Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. August 2019

Raus aus der Komfortzone!

28./29. September: Venedig, der Irrsinn und wir. Klimawandel, Kolonialismus, Konsum: Die Biennale thematisiert drinnen, was draußen passiert

Total recht hat Herr Schumacher mit der Feststellung, dass es viele intellektuelle Köpfe gibt, die kritische Kunst zum Klimawandel toll finden, aber gleichzeitig selbst mit klimaschädlichem Verhalten weiter ihren Beitrag zum Klimawandel leisten. Diese Doppelmoral geht mir ziemlich auf den Geist. Sich aufregen, aber selber nicht aus der Komfortzone herauskommen. So wird sich nichts ändern mit dem Klima!

Regina Grabbet

Retourenirrsinn beenden

27. September: Retouren lieber spenden als zerstören. Versandhändler wie Amazon & Co. sollen Rücksendungen künftig einfacher verschenken können

Welch ein Widerspruch! Da gibt es endlose Diskussionen und starke Emotionen – und das zu recht – zur Vermeidung von Klimawandel und CO2-Ausstoß. Gleichzeitig werden von den gleichen Leuten im Versandhandel knapp 500 Millionen Artikel pro Jahr wieder zurückgeschickt. Und davon landen auch noch 20 Millionen Artikel im Müll. Müll? Das ist 20 Millionen Mal Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung mit immensem CO2-Inhalt. Dazu kommen die Emissionen und der Energieverbrauch verursacht von den 490 Millionen Rücksendungen. Da passt doch was nicht zusammen und eine Beendigung dieses Irrsinns wären ein echter Beitrag zum Klimaschutz.

Peter Thöl, Uetersen

Bewegung im Abseits

27. September: Schlagabtausch über den richtigen Klimaschutz. Vor dem Rathaus lieferten sich Bürgermeister Tschentscher und ,Fridays for Future‘-Aktivistin Neubauer eine harte, aber konstruktive Debatte

Die „Fridays for Future“-Bewegung stellt die richtigen Fragen, jedoch zeigt sie nur wenig Bereitschaft, sich in die Niederungen praktikabler Antworten und auf die Suche nach gesellschaftsverträglichen Lösungen zu begeben. Auch außerhalb der intellektuellen Enge manches großstädtischen Milieus muss man den Klimakompromiss der Koalitionsregierung nicht als großen Wurf anerkennen. Aber wer solche abseitigen Ultimaten wie in der Diskussion mit unserem Bürgermeister stellt, drückt sich nicht nur um Antworten, sondern lässt vor allem guten Willen vermissen, die Betroffenen mitzunehmen oder auch nur auf deren berechtigte Sorgen eingehen zu wollen. Damit stellt sich Frau Neubauer zum Nachteil ihrer Bewegung selbst ins Abseits. Mag sein, dass das Klima keine Kompromisse macht. Aber unsere Gesellschaft wird nicht auf einen breiten Konsens verzichten können, wenn wir etwas erreichen wollen.

Folkert Bouncken, Hamburg

Hysterie gegen Atomkraft

Allmählich beginnt die ständige Forderung der „Fridays for Future“-Bewegung, so berechtigt deren Anliegen auch ist angesichts der deutlich wahrnehmbaren Klimaveränderung, zu nerven. Denn immer nur kommt die Forderung, „die da oben“ müssten etwas tun und zwar immer schneller, am Besten gleich. Lösungsvorschläge gibt es dagegen nicht, weder von den FFF-Aktivisten noch von ihren Unterstützern, etwa den Grünen. Eine verantwortungsvolle Klimaschutzpolitik hätte Deutschlands Kernreaktoren am Netz gelassen, bis ausreichend neue Energiequellen zur Verfügung stehen, um den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen zu ermöglichen. Doch die von Grüner Seite entfachte Hysterie in Deutschland gegen die Atomkraft hat die Physikerin Angela Merkel wider besseres Wissen, nur um ihren Wahlsieg zu gewährleisten, zu einer 180-Grad-Kehrtwende veranlasst. Woher also soll der Strom aus der Steckdose kommen, wenn Kohle abgeschaltet wird, der Wind nicht weht und Herrn Kerstans noch nicht einmal installierte Sonnendächer nicht wirken? Da hätte ich gern von Frau Neubauer eine Antwort.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

Danke für die Hilfsbereitschaft

seit 1. August: Serie:Seid nett zueinander

Die Aktion „Seid nett zueinander“ lese ich überaus gern und habe die Mitmenschlichkeit, von der berichtet wird, selbst erfahren dürfen. Im Sommer saß ich oft an einem Spielplatz, in der Nähe von dem Pflegeheim, in dem ich wohne. Es bereitet mir immer eine große Freude, so viel Leben um mich herum zu haben. An einem Tag kam ein ungefähr dreieinhalbjähriges Mädchen zu mir und hat einen Blumenstrauß aus Gänseblümchen für mich gepflückt. Kurz darauf kam sie nochmal und hat mir einen zweiten Strauß überreicht. Ich war unglaublich berührt von dieser Geste. An einem anderen Tag, als ich schon wieder auf dem Heimweg war, habe ich bemerkt, dass ich meine Armbanduhr verloren habe. Ich bin schnell wieder zurückgegangen, habe eine Frau mit ihren drei Kindern angesprochen und gefragt, ob sie meine Uhr zufälligerweise gesehen hätte. Ihre fünfjährige Tochter ist daraufhin zu einem Radweg, an dem ich vorbeigekommen bin, gelaufen, hat meine Uhr entdeckt und zu mir gebracht. Ich war zu Tränen gerührt und möchte mich noch richtig bei dem Mädchen und ihrer Mutter bedanken. Es ist wunderschön, wenn einem solch eine Hilfsbereitschaft entgegengebracht wird. Aus diesem Grund musste ich sofort an „Seid nett zueinander“ denken und hoffe, dass das Abendblatt auch nach Ende der Aktion von solchen Geschehnissen berichten wird.

Ingeliese Gaude