Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 9. Juni 2020

Mit zweierlei Maß gemessen?

8. Juni: 14.000 demonstrieren gegen Rassismus. Nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd gab es eine große Protestaktion in der Stadt. Im Anschluss kam es zu Krawallen

Die Bilder und Ihr Text haben mich erschüttert: 14.000 Menschen dicht gedrängt auf dem Jungfernstieg ohne Umsetzung der vom Senat angeordneten und von uns als Bürgern als richtig empfundenen Hygiene- und Abstandsregeln in Zeiten von Corona. Warum greift unsere Polizei hier nicht auch konsequent durch, um alle Bürger vor der weiteren Ausbreitung des Virus bei verbotenen Großveranstaltungen wie dieser zu schützen? Alte Leute in Seniorenheimen dürfen nicht besucht werden, unsere Kinder dürfen Kita und Schulen nur mit erheblichen Vorsichtsmaßnahmen besuchen. Die Polizei greift mit Recht ein bei übervollen Restaurants und Liegewiesen an der Elbe und im Stadtpark und schreibt, wenn notwendig, Strafzettel. Frage: Wo bleibt in diesem Fall die Gleichbehandlung? Was ist wichtiger: Der Protest auf dem Jungfernstieg oder die in Hamburg sehr guten niedrigen Infektionszahlen? Misst unsere Polizei mit zweierlei Maß in Hamburg?

Michael Bothe

Maske ab und tief durchatmen

8. Juni: Leserbrief: Konsumverzicht wegen Maske

Vielen Dank für die Veröffentlichung des Leserbriefes zum Thema Maskenpflicht beim Einkaufen. Auch mir und der überwiegenden Mehrzahl meiner Bekannten und Freunde geht es so. Bummeln in der Hamburger Innenstadt bedeutet Maske auf beim Betreten eines Geschäftes, Maske ab und tief Durchatmen beim Verlassen eines Geschäftes. Nicht sehr entspannt und dazu noch nicht sehr hygienisch, außer man desinfiziert immer die Hände nach jeder Berührung der Maske. In den Einkaufszentren ist es ebenso Spaß reduzierend, weil man die Maske dort durchgehend tragen muss. Auch wir kaufen zurzeit nur die Dinge für den täglichen Bedarf im Schnelldurchlauf im Supermarkt. Anderes wird online gekauft. Vor einer Infektion im täglichen Miteinander habe ich keine Angst, solange sich alle an die Abstandsregeln halten, allerdings bemerke ich seit der Maskenpflicht, dass sich viele Menschen dadurch scheinbar irrtümlich geschützt fühlen und den Abstand nicht mehr halten. Sorgen bereitet mir, dass der Urlaub im Ausland wieder erlaubt ist, ohne anschließende Quarantäne, und dass Demonstrationen erlaubt sind, die als Großveranstaltungen das Infektionsrisiko drastisch erhöhen.

Birgit Knoblauch, Geesthacht

Lärm ist hörbarer Müll

6./7. Juni: Hamburg, beweg dich – nach draußen. Dieser Sommer muss ein Freiluftsommer werden: für die Menschen in der Stadt, die Wirtschaft, die Kultur und den Tourismus

Plädiere dafür, dass bei allen zusätzlich gewünschten Freiluftveranstaltungen und ausgedehnter Außengastronomie im Vorfeld die komplette Bandbreite von „Hygieneanforderungen“ berücksichtigt wird. Dazu gehört auch der produzierte „akustische Abfall“, der zwangsläufig in die Räume der umliegenden Wohnungen eindringen wird. Der Mediziner Robert Koch – aktueller denn je – warnte bereits 1910: „Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso bekämpfen müssen, wie die Cholera und die Pest.“

Thomas Rüsch, Hamburg-Winterhude

Auf nach Kiel-Schilksee!

6./7. Juni: Serie: Die schönsten Urlaubsorte an Nord- und Ostsee. Die Hauptstadt der Strände. Auf diese Region kommt man nicht sofort, doch gerade deshalb hat sie ihren Reiz

Mit Freude las ich die ausführliche Reportage über die Kieler Förde und die Stadt Kiel, die „Hauptstadt der Strände“. Endlich wurde auch einmal über diesen wunderschönen Teil der Ostsee berichtet. Ein kleines Bedauern schlich sich jedoch bei der Lektüre dieses Artikels ein: Einer der schönsten Strände, sogar in einem Stadtteil von Kiel gelegen, fand überhaupt keine Erwähnung: Kiel-Schilksee. Der Autor hätte den Dampfer der Fördefährlinie F1 nur eine Station vor Strande verlassen müssen und schon wäre er auf „historischem Boden“ gelandet, dem Olympia-Hafen von 1972 und heutigem Austragungsort der Segelregatten zur „Kieler Woche“. Ein paar Schritte weiter hätte er eines der besten Fischbrötchen der Welt verzehren und dabei den Blick auf den feinsandigen Strand mit seinen bunten Strandkörben erleben können. Und das absolut ohne Kurtaxe zu bezahlen. Und auch eine Strandkarte muss aus keinem Automaten gezogen werden. Er wäre eine Runde im klaren Ostseewasser geschwommen und hätte danach gastronomische Köstlichkeiten, auch unter freiem Himmel, genießen können. Wäre er mit dem Auto gekommen, so hätte er dieses direkt vor dem Aufgang zum Strand kostenfrei auf dem großen Parkplatz abstellen können. Und sollte er nicht schwimmen können oder wollen, so könnte er doch ausgiebige Spaziergänge nach rechts auf der Steilküste und nach links Richtung Strande, dem Bülker Leuchtturm und weiter auf der Steilküste Richtung Surendorf und Krusendorf unternehmen. Also, geehrter Autor, auf nach Kiel-Schilksee und den Stadtteil selber erkunden. Nach zwei Jahren in Kiel wird das höchste Zeit.

Jürgen Danielsen, Schenefeld

Klarer, mutiger Kommentar

5. Juni: Die Gewinner der Elbvertiefung. Reeder sollten sich bedanken und dem Hafen treu bleiben

Das ist ein klarer und auch mutiger Kommentar. Noch ist ungewiss, wie Natur und Gezeiten sich wirklich mit dem Ausbaggern und Umlagern von geschätzten 30 Millionen Kubikmetern Sedimenten abfinden werden. Mag ja sein, dass sie sich für diesen Hochmut der Menschen böse rächen werden. Auch für die Schuldigen der gigantischen, in den Himmel wachsenden Containerfrachter fern der Elbe, könnte die Rechnung doch nicht ganz aufgehen. So erging es schon Airbus, und Sättigung in der Kreuzschifffahrt ist absehbar.

Herbert Goy, Hamburg-Wohldorf

Ein interessanter Abend

5. Juni: ,Man muss ja mal raus‘. Mit einem wohltemperierten Abend über Leben und Werk des ,gründlich vergessenen‘ Hamburger Autors Joachim Maass meldete sich das Literaturhaus nach zehn Wochen Veranstaltungspause bei seinem Stammpublikum zurück

Es scheint, dass der Kritiker, vermutlich gerade aus der Quarantäne entlassen, all seinen Frust in seinem Artikel entladen hat. Wie schade! Da hat der Autor an exponierter Stelle im Kulturteil so viel Platz, um seiner Freude über die erste Veranstaltung im Literaturhaus nach dem Lockdown Ausdruck zu geben und seinen Lesern mitzuteilen: Leute, es gibt einen Autor wieder zu entdecken. Joachim Maass, einen Hamburger, mit viel Hamburg in seinen Werken, es lohnt sich, ihn zu lesen. Stattdessen ist dem Kritiker ein angenehmer, interessanter Abend entgangen, da er ja döste und annahm, dass das übrige Publikum ebenfalls nur „zweidrittelwach“ und Aufmerksamkeit vorgebend im „Nichtganzschlummern“ dasaß. Hätte er das große Foto zu seinem Artikel „nicht ganz schlummernd“ betrachtet, so hätte er ein aufmerksames, „dreidrittelwaches“ Publikum entdecken können. Die Zuhörerin vorne rechts am zweiten Tisch ist übrigens nicht eingenickt, sondern macht sich Notizen. Das hätte der Kritiker besser auch tun sollen.

Gabriele Gelinek

Nummernschilder helfen nicht

4. Juni: Leserbrief: Steuer für Fahrradfahrer?

Es ist zu hoffen, dass all die Leserbriefschreiber, die sich immer wieder über Radfahrer echauffieren, die vielen Artikel mit den mannigfachen Straftaten der Autofahrer auch gut durchlesen. Alle Kraftfahrzeuge haben ein Nummernschild, was ja auch immer mal wieder für Radfahrer gefordert wird, trotzdem kommt es zu teils extremen Vergehen. Und noch eine Zahl zum Schluss, ungefähr 65 Prozent der Unfälle in Hamburg zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrern werden von Kfz verursacht. Die Moral von der Geschichte: Verkehrssünder gibt es (leider) unter allen Verkehrsteilnehmern.

Matthias Christen, Eimsbüttel