Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 18. Mai 2020

Es gibt keinen Königsweg

16./17. Mai: Warum Schweden am Ende vielleicht richtig liegt. Die Skandinavier verzichteten auf ein Einfrieren des Landes – und müssen eine zweite Infektionswelle weniger fürchten

Bei seinem „Lobgesang“ auf Schweden hat Herr Iken leider einen ganz wichtigen Aspekt vergessen. Was ist denn eigentlich mit den möglichen Langzeitfolgen? Bekanntlich haben doch Studien ergeben, dass dieses Virus neben der Lunge noch weitere Organe, wie Herz, Nieren etc. angreift und die Betroffenen möglicherweise mit dauernden Gesundheitseinschränkungen leben müssen. Ich denke, dass es hier keinen „Königsweg“ gibt. Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, erst wenn die Pandemie überstanden ist, werden wir wissen, welcher Weg der richtige war.

Dieter Buchholz

Unterschiedliche Bedingungen

Nun muss ich Herrn Iken doch einmal widersprechen: Erstens ist Schweden im Vergleich zu Deutschland bis auf die größeren Städte ein deutlich weniger dicht besiedeltes Land. Dies ist wichtig im Hinblick auf die exponentielle Verbreitung des Virus. Zweitens haben wir über das Virus im Moment noch kein ausreichendes Wissen. Von einer Immunität wissen wir nur, dass sie gegen den aktuellen Virusstamm wirken könnte. Die Dauer ist unbekannt. Aus den langjährigen Erfahrungen mit dem „Grippevirus“ ist bekannt, dass es eine länger andauernde Immunität nur gegen die in dem entsprechendem Jahr verbreitete Mutante gibt. Daher muss jedes Jahr eine neue Impfung mit entsprechend angepasstem Impfstoff erfolgen, um ausreichend geschützt zu sein. Bei dem offensichtlich hohen Mutationspotenzial von SARS-CoV-2 wäre eine sogenannte „Herdenimmunität“ sicher wünschenswert, ist aber leider von der Realität weit entfernt. Drittens ist die Angabe von „Covid -19 geheilt“ eine irreführende Angabe. Vielfach handelt es sich um eine Defektheilung mit gravierenden Spätfolgen. Ich halte den Umgang mit der Krise in Deutschland für umsichtig und für jeden Informierten nachvollziehbar. Wir gehen eben den umgekehrten Weg : Vom Shutdown zur Lockerung und nicht von primärer Lockerung zum Risiko eines möglichen Shutdowns. Jedes Land sollte, wie auch bei uns die unterschiedlichen Bundesländer, anhand seiner regionalen Bedingungen, entsprechend wirksame Entscheidungen treffen. Mit Recht hat Matthias Iken also im Titel ein „vielleicht“ eingeschoben.

Dr. Günter Türk

Von Misserfolgen ablenken

16./17. Mai: Scheuer will Strafen für Raser mildern

Der CSU-Verkehrsminister Scheuer, der genauso wie sein Vorgänger Dobrindt, nicht durch nennenswerte Leistungen aufgefallen ist, hat jetzt ein neues Thema gefunden, um von seinen Misserfolgen, insbesondere der krachend gescheiterten und für den Steuerzahler teuren Pkw-Maut abzulenken: Er will die Verschärfung des aus seinem eigenen Haus kommenden Bußgeldkatalogs teilweise wieder rückgängig machen. Insbesondere will er die Strafen für Raser mildern. Was ihn zu diesem völlig unverständlichen Schritt antreibt, ist nicht zu verstehen und wird wohl auch sein Geheimnis bleiben. Obwohl ich selbst hin und wieder wegen geringer Geschwindigkeitsübertretungen zur Kasse gebeten werde, finde ich es richtig, dass unverantwortliche Raser härter bestraft werden und bei z.B. einer Tempoüberschreitung von 21 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften ihren Führerschein für 30 Tage verlieren. Der Minister könnte sich vielmehr damit verdient machen, wenn er endlich das vom ADAC und der Mehrheit der Bevölkerung geforderte Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen durchsetzen würde. Aber so viel Einsicht ist von ihm wohl nicht zu erwarten.

Helmut Jung

Strenge Regeln machen Sinn

Es ist wichtig, Klarheit in die Verkehrsregeln zu bringen. Dieses ewige Diskutieren über jeden Einzelfall ist nicht Sinn einer Verkehrsordnung. Entweder hält sich der Verkehrsteilnehmer an die Regeln oder bei Nichteinhaltung wird er dafür herangezogen. Herr Scheuer sollte mal den Versuch machen, sich dem Verkehrsgeschehen praxisbezogen hinzugeben. Er wird sein blaues Wunder erleben, was da alles möglich ist. Das Bild was sich nun zeigt, offenbart nur, wie viel Kraftfahrer sich nicht an Geschwindigkeitsregeln halten und nun schreien, alles ist Abzocke. Komme ich in eine schwierigen Verkehrssituation, zeigt sich, dass auch Tempo 30 schon sehr schnell sein kann, um zu reagieren. Die Folgen können verheerend sein und das sollte sich jeder vor Augen führen, der ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr führt. Die strenge Reglung macht in meinen Augen schon Sinn, wenn den Rasern nicht anders beizukommen ist.

Heinrich Beck, Ahrensburg

Und die Krankenpflege?

15. Mai: Mehr Tests, strengere Meldepflicht und Bonus für Pflegekräfte

Was ist mit der Krankenpflege? Wir alle leisten viel, jeden Tag, seit Jahren und Jahrzehnten. In unserem Betrieb arbeiten Fachkräfte aus der Kranken- und Altenpflege. Assistenten, ohne die wir arm dran wären. Nun wird da ein Unterschied gemacht? In der nächsten Corona-Krise soll dann an die Krankenhäuser gedacht werden? Das ist ja richtig nett. Entweder ich bin noch nicht wach genug, um den Artikel zu verstehen, oder es ist eine scheinheilige Veräppelung.

Susanne Borchers