Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. Februar 2020

Unreif und unreflektiert

29. Januar: Linker vergleicht Klimawandel mit Holocaust

Die hanebüchene Gleichsetzung des Holocaust mit der Bedrohung der Menschen durch den von ihnen selbst verursachten Klimawandel zeigt, wie leichtfertig in den sozialen Medien unreife „User“ Meinungen verbreiten – und vermutlich ebenso unreif und unreflektiert Zustimmung erfahren. Dass das achtzehnjährige Mitglied der „Linken“ es auf einen Listenplatz der Partei für die Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft geschafft hat, zeigt allerdings auch, wie unbedacht die Partei bei der Kandidatenaufstellung vorgegangen ist. Der Grad der politischen Reife hätte eigentlich doch auffallen müssen. Es stellt sich aber auch die allgemeinere Frage, ob die Absenkung des Aktivwahlrechts auf 16 Jahre und vor allem die des passiven Wahlrechts auf 18 Jahre wirklich eine richtige Entscheidung war.

Ulrich Reppenhagen

Rücksichtslose Machtspiele

27. Januar: Infantilisierung der Politik. Warum Verstand wichtiger ist als ein heißes Herz

Herr Schwennicke moniert zu Recht den Verlust an Ernsthaftigkeit in der Politik. Aber das Altväterliche von wegen „heißes Herz“ und „kühler Verstand“ sollte er sich verkneifen. Zum einen, weil man schon seit Längerem nicht wirklich behaupten kann, dass die entscheidenden Stühle von kühlem Verstand besetzt sind, zum anderen, weil man bei der Jugend eigentlich weniger „heiße Herzen“ als vielmehr reale Verzweiflung sehen muss, vor einer desolaten Zukunft und einer „Elite“, die ungerührt weiter ihre Machtspiele abzieht, ohne Rücksicht auf die Zeit, die Ressourcen und die Menschenleben, die dafür vertan werden. Zudem ist das Problem nicht mit den zwei Polen beschrieben, es fehlen zumindest die Holz- und Betonköpfe, die sich weder von Verstand noch von heißen Herzen bekehren lassen. Und dann noch die, die seit Jahrzehnten mahnen, dass es eben kein unbegrenztes Wachstum geben kann. Verstand würde erwarten, dass diese echten Probleme der Welt erkannt und ernsthaft und energisch angegangen werden, dass man endlich anerkennt, was die Wissenschaft anmahnt und dafür all die selbstfabrizierten Hindernisse in Paragrafen und Knebelverträgen beseitigt, die nur darauf abzielen, bestehende Geschäftspraktiken und Machtstrukturen zu zementieren. Und politische Klugheit würde sich den Schwung der heißen Herzen zunutze machen, um auch unbequeme Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Ich bin selbst Großvater und frage mich, in was für eine Welt meine Enkel hineinwachsen, die sie gerade zu erkunden beginnen.

Claus Linhart, Hamburg

Entspricht nicht dem Zeitgeist

31. Januar: Kinder lernen am besten mit Stift und Papier

Mit gerade einmal zwölf Zeilen in einer Spalte wird das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie der Universität Ulm in einer Ecke des Abendblatts versteckt. Das Ergebnis, so wie es in der Überschrift: „Kinder lernen am besten mit Stift und Papier“ zusammengefasst wurde, entspricht halt nicht dem Zeitgeist. Es ist schick, überall das Thema „Unterricht mit digitalen Medien“ als den Heilsbringer in den Vordergrund zu stellen. Das Wohl der Kinder kann da ruhig einmal auf der Strecke bleiben. OECD, Politik und Medien sollten sich wirklich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen! Oder sind wir alle inzwischen den großen IT-Konzernen so hörig, dass es keine Alternative mehr geben darf?

Heinz-Dieter Detzner, Hamburg

Leid und Unfrieden als Folge

29. Januar: Trumps heikle Zwei-Staaten-Lösung

Der „Friedens“-Plan, den Donald Trump mit seinem Schwiegersohn Jared Kushner entworfen und mit Benjamin Netanjahu vorgestellt hat, ist unsäglich ungerecht und macht mir das Herz schwer. Ich befürchte, dass dieser (wohl im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen in Israel und USA geschmiedete) Plan Leid und Unfrieden im Nahen Osten zur Folge haben wird. Ich befürchte auch, dass „der Bodensatz an Antisemitismus“ (Avi Primor) hier erblühen könnte, wenn man nicht zwischen Menschen jüdischen Glaubens hier und dem Staat der Juden, Israel, differenziert.

Dr. Burkhard Meyer-Hamme

Amüsant. Auch bei Regen!

Das Wetter auf Seite 1

Diese stets geniale, einfallsreiche Wetteransage amüsiert mich jeden Morgen, auch bei Regen! Danke dafür!

Renate Lescher