Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. April 2020

Tschentscher ist nicht besser

9./10. April: Irrwege im Norden. Das Krisenmanagement zeigt die Schwächen des Ministerpräsidenten Günther

Dass die Anordnungen von Daniel Günther von einigen Landräten und übereifrigen Polizisten zu streng ausgelegt wurden, ist natürlich zu kritisieren. Aber, dass Sie Herrn Tschentscher im Vergleich zu Daniel Günther so in in den Himmel heben, hat auch keine Berechtigung. Vielen Hamburgern war doch schon während der Ferien klar, dass die Heimkehrer aus Österreich zu einer Ansteckungsgefährdung in Hamburg führen könnten. Herr Tschentscher und unsere Gesundheitssenatorin haben auf die Frage, warum die Bars und Diskotheken nicht vor dem Wochenende geschlossen wurden, immer nur ausweichende Antworten gegeben. Mit dem jetzigen Krisenmanagement unseres Senats kann man aber zufrieden sein.

Dietlind Thiessen

Logisch und vernünftig

9./10. April: ,Deutschland ist in einer glücklichen Situation‘. 14 Wissenschaftler weisen Wege aus dem Shutdown. Der UKE-Mediziner Ansgar Lohse ist Mitverfasser

Endlich! Mir fallen so viele Steine vom Herzen. Endlich hört man auch in etablierten (Hamburger) Medien von sachlich, logisch, vernünftig und weiterdenkenden Experten!

Michaela Kaiser

Spätfolgen berücksichtigen

Herr Professor Dr. Lohse spricht sicherlich vielen Menschen aus dem Herzen, wenn er eine kurzfristige Lockerung der Corona-Einschränkungen fordert. Da Medikamente und Impfstoffe so bald nicht verfügbar sein werden, kann eine sinnvolle Strategie gegen das Virus nur darin bestehen, eine möglichst schnelle Immunisierung der Bevölkerung zu erreichen, ohne den Schutz der bekannten Risikogruppen, zum Beispiel durch Aufrechterhaltung des Abstandsgebots, eine allgemeine Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen geschlossenen Räumen etc., aus den Augen zu verlieren. Ich vermisse in der aktuellen politischen Diskussion eine klare Strategie, die nicht nur die Reduzierung der Corona-Infizierungszahlen, sondern auch andere für unser Leben wesentliche Aspekte berücksichtigt. Dazu gehören aus meiner Sicht vor allem die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen (Spät-)Folgen eines längeren Shutdowns sowie die von Professor Dr. Ansgar Lohse aufgezeigten Langzeitfolgen für die Gesundheit vieler Menschen und unser Gesundheitssystem. Solange das politische Handeln wie derzeit allein von den wechselnden Aussagen und düsteren Prognosen von Virologen bestimmt zu werden scheint, habe ich allerdings wenig Hoffnung auf eine Strategieänderung.

Wolfgang Kaumanns, Bendestorf

Selbstbestimmt entscheiden

Stimme Professor Dr. Ansgar Lohse voll und ganz zu, auch beziehungsweise gerade auch zu den Reisebeschränkungen. Und dies nicht nur zu den Osterfeiertagen, sondern vor allen Dingen auch für die nahenden Sommerferien. Ein gehöriges Maß an Selbstbestimmung sowie Eigenverantwortung für sich selbst sowie für andere sollten dem mündigen Bürger schon zugemutet werden können.

Frank Neermann

Kriterium Ansteckungsrate

8. April: Hamburgs Corona-Erfolge. Das Virus breitet sich in der Stadt nur noch langsam aus – werden wir bald dafür belohnt?

Herr Haider hat die Verdopplungsrate anders interpretiert als es an anderen Stellen im Zusammenhang mit exponentiellem Wachstum, sicher auch von Kanzlerin Merkel, verstanden wird. Wie auch immer, es ist nicht sinnvoll, in die Kriterien für eine Lockerung der Kontaktsperre alle bisher diagnostizierten Infektionen einzubeziehen. Stattdessen sollte man die momentane Ansteckungsrate (Reproduktionszahl, Anzahl der Personen, die ein Infizierter ansteckt) als Ausstiegskriterium verwenden, in die nur das Epidemie-Geschehen der letzten 10-14 Tage eingeht. Auch sollte die Politik klar machen, welches ihr Ziel ist: Abflachen der Kurve mit der Konsequenz, dass wir noch sehr lange mit hohem wirtschaftlichen Kollateralschaden leben müssen und auf einen Impfstoff warten oder Anstreben einer baldigen Herdenimmunität. Ein Eindämmen des Virus wie in China ist ja wohl ausgeschlossen. Ein weiteres Kriterium für einen Exit ist ja die momentane Situation an unseren Krankenhäusern. Der für Mitte April angekündigte Sturm nach der Ruhe scheint nicht stattzufinden. Von italienischen Verhältnissen sind wir in Deutschland weit entfernt.

Prof. Dr. Bodo Werner