Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. Oktober 2019

Von der Autoindustrie regiert?

30. September: ,Greta Thunberg hat viel bewegt, aber …‘. Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi warnt davor, beim Klimaschutz die sozialen Folgen auszublenden

Eine billige und schnell umsetzbare Empfehlung, um mehr gegen den Klimawandel zu tun, ist die maximale Geschwindigkeit auf deutschen Autobahnen auf 120 km/h zu reduzieren, wie es in den umliegenden europäischen Ländern schon ewig praktiziert wird. Auch die ehemalige Regierung unter Herrn Schröder hat da nie so richtig dran gedacht. Und auch jetzt kommt diesbezüglich überhaupt keine Aktion aus Berlin. Dabei würden sicherlich noch andere Vorteile für den Autofahrer rausspringen. Ich kann mir denken, dass nicht nur Co2 gesenkt wird, sondern sich auch Unfallgefahren reduzieren. Aber darüber lese und höre ich während der ganzen Debatte überhaupt nichts. Und das finde ich merkwürdig. Werden wir doch von der (Auto)-Industrie regiert?

Carla Laumann-Ebbers, Winsen (Luhe)

Bescheiden, aber klarsichtig

30. September: ECE baut künftig Wohnungen auf Parkplätzen. Interview mit Chef Alexander Otto. Hamburger Immobilienunternehmen plant keine neuen Shopping-Center mehr in Deutschland

Ein bescheidener und dabei sehr klarsichtiger Chef eines Hamburger Immobilienunternehmens. Seine Ankündigung, keine Shopping-Center mehr zu bauen, passt zu seiner damaligen Absage an das Mammutprojekt in der HafenCity. Den Verantwortlichen um Olaf Scholz hätte spätestens da ein Licht aufgehen müssen, dass sie sich verkalkuliert haben. Seine vorsichtige Formulierung, für den neuen Investor dürfe es sportlich werden, dauerhaft Kunden für die HafenCity zu begeistern, spricht für sich. Man hätte ihn als Berater mit ins Boot nehmen sollen. Welche Schlupflöcher haben eigentlich die Verträge mit dem Investor Unibail-Rodamco-Westfield bei Schieflage des Projekts und zu wessen Lasten?

Bruno Brandi

Populist: schwieriger Begriff

28./29. September: Ein Land rutscht nach links. Das ist vor allem für die Rechtspopulisten eine gute Nachricht – und sollte allen Demokraten Warnung sein

Ich denke, viele Menschen sind im Kern bei Ihrer Aussage des ersten Teils Ihres Artikels. Allerdings, warum schreiben Sie vielsagend über Populisten? Dieser Begriff wird heute oft fälschlich und vereinfachend verwendet, um all diejenigen in eine „Schmuddelecke“ zu stellen, die nicht konform gehen mit dem gewünschten Systemdenken. Sie konterkarieren Ihre anfängliche Aussage, indem Sie die Erfinder populistischen Gedankenguts und deren Ausübende, wie Linke, Grüne und auch Teile der SPD, plötzlich ausnehmen.

Ralf Kaisen

Treffende Charakterisierung

Bravo, Herr Iken, Ihre Ausführungen waren treffend und das Beste, was ich bislang zur Charakterisierung der aktuellen politischen Situation gelesen habe.

Prof. Wolfgang Schulze

Kurz und knapp

Schön wär’s!

Dagmar Josefowicz

Mobilität mit Augenmaß

28./29. September: Grüner Plan: Mit Einbahnstraßen Autofahrer vergraulen

Der Politikansatz der Grünen in Eimsbüttel ist menschenverachtend all denjenigen gegenüber, die auf das Auto angewiesen sind. Ich spreche unter anderem von den Alten und Gebrechlichen, den Lieferdiensten und Handwerkern und den Arbeitnehmern, die nachts arbeiten müssen, wenn das ÖPNV-Angebot ausgedünnt oder eingestellt ist. Aber das ist den Politikern egal. Ist erst einmal das Feindbild „Auto“ aufgemacht, gibt es kein Halten mehr. Dass wir eine Neuorientierung bei der Mobilität einschlagen müssen, steht außer Zweifel, aber bitte mit dem nötigen Augenmaß.

Günter Dorigoni,

ehem. Abteilungsleiter Verkehr und Touristik Handelskammer Hamburg

So kann es nicht weitergehen!

28./29. September: Beliebteste Flugziele der Hamburger. Airport in Fuhlsbüttel erstellt Rangliste der vergangenen zehn Jahre

Es ist nicht zu fassen: Mehr als 47,4 Millionen Passagiere sind in den letzten zehn Jahren von Hamburg aus zu Zielen in Deutschland geflogen, die man mit vertretbaren Zeitverlusten auch mit der umweltfreundlichen Bahn hätte erreichen können. Für die Anlieger des Hamburger Flughafens (und nicht nur für die) bedeutet diese Art der Fortbewegung vor allem Lärm, insbesondere in den Abend- und Nachtstunden, eine erhebliche Abgasbelastung aufgrund der großflächigen Verteilung von Ultrafeinstäuben und für uns alle jede Menge klimaschädliches C02. So kann und darf es nicht weitergehen. Neben der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Flugbenzin müsste Hamburg durch seine Mehrheitsbeteiligung an der Flughafen Hamburg GmbH auch lokal gegensteuern, etwa durch die Erhöhung der Start- und Landegebühren des Flughafens Hamburg für innerdeutsche Flüge.

Arno Siebert, Hamburg-Barmbek-Süd

Kurzparkzone in Wien

28./29. September: Wien als Vorbild: Das Ein-Euro-Ticket und Zürich als Vorbild: Langfristig stabile Planungen

Weder in Österreich noch in der Schweiz existiert eine nennenswerte Autoindustrie, die mit ihrer Lobby in Deutschland jede politische Entscheidung torpediert, die dem Autoabsatz schaden könnte. Zur Wahrheit gehört auch, dass z. B. in Wien fast das gesamte Stadtgebiet flächendeckend Kurzparkzone ist. Dafür braucht man nicht einmal Parkuhren. Jeder Autofahrer muss Parkscheine im Voraus kaufen, um sie beim Parken minuziös genau auszufüllen. Zwei Stunden kosten derzeit 4,20 Euro, ein Überziehen der Parkzeit oder ein fehlender Parkschein ist mit 36 Euro ein einträglicher Bewirtschaftungsertrag. Das führt unter anderem dazu, dass sich Laternenparker einen Garagenplatz mieten müssen, und wenn das Geld dafür nicht reicht, ihr Auto abschaffen. Anwohner-Parkplätze im öffentlichen Bereich gibt es nicht. Ich stelle mir gerade die Reaktion unserer Mitbürger bei vergleichbaren Konditionen vor.

Friedrich Buchsbaum, Hamburg

Stimmung gegen Senioren

27. September: Wieder schwerer Unfall einer Seniorin

Es ist verachtenswerter Populismus, die Handlung einer älteren Mitbürgerin, die an einer schrecklichen Krankheit leidet, als Vehikel zu benutzen, um Stimmung gegen autofahrende Senioren zu machen. Tatsächlich hatte die Dame weder Führerschein noch Auto, sondern hat Fahrzeugschlüssel sowie Auto ihrem Mann entwendet und sich – offensichtlich aufgrund ihrer Demenzerkrankung – verfahren, wobei sie in einen viel zu engen, nur Fußgängern vorbehaltenen Weg gefahren ist (nicht auf dem Gehweg). Ein Blick in die offizielle Verkehrsunfallstatistik zeigt übrigens deutlich, dass im Straßenverkehr die größte Gefahr für Leib und Leben gerade nicht von den älteren Autofahrern ausgeht.

Dr. Gerd Scholtyssek

Verharmlosender Bericht

26. September: Daumen ab? Warum ein Zeh die Lösung sein kann

Als mittelbar Betroffener hat mich Ihr Bericht über Arthrose in den Fingern sprachlos gemacht. Die Operation der Sattelgelenksarthrose wird als harmloser Eingriff dargestellt. Kein Wort darüber, dass es sich um eine große OP mit entsprechenden Risiken handelt, die auch eine völlige Zerstörung der Daumenfunktion zur Folge haben kann. Alle Patienten, die nach so einer Operation unter chronischen Schmerzen leiden, ihre Hand nicht mal unter Schmerzen benutzen können, denen Dinge plötzlich aus der Hand entgleiten, der Daumen gelähmt ist, wünschten, dass sie sich nicht dieser OP unterzogen hätten. Für diese Menschen ist der Artikel der blanke Hohn.

Jörg Küther, Großhansdorf