Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 18. März 2020

Maßnahmen gerechtfertigt?

17. März: Beschränkungen für viele Läden Restaurants, Spielplätze, Reisen. Erster Corona-Toter in Hamburg. Jetzt 260 Infizierte in der Hansestadt. Gaststätten müssen um 18 Uhr schließen

Sind die derzeitigen Maßnahmen noch verhältnismäßig und gerechtfertigt? Ist es zu verantworten, Wirtschaft und Gesellschaft dermaßen an die Wand zu fahren? Wie lange soll der Ausnahmezustand anhalten? Wochen? Monate? Im Jahr 2017/2018 starben in Deutschland 25.100 Menschen an einem Grippe-Virus. Davon wurde kaum Notiz genommen. Jetzt sind nach zwei Monaten der Infektion mit Corona-Grippe-Viren in Deutschland 18 Menschen gestorben. Dieses Mal überbieten sich unsere Politiker stündlich mit immer neuen Einschränkungen des Wirtschaftslebens. Der angerichtete Schaden durch den Ausnahmezustand wird schon bald wesentlich größer sein als der durch den Corona-Virus herbeigeführte Schaden.

Rainer Griep

Eine Chance für das Soziale

Was für eine wahnwitzige Chance, einmal über Kapitalismus und Soziales neu mit sich selbst zu verhandeln. Das bedingungslose Grundeinkommen wäre jetzt ein Segen für Alle.

Ina Mierig

Kurzzüge schaffen Nähe

Ich kann es nicht nachvollziehen, dass der HVV in der jetzigen Situation in der Hauptverkehrszeit Kurzzüge einsetzt, in denen die Fahrgäste dicht gedrängt sitzen bzw. stehen. So geschehen auf der S 1 Montag morgens. Das Gebot der Stunde lautet, möglichst zu Hause bleiben und wenn dies nicht möglich ist, dann großen Abstand zu den Mitbürgern zu halten. Das ist in den Kurzzügen nicht möglich.

Frank Steuer

Wertvolle Zeit verloren

Im Umgang mit der Corona-Krise hat der Hamburger Senat mit Bürgermeister Tschentscher bislang kein gutes Bild abgegeben. Während andere Bundesländer und ihre Repräsentanten, wie z. B. Bayern mit Markus Söder an der Spitze, Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit demonstriert haben, haben die Hamburger Verantwortlichen mit ihrem Zögern und Zaudern den Eindruck erweckt, stets einen Schritt hinterher zu sein und vor allem darauf zu schauen, was in anderen Bundesländern an Maßnahmen auf den Weg gebracht wurde. Dadurch wurde wertvolle Zeit bei dem Versuch verloren, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Skurril ist zudem die Anordnung, die Hamburger Schulen bis Ende März zu schließen, während andere Bundesländer Schulschließungen bis weit in den April hinein verfügt haben. Dieses Paradoxon mag verstehen, wer will. Wünschenswert wäre deshalb ein in dieser sowie in anderen Fragen einheitliches Vorgehen der Bundesländer – trotz Föderalismus. Und sofern dies nicht gelingt, bliebe der Bundesregierung die Option, den nationalen Katastrophenfall auszurufen, um bundesweit gültige Maßnahmen zu erlassen.

Dr. Felix Haedayet, Hamburg

Miete für einen Monat erlassen

Ein Aufruf an die Besitzer von Karten für lit.COLOGNE (internationales Literaturfestival in Köln, Anm. der Redaktion), das dem Corona-Virus zum Opfer fallen muss, hat durch den großzügigen Verzicht vieler auf Erstattung ihrer Eintrittsgelder den möglichen finanziellen Ruin des Veranstalters verhindert. Bestverdienende amerikanische Sportler haben beim Abbruch der NBA-Saison spontan Millionen Dollar aus der eigenen Tasche gespendet, um tausende Angestellte der Liga im Betrieb der Spielstätten zu halten. In Notsituationen erwachen in uns immer wieder Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit, zeigen wir Verantwortung, Fürsorge und Solidarität. In der jetzigen Krise werden viele Mittelständler, Kleinunternehmer und Selbstständige in ihrer Existenz bedroht, da ihnen die Einnahmen wegbrechen, laufende Kosten aber bleiben – vor allem Miete oder Pacht, als drückendste Last. Ein starkes Zeichen für Charakter und Mitgefühl der Starken wäre es, wenn den Schwachen – sei es auch nur für einen Monat – Miete oder Pacht erlassen würden. Das wäre gelebte Solidarität. In Hamburg, der Stadt der Stifter, müsste das doch gehen.

Gerrit Pohl

Frische Luft für die Gesundheit

17. März: Ausgangssperre in Frankreich – EU schließt alle Außengrenzen

Ausgangssperren als Methode der Eindämmung von Corona – wie in manchen Ländern verhängt – halte ich für sehr problematisch und ich hoffe, hierzulande hegt niemand solche Pläne. Im Freien kann man darauf achten, die nötigen Abstände voneinander einzuhalten. Bewegung und frische Luft sind allgemein anerkannte Faktoren zur Stärkung von Immunsystem und Gesundheit, unabhängig von Corona. Diese Faktoren gerade jetzt zu blockieren, ist sicher keine förderliche Idee.

Thomas Brandes

Von Abstand keine Spur

16. März: Bleibt alle zu Hause! Je eher wir Empfehlungen und Verbote beachten, desto schneller werden sie entbehrlich

Frau Bleyer irrt, wenn sie meint, dass das Coronavirus im Alltag von uns allen angekommen ist. Mein täglicher Spazierweg führt mich an einem großen Kinderspielplatz in Hamburg-Niendorf vorbei. Sowohl am Sonntag, als auch am heutigen Montag drängelten sich die Mütter der spielenden Kinder dicht an dicht auf den Bänken. Von Abstand keine Spur, nicht bei den Eltern und auch nicht bei den Kindern. An einem Montagnachmittag war der Spielplatz noch nie so voll. Was nützen alle Appelle, wenn man sich nicht daran hält. Ein Blick nach Österreich zeigt, wie es geht: einschneidende Verbote, die streng kontrolliert werden.

Thomas Müller

Kulturstätten erhalten

16. März: Keine Karten zurückgeben!

Maike Schiller hat recht. Dass plötzlich Hamburgs Kulturleben stillsteht, ist schlimm. Aber am schlimmsten ist es für die, die über Wochen und Monate gedacht, geplant und Ideen und Geld investiert haben. Für jeden Einzelnen, der jetzt nicht zu seinem Konzert oder Theater kann, ist es zwar eine Enttäuschung, aber sein finanzieller Einsatz ist sicher zu verschmerzen. Deshalb ist die Bitte sehr gut, diesen als solidarischen Beitrag zu verstehen und auf Kostenerstattung zu verzichten. Die Kulturstätten sollen erhalten bleiben und nicht finanziell kollabieren. Wir alle möchten, dass die Vielfalt der Kultur in Hamburg überlebt. Das wäre dann Solidarität.

Janne Fuhrmann

Weniger Gehalt für Profis

16. März: HSV und St. Pauli: Clubs bangen um Existenz

Zahlt den Profis für ihre exorbitanten Leistungen das Gehalt einer Krankenpflegerin/Krankenpflegers, die sich in Zeiten der Corona-Pandemie – ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit – für die Patienten aufopfern. Dann sind die Bundesligen für die nächsten 50 Jahre gesichert und die restlichen Millionen können den Pflegeberufen zugutekommen!

Dr. Hans Drees

Gedränge auf dem Markt

16. März: Wie Hamburg schrittweise lahmgelegt wird

Im Artikel erfahren wir, was ab sofort verboten ist und was als Ausnahmen noch erlaubt wird. Zu diesen Ausnahmen zählen für die notwendige Versorgung neben den Supermärkten auch Wochenmärkte. Am Sonnabend konnte man auf dem „Volksdorfer Wochenmarkt“ folgendes erleben: Dicht gedrängte Schlangen vor den Ständen, gewollte Abstände zum Vordermann wurden von Hinzugekommenen belegt, Urlaubsrückkehrer plauderten an Kaffeeständen, am Imbiss stand man fast Schulter an Schulter. Die Frage sei erlaubt: „Ist es konsequent, dass einerseits z.B. Bibliotheken schließen, es auf den Märkten in gewohnter Weise aber weitergeht?“ Wenn es mit der Selbstverantwortung noch hapert, vielleicht sind ja entsprechende Hinweisschilder über Verhaltensregeln an den Zugängen angebracht.

Wolfgang Leo