Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. April 2020

Einfach die Füße still halten

9./10. April: ,Deutschland ist in einer glücklichen Situation‘. 14 Wissenschaftler weisen Wege aus dem Shutdown. Der UKE-Mediziner Ansgar Lohse ist Mitverfasser

Können die Damen und Herren Politiker, Virologen, übrige Wissenschaftler aller Fakultäten, Journalisten und selbst ernannte übrige Experten nicht einfach mal, so wie vereinbart, bis zum 19. April 2020 die Füße still halten, statt die Öffentlichkeit mit immer neuen Profilierungen zu verunsichern? Ja, im Hintergrund muss man sich intensiv Gedanken über die Lockerungen machen, aber die Entwicklungen etwa in Italien und Spanien zeigen doch, es braucht nun mal alles eine gewisse Zeit. Und offensichtlich ist die Mehrheit der Bundesbürger bereit, dies zu akzeptieren. Das Hase- und Igel-Spiel um eine vermeintliche Deutungshoheit nervt, verunsichert und trägt nicht dazu bei, sich sachgerecht mit der Materie auseinander zu setzen.

Karen Hofer & Friedhelm Boldt

Ein Garten wäre jetzt schön

8. April: Abstand halten? Unmöglich! Wer im am dichtesten besiedelten Stadtteil Hamburgs lebt, kann nicht ausweichen – weder den Menschen noch der Sorge vor dem Virus

Auch ich lebe im, an sich, schönen Stadtteil Hoheluft-West. Aber auch mir geht der ständige „Aus-dem-Weg-geh-Slalom“ in unserem Viertel ganz schön auf den Geist. Und manche Leute haben es auch immer noch nicht verstanden mit dem gebotenen Mindestabstand. Aber was soll man machen? Früh morgens oder spät abends spazieren gehen? Selbst im benachbarten Innocentiapark in Harvestehude war es vergangenes Wochenende ziemlich voll. Ich lebe schon seit über 40 Jahren in diesem Viertel und erst jetzt habe ich mich bei dem Gedanken ertappt: „Wie schön wäre es, jetzt einen Garten zu haben“.

Christiane Schmidt

Mit lieben Worten auf Abstand

11./12./13. April: Gastbeitrag: ,Ich bin gerade sehr stolz auf mein Land und auf meine Stadt‘

Ich bin tief bewegt von diesen beeindruckenden Worten unserer Zweiten Bürgermeisterin. Alles was mich selbst seit Wochen umtreibt, was ich an Problemen und derzeitig notwendigen aktuellen Lösungen wahrnehme, bis hin zur Mahnung, den Klimaschutz nun kein bisschen zu vernachlässigen, kann sie in zwei Spalten darstellen. Eine Ergänzung habe ich: Ich als Großmutter (70) treffe meine Enkelkinder seit dem 10.3. nicht mehr direkt. Aber ich stelle jeden Tag ein warmes Essen für meine Tochter, ihren Mann und die drei kleinen Enkelkinder vor deren Wohnungstür. So sind die beiden Elternteile, die jeder einen halben Tag im Homeoffice arbeiten, während der andere die drei kleinen Kinder beschäftigt, entlastet. Und der Drei- und der Sechsjährige schicken Videobotschaften oder rufen mit ‚Face-to-Face‘ an und sagen oder zeigen, wie ihnen mein Essen geschmeckt hat. Ich lese ihnen mit elektronischer Unterstützung Kinderbücher vor, wir sehen uns dabei von iPad zu iPad. Ab und zu winken wir uns von der Straße zum Fenster hoch zu. Wir haben bewusst diese Lebensform im gleichen Stadtteil in Hamburg nahe beieinander zu wohnen, gewählt. Nun zahlt es sich doppelt aus: Ich kann weiterhin die junge Familie unterstützen, habe wichtige Aufgaben, bin Teil ihres Lebens, bin überhaupt nicht isoliert – auch wenn wir Abstand halten. Wir nehmen uns seit Wochen nicht mehr in den Arm, aber liebe Worte sind auch wie ein „In-den-Arm-nehmen“.

Birgit Buchholz, Hamburg

Spannungen angeheizt?

9./10. April: Leitartikel: Irrwege im Norden. Das Krisenmanagement zeigt die Schwächen des Ministerpräsidenten Günther

Das ist ein mutiger Kommentar. Respekt! Und dann wird aufgrund dieses einzelnen Konfliktfelds die grundsätzliche Kompetenz einer Person in Frage gestellt! Würde ich das Hamburger Abendblatt nicht bereits so lange kennen und lesen, dann könnte ich durchaus die Frage nach Klienteljournalismus aufwerfen. Oder Überlegungen anstellen, inwieweit manche Redakteure „pro domo“ schreiben. Ihre Befürchtung, durch die aktuelle „Grenzfrage“ entstünden größere, übergeordnetere und zudem langwierigere Spannungen, kann ich mich als Leser in der Tat nicht entziehen. Zumindest werden diese durch die Berichterstattung der letzten Tage angeheizt sowie mit den Kommentaren vom Montag oder heutigen Donnerstag herbeigeschrieben.

Eike Mahlstedt

Bittere Konsequenzen drohen

und Leserbriefe vom 9./10. April

Ein sehr guter und sachlicher Kommentar zu dieser leidigen Angelegenheit. Die Leserbriefe von Stefan Bohn und Oliver Meyer sprechen für sich. Die Hamburger Besitzer von Zweitwohnsitzen und Booten zahlen Steuern und Liegegebühren, kaufen dort ein und geben Aufträge an örtliche Handwerksbetriebe. Die Konsequenzen daraus werden sehr bitter sein. Das bisherige gute Verhältnis ist durch den Ministerpräsidenten kaputt gemacht worden. Es wird leider sehr lange dauern, bis der Nachbarschaftsfrieden wieder hergestellt wird.

Hans-Jürgen Odrowski