Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 27. Januar 2020

Empathischer Bericht

25./26. Januar: Zum ersten Mal in Auschwitz. Vier Abendblatt-Redakteure besuchten den Tatort des größten Verbrechens der Menschheit. Was macht der Ort mit einem? Und was kann man lernen?

Vielen Dank für Ihren empathischen Bericht über den Auschwitz-Besuch. Ich selber bin, mit meinen nahezu erwachsenen Kindern, vor ein paar Jahren auch dort gewesen. Mir ging es in großen Teilen so ähnlich wie Ihnen. Allen Leugnern, Relativierern und neuen Xenophobikern kann man nur empfehlen, sich das einmal anzusehen oder zumindest Berichte darüber zu lesen. Aber diese Menschen erreicht man vermutlich nicht. Ich bin gespannt auf die weiteren Folgen der Serie.

Andreas Gehrmann, Hamburg

Ein lebendiger Ort

Auch ich habe mir Auschwitz angesehen, auch ich war betroffen, zumal dieser Druck der Vergangenheit noch immer auf der gesamten Anlage zu liegen scheint. Dennoch muss ich bemängeln, wie reißerisch und düster Ihr Redakteur seine Reise und den Besuch beschreibt. Die jetzt polnische Kleinstadt Oświęcim ist kein düsteres Kaff, sondern ein lebendiger, netter Ort, der einem sofort mitteilt, dass beides geht: Vergangenheit und moderne Zukunft. Worüber ich bei meinem Besuch entsetzt war, waren die Scharen an Reisebussen mit asiatischen und anderen Nicht-Europäischen Touristen, mit der Abfertigung beim Eingang wie zu einem Themenpark und den geführten Touren in Massenform. Es zeigt einem aber auch, dass die Vergangenheit zwar beachtet und geehrt wird, aber dass die Zeit auch weitergeht. In Oświęcim wird das KZ als „Museum“ geführt, ein paar der ehemaligen Kommandeurhäuser sind jetzt bewohnt und es gibt sogar – man mag es kaum glauben – einen Souvenirladen! Das nächste Mal bitte etwas neutraler – auch wenn wir Deutsche sind.

Ute Oettel, Norderstedt

Diskriminierender Begriff

25./26. Januar:Schwerbehindert nach einer Routine-OP. Die Hasenscharte des kleinen Tom sollte im UKE korrigiert werden – heute hat er schwerste Hirnschädigungen

Gestatten Sie mir eine Anmerkung zur Verwendung des Begriffes „Hasenscharte“: Zwar werden Lippenspalten im Volksmund gelegentlich immer noch so bezeichnet, dennoch empfinden Betroffene diesen Begriff als diskriminierend. Ich hätte mir hier im Text und in der Überschrift die neutrale Formulierung „Lippenspalte“ gewünscht. Ansonsten danke ich Ihnen für den Artikel, wobei das Leid der betroffenen Familie keinesfalls mit der im Raum stehenden Summe aufgewogen werden kann, auch wenn nachvollziehbar Interesse an der Beilegung des jahrelangen Rechtsstreits besteht.

Lutz Witte,

Facharzt für Allgemeinmedizin

Das Konzept stimmt nicht

25./26. Januar: VW-Chef setzt Tochter Moia unter Erfolgsdruck. Schon 1,4 Millionen Fahrgäste in Hamburg, aber nun soll der Aufwand sinken. Die Flotte wird trotzdem auf 500 Kleinbusse ausgebaut

Die Erfolgsmeldungen von Moia kann ich nicht nachvollziehen. Seit Monaten fahren diese Wagen an mir vorbei und nur ein einziges Mal habe ich einen Fahrgast darin gesehen. Ich kann verstehen, dass VW das Management von Moia jetzt unter Druck setzt. Mit dem Konzept stimmt etwas nicht. Ich habe ein Auto, wie alle meine Nachbarn auch. Das hat viel Geld gekostet und muss sich amortisieren. Also benutze ich es. Und wenn ich in die City will, nehme ich die S-Bahn. Warum sollte ich stattdessen Moia buchen?

Rainer Hüls, Hamburg

Fürchterliche Situation

22. Januar: Die neue Homophobie. Probleme schönzureden ist gefährlich – es gibt eine importierte Schwulenfeindlichkeit

Dass heute homosexuelle Paare in manchen Stadtteilen schon wieder nicht mehr unbefangen öffentlich Hand in Hand auf der Straße gehen können, ist einfach nur fürchterlich. Und dass man sich heute dazu kaum öffentlich äußern kann, ohne gleich in die rechte Ecke gestellt zu werden, ist noch fürchterlicher. Belästigungen von Frauen in der Öffentlichkeit haben in den letzten Jahren signifikant zugenommen. Das ist kein Wunder, bei dem Frauenbild vieler Migranten. Aber Gnade Gott, man äußert sich diesbezüglich … dann haben wir Deutschen es nicht geschafft, eine für alle befriedigende Lösung zu finden und wir haben nicht genügend Anstrengungen unternommen, dass es mit der Integration klappt.

Angelika Westphalen, Reinbek

Die große Show

23. Januar: Wie die Haspa Kunst in ihre Filialen bringt. Sparkasse kooperiert mit Hamburger Museum: Pädagogen erklären Kindern in den Zweigstellen zum Beispiel die Ideen des Impressionismus

Das mag die Haspa-Spitze: die große Show. Mit Kindern lässt es sich sowieso gut an, auf die kostenintensiven neuen „Nachbarschaftsfilialen“ hinzuweisen. 30 Millionen Investitionskosten und der Glaube, damit könne man die Jüngsten mit ihren „Mäusekonten“ die kommende „Zins-Verknappung“ schmackhaft machen. Wer dann noch in einer dieser neuen „Nachbarschaftsfilialen“ dies Thema zur Sprache bringt, wird einfach stehen gelassen. Ist das alles noch „Kunst“? Nein, künstlich!

Heinz-H. Hendrich, Hamburg