sei es das Verbot der Ferkelkastration, das Verbot des Kastenstands für Sauen, sei es die Massentierhaltung und die Schlachtbedingungen. Das ist die Aufgabe der Politik, wenn der Verbraucher nur nach Billigfleisch lechzt. Dies alles führt zu unendlichem Leid der Tiere, Stresshormonen und Einsatz von Antibiotika. Wir als Verbraucher nehmen diese Hormone und das Antibiotika auf. Dies sollte jedem bewusst sein, der das auf diese Weise „hergestellte“ Fleisch konsumiert. Während die Angst von Corona unbegrenzt geschürt wird, scheinen andere Aspekte der Gesundheit keine Rolle zu spielen. Und das „Tierwohl“ erst recht nicht!

Dr. Susanne Schmitt

Schlechte Zeit für ein Museum

27./28. Juni: Weg frei für neues Naturkundemuseum. Aufnahme in Leibniz-Gemeinschaft erleichtert Finanzierung. Nun wird Standort gesucht und Konzept entwickelt

Es ist sehr überraschend, dass in dieser Zeit noch Gelder bereitgestellt werden sollen für ein neues Museum. Haben wir soviel Geld herumliegen? Am Ende müssen wir sowieso für alle Schulden aufkommen, aber diese sollte man nicht extra durch solche Projekte erhöhen. Die Gelder und der Bau sollten in eine Zeit verschoben werden, in der die Wirtschaft und die Steuereinnahmen wieder normal laufen.

E. Christian Wolters, Hamburg

Museum in guter Lage

Warum kommt das neue Naturkundemuseum nicht in das künftig nicht mehr genutzte Galeria-Kaufhof-Gebäude in der Mönckebergstraße, sondern wird irgendwo in der Nähe des Kleinen Grasbrooks versteckt? Diese Nutzung in prominenter und gut erreichbarer Lage bietet sich doch ganz offensichtlich an.

Rita S. Holz

Groteske Ausflüchte

27./28. Juni: Corona-Partys, Bußgelder und ein Maulwurf. Die rot-grüne Regierung hat ihren Start verstolpert. Das hat mit einem beliebten wie feierfreudigen Senator und Intrigen der SPD Mitte zu tun

Die Ausflüchte von Andy Grote werden immer grotesker. Sinn der Corona-Verordnung ist doch die Vermeidung von Ansteckungen und der Ausbreitung der Pandemie. Deshalb gibt es die restriktiven Kontaktbeschränkungen mit der Begrenzung der Personenzahl bei Zusammenkünften und dem Verbot der Organisation von Feierlichkeiten. Und es müssen Kontaktlisten der Teilnehmer geführt werden (gibt es die?). Es kommt allein darauf an, dass nicht zu viele Menschen zusammenkommen und sich unkontrolliert anstecken könnten. Dem Virus ist es dabei ziemlich egal, ob die Musik laut, die Stimmung ausgelassen ist oder viel Alkohol getrunken wird. Ansteckung ist Ansteckung. Es ist auch nicht weniger ansteckend, weil es ein Senator ist, der eine Feierlichkeit organisiert, einen Raum bestellt, einlädt und die Rechnung bezahlt. Es sei denn, der Senator und seine Party-Parteifreunde sind nachweislich immun gegen das Virus. Bis jetzt gibt es allerdings nur den Nachweis, dass sie immun gegen die Anwendung der Verordnung aus dem eigenen Haus sind. Wenn Bürgermeister Peter Tschentscher den Eindruck vermeiden möchte, dass für seine Senatoren und Parteifreunde in dieser Stadt Sonderregelungen bestehen, legt er seinem Senator Grote dringend den Rücktritt nahe. Oder er zieht die Notbremse.

Malte C. Doenselmann