Leserbriefe

Briefe an die Redaktion 19. Oktober 2019

Steilvorlage für die AfD

17. Oktober: Tumulte an der Uni: AfD- Gründer Lucke kann Vorlesung nicht halten; Lucke im Hörsaal niedergebrüllt

Ein dunkler Tag für die Universität Hamburg. Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus. Diese Aussage stammt von Ignazio Silone, ein bekennender Sozialist bis zu seinem Tode 1978, und sie könnte sich in dieser aktuell schwierigen Zeit leider bewahrheiten. Was Herr Lucke erleben durfte, war an Arroganz, Ignoranz und Intoleranz nicht zu überbieten. Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei, heißt es im Grundgesetz. Diese Studenten und Krawallmacher haben leider nichts verstanden. Das war keine diskursive Auseinandersetzung, und so etwas muss man auch nicht „aushalten“, wie Frau Fegebank und Herr Lenzen betonen. Das war eine Steilvorlage für die AfD und „Andersdenkende“. Herzlichen Glückwunsch.

Thomas Heckh, Rissen

Mehr Weitsicht

Vor meiner Haustür Demonstrationen gegen einen Lehrbeauftragten, der längst nicht mehr tragbar ist für eine renommierte Universität, und eine „Hundertschaft“ der Polizei, die agieren muss, um den Personenschutz während der Demonstration zu gewährleisten. Ich bin trotz liberaler Einstellung entsetzt darüber, dass die Universität Hamburg und die Politik Herrn Lucke, dem Mitbegründer und Wegbereiter der AfD, als Hochschullehrer überhaupt noch die Möglichkeit der Rückkehr geben, als Professor für Volkswirtschaft hier lehren zu dürfen – Vertrag hin, Vertrag her! Ich stimme hier mit den Studierenden überein, indem sie sich gegen diese Person mit zweifelhafter politischer Gesinnung und entsprechender politischer Laufbahn wehren. Die Studierenden sind in erster Linie die Leidtragenden und wir alle als Steuerzahler eben auch, die nicht nur die Gehälter der Lehrbeauftragten, sondern auch noch den Polizeieinsatz zum Schutz dieser Person zu tragen haben! Ich erwarte von allen Verantwortlichen viel mehr Weitsicht und rechtzeitig Konsequenzen bezüglich eines Arbeitsvertrages mit einer Person, die öffentlich bedenklich für das Recht und Wohl von Staat und Mitbürgern einsteht!

Maren Lund

Mehr Fähren einsetzen

18. Oktober: Einsteigen verboten – Hamburgs Hafenfähren immer öfter überfüllt. In diesem Jahr mussten Fahrgäste schon in 1962 Fällen an Land zurückbleiben. „Wir operieren an der Kapazitätsgrenze.“ „Wer nicht drängelt, bleibt stehen.“ Bei fast 2000 Abfahrten kamen Passagiere auf Hafenfähren in diesem Jahr nicht mit – neuer Rekord

Auch diese Unannehmlichkeiten haben die Hamburger dem Hamburg-Tourismus zu verdanken! Völlig ignorierend, dass es sich hier um öffentliche (mit Steuergeldern geförderte!) Verkehrsmittel handelt, die die Bürger für ihre Arbeitswege benötigen, werden den Touristen die damit möglichen preiswerten Hafenrundfahrten – speziell Linie 62 – angepriesen. Es ist überfällig, dass die Hadag mehr Fähren einsetzt und es eine Zeitkarten-Kontrolle und damit eine Bevorzugung der arbeitenden Bürger dieser Stadt gibt.

Gabriele Ebert, Hamburg

Mehrheit für Tempolimit?

18. Oktober: Grüne bei Tempolimit ausgebremst. GroKo-Parteien stimmen gegen Höchstgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen

Wenn gesagt wird, das eine Mehrheit der Deutschen für ein Tempolimit ist, kann das nur daran liegen, dass auch Leute befragt wurden, die die Autobahn gar nicht oder nur unregelmäßig nutzen. Wenn Vertreter, die es im Jahr locker auf 50.000 bis 60.000 Kilometer bringen, oder Pendler befragt würden, wäre das Resultat sicher ein anderes. Wie so oft urteilen hier mal wieder Leute über einen Sachverhalt, der sie gar nicht betrifft. Wie ein Nichtflieger, der sich für ein Flugverbot ausspricht.

Armin Dreier

Volksvertreter sträuben sich

Hat Herr Storjohann denn tatsächlich das Gefühl, dass auf Autobahnen in allen anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien, Dänemark usw. eine Totalüberwachung stattfindet? Warum sträuben sich unsere Volksvertreter so vehement und beharrlich gegen den offensichtlichen Willen einer deutschen Bevölkerungsmehrheit? Welchem Herrn dienen sie? Sind nicht allein die Untersuchungsergebnisse des Landes Brandenburg, dass sich in kürzester Zeit die Unfallzahlen (und damit die Zahl der Toten, der Verletzten und der Sachschäden) halbiert haben, Grund genug für diese fast kostenlose Maßnahme? Der Bürger schaut und ist wieder einmal zumindest irritiert über die Ignoranz seiner politischen Vertreter.

Peter von Elm, Lüdersburg