Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 31. März 2020

Testkapazitäten ausweiten

30. März: Ärger um Hamburgs erstes geplantes Testzentrum

Die Nachricht, dass ein geplantes Testzentrum in Bergedorf von der Gesundheitsbehörde verhindert wird, macht mich fassungslos. Der Kardinalfehler in Deutschland und auch in Hamburg war ja, das viel zu wenig getestet wurde und wird. Nur so können die wirklich Betroffenen gezielt isoliert werden, und man muss nicht die gesamte Bevölkerung in Quarantäne schicken und die Volkswirtschaft ruinieren, wie das momentan geschieht. Warum klappt das in Korea und nicht hier? Bisher weiß niemand, wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind. Daher muss die Testkapazität drastisch ausgeweitet werden und jeder, der sich daran beteiligen möchte, ist hochwillkommen. Aber in Deutschland lässt man jeden Kommunalpolitiker sein eigenes Ding machen, anstatt bundesweit Vorgaben zu machen. Global entscheiden und lokal umsetzen!

Peter Westendorf

Hilfe für Spanien und Italien

28./29. März: Drei Chancen auf ein Gegenmittel. UKE-Expertin Marylyn Addo vorsichtig optimistisch

Es ist wichtig, im Konzert der Verängstigten auch so unaufgeregte Stimmen zu hören. Das ist auch für den Realitätssinn unverzichtbar. Lasst uns erst von einer Katastrophe sprechen, wenn sie real ist und nicht, wenn es immer noch viele Register gibt, sich vor ihr zu schützen. Gleichzeitig drängt sich die Frage auf, warum, wenn die Lage im UKE noch relativ entspannt ist, nicht ein Angebot an unsere europäischen Nachbarn ausgesandt wird: Schickt uns eure schweren Fälle, die, für die in euren überlasteten Krankenhäusern kein Platz ist, wir haben noch Platz und Kapazitäten. Gerade Italien und Spanien brauchen so dringend unsere Solidarität. Nicht zuletzt deswegen erregen die großzügigen Hilfslieferungen aus China und Russland in Italien viel Aufsehen. Natürlich muss auch hierbei der Verstand eingeschaltet bleiben, und die Vorsicht gebietet, nicht alle verfügbaren Plätze anzubieten. Natürlich erwarten wir steigende Zahlen und müssen, wenn es soweit ist, zuerst an unsere eigenen Kranken denken. Aber bis es soweit ist, können wir unseren Nachbarn lebenswichtige Hilfe leisten, viele Menschenleben retten und den europäischen Gedanken mit Leben füllen. Das wäre aus meiner Sicht viel wichtiger als die Schaffung von Euro- oder Corona-Bonds.

Dominik Haas

Helden anständig bezahlen

28./29. März: Einer, auf den es jetzt besonders ankommt. Als Krankenpfleger auf einer Intensivstation gehört Lars Sigl zu jenen Menschen, die an vorderster Front gegen das Coronavirus kämpfen

Ich will kein Held sein, ich will anständig bezahlt werden. Mit solchen Berichten oder dem Beifall der Gesellschaft kann ich meine Miete nicht bezahlen. Die Realität über die Arbeit findet man in den Berichten diverser Pflegekräfte im Netz.

Carol Collier, Krankenpfleger auf der

inneren Intensivstation im AK Barmbek

Wir können zufrieden sein...

28./29. März: Warum der Nationalstaat noch gebraucht wird. Die Coronakrise zeigt in aller Deutlichkeit: Wer auf Europa oder die Ministerpräsidenten zählt, hofft vergebens

Herr Iken irrt, wenn er die britische Krankenhausmisere mit der „Allmacht des Marktes“ und der „Privatisierung der Daseinsvorsorge“ in Verbindung bringt. Der britische Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) wurde 1945 unter der Labour-Regierung von Clement Attlee gegründet. Über „Hospital Trusts“ stehen ihm auch die Krankenhäuser zur Verfügung. Keine Tory-Regierung – auch nicht die von Margaret Thatcher – hat den NHS oder die Krankenhäuser privatisiert. Wie man sehen kann, ist auch der Staat in der Lage, ein Gesundheitssystem ausbluten zu lassen. Dies bedeutet natürlich nicht, dass ein rein privatwirtschaftliches Gesundheitssystem besser sein muss, zu sehen an den USA. Das ohne Zweifel sehr lückenhafte System dort kostet pro Kopf fast doppelt so viel wie unseres. Die nahe liegende Erklärung, dies sei auf die Profitgier der Gesundheitsdienstleister zurückzuführen, trifft aber höchstens teilweise zu. Hauptgrund sind die exorbitanten Versicherungsprämien, die die Dienstleister zahlen, eine Folge der amerikanischen Rechtsprechung mit den extrem hohen Schadenersatzzahlungen. Verglichen mit diesen Beispielen können wir mit unseren Verhältnissen sehr zufrieden sein, auch wenn Verbesserungen immer möglich sind.

Dr. Helmut Kuper

Firmen brauchen solide Basis

28./29. März: Umfrage: Jede fünfte Firma steht vor der Pleite. Eine Blitzumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zeichnet ein düsteres Bild

Trotz der Fülle an Artikeln und Kommentaren über die aktuelle Corona-Krise und ihre wirtschaftliche Auswirkungen und bei aller damit verbundenen beklagenswerten persönlichen Tragik bin ich sehr erstaunt darüber, dass das Gejammer über Liquiditätsprobleme und drohende Insolvenz vielerorts zu einem sehr frühen Zeitpunkt begonnen hat. Ist es heute nicht mehr üblich, sein Geschäft auf eine solide Basis zu stellen und Rücklagen zu bilden, um sich und sein Personal bei Katastrophen zumindest über zwei bis drei Monate über Wasser halten zu können? Wenn das Geschäftsmodell bei z.B. zu hohen Mieten und zu geringen Umsätzen und Erlösen dies nicht zulässt, müssen das Modell bzw. die Randbedingungen geändert oder gänzlich aufgegeben werden. Wer anstelle dessen Unterstützung beim Staat und damit der Gesellschaft als Solidargemeinschaft einfordert, hat die Soziale Marktwirtschaft nicht verstanden. Vielleicht gibt Corona jedem, der sich heute mit dem Gedanken der Selbstständigkeit befasst, zu denken.

Harald C. Boeck

Ist das die deutsche Einheit?

28./29. März: Rauswurf binnen drei Stunden. Auch am Schaalsee müssen Hamburger ihre Wochenendhäuser verlassen

Angeblich schweißt uns Bundesbürger die Corona-Krise ja fest zusammen. Folgt man Ihrem Artikel über die Behandlung von Zweitwohnungseigentümern am Schaalsee und unseren eigenen Erfahrungen in der letzten Woche an unserem Zweitwohnsitz im Müritzkreis, kann man eher zu dem Eindruck gelangen, dass Denunziantentum, Ausgrenzung von „Wessis“ und Neid auf angeblich stinkreiche (Zweit-)Immobilienbesitzer auf dem ehemaligen Staatsgebiet der DDR wieder Einzug gehalten haben. Wir selber haben seit 1998 ein Haus, das wir mit Hilfe örtlicher Handwerker aus dem Müritzkreis komplett renoviert haben, wir zahlen in einem Ort, der noch niemals Touristen gesehen hat, einige Hundert Euro Zweitwohnungssteuer jährlich und tragen mit unseren Lebenshaltungskosten zum Staatshaushalt von Mecklenburg bei. Der Innenminister Lorenz Caffier hatte dann am vergangenen Donnerstag erlassen, dass sämtliche Zweitwohnungsbesitzer mit sofortiger Wirkung abreisen mussten. In unserem Fall haben uns zwei junge, sehr freundliche Polizisten eine Frist von drei Stunden gegeben, unseren kompletten Haushalt zu räumen. Meine Frau und ich sind beide 71 Jahre alt, gesundheitlich schwer vorgeschädigt durch eine Herzoperation und durch eine Immunschwäche. Auf unserem großen Grundstück haben wir uns in frischer Luft aufhalten können, ohne überhaupt jemanden zu gefährden und ohne selbst gefährdet zu werden. Nun sind wir temporär zwangsausgebürgert worden – und in Hamburg sind wir umgeben von Fahrzeugen mit Autonummern aus Mecklenburg. Diese Fahrer werden nicht aufgefordert, das Hamburger Stadtgebiet zu verlassen. Sieht so jetzt wieder die deutsche Einheit aus?

Rolf Meyer, Hamburg

Eine willkommene Ablenkung

28./29. März: Lesermeinung zu den Kulturseiten im Abendblatt

Das ist ein Trost, eine willkommene Ablenkung, eine Bereicherung: Ihre ausführliche und interessante Kulturberichterstattung in diesen Tagen und Wochen. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bei Ihnen bedanken. Bleiben Sie gesund und munter!​

Peter Schütt