Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. Januar 2019

CDU sollte sich mehr zurückhalten

3.1.: Bauherren warten in Hamburg länger auf Baugenehmigungen

Die CDU hat in ihrer zehnjährigen Regierungszeit in Hamburg die „wachsende Stadt“ zum strategischen Ziel erklärt, aber keine Wohnungen gebaut, mit Ausnahme des Baus der U4 nichts für die Verbesserung des ÖPNV getan, die Straßen mit vielen Schlaglöchern verrotten lassen und auch nichts für den Ausbau der Radwege gemacht. Jetzt beklagt sie die vielen Baustellen und die Bearbeitungszeit der Bauanträge. In Hamburg wurden seit 2011 so viele Wohnungen gebaut wie nirgendwo in Deutschland sonst. Für mich als Laien ist klar, dass die Baugenehmigungsbehörden dadurch viel stärker beansprucht sind als dort, wo wenig gebaut wird. Gleichzeitig fordert die CDU, dass die Staatsausgaben reduziert und Schulden abgebaut werden. Das passt alles nicht zusammen. Etwas mehr Zurückhaltung wäre angebracht, wenn es um die Behebung der Versäumnisse der CDU-Regierung geht.

Winfried Wolf

Historisch keine Bedeutung

3.1.: Lion Feuchtwanger, der Sexbesessene. Die Tagebücher des Autors aus den Jahren 1906 bis 1940 sind Dokumente eines ,möglichst intensiven Lebens‘

Warum wird in diesem Artikel über die Veröffentlichung von Feuchtwangers Tagebuchaufzeichnungen mit keiner Silbe zumindest problematisiert, dass er doch im Umgang mit seinen privaten Notizen deutlich gemacht hatte, dass sie nicht zur Veröffentlichung freigegeben werden sollten? Natürlich hat es auch mich, der durch seine Bücher viel über Geschichte, Psychologie und Literatur gelernt hat, befremdet, was ich da jetzt lesen musste. Dass nun aber, abgesehen von Erwähnungen wie z. B. der Stalin-Begegnung, auch seine höchst privaten bzw. intimsten Tagebuchnotizen veröffentlicht werden, ist meines Erachtens mit nichts zu rechtfertigen. Man mag ja konstatieren, dass Feuchtwanger nicht gerade ein Tugendbold war – was allerdings im Prinzip ohnehin längst bekannt war. Ja doch, die Wahrheit soll ans Licht, es darf nicht aus politischer oder auch persönlicher Befangenheit etwas historisch für uns Nachfahren Wichtiges verschwiegen werden. Aber die unzähligen erotischen Zwangshandlungen haben historisch wahrlich keine Bedeutung.

Thomas Mörsberger, Lüneburg

Betreutes Denken

22./23.12.: Hamburger KRITiken: Lasst uns Genossen werden. Der Fußball droht an seiner Kommerzialisierung zu ersticken – der FC St. Pauli wagt nun neue Wege

Warum so milde? Der FIFA-Chef, Herr Gianni Infantino beinhaltet schon in seinem Namen den Begriff: „infantil“. Auf der Suche nach einem adäquaten Synonym kommt man rasch von „kindisch“ und „schwachsinnig“ bis zu „einfältig“. Nein, einfältig ist er gewiss nicht, eher „gerissen“. Eine nicht zu stoppende Raffgier führt ihn zu dem Plan, einen weiteren europaweiten Fußball-Wettbewerb auszuspielen (dabei ist die ähnlich schwachsinnige Absicht der DFL, innerdeutsch eine dritte Spielrunde zu etablieren noch gar nicht vom Tisch). Was in den Köpfen dieser „Raffkes“ anscheinend gar nicht bekannt zu sein scheint, ist die Tatsache, dass das Jahr nach wie vor nur aus 365 Tagen besteht. Wo will man neben den bereits etablierten Wettbewerben noch Termine finden? Bei dem täglichen Hick-Hack um Stadioneinnahmen, TV-Rechteverkauf, Ablösegelder, Millioneneinkäufe und Prämien können diese Geier schon mal vergessen, dass es – Achtung! Überraschung! um Menschen geht. Die Physis dieser „Arbeitssklaven“ ist nicht beliebig auszubeuten. Die dramatisch ansteigende Zunahme von ermüdungsbedingten Verletzungen: Zerrungen, Bänderdehnungen, Knorpelschäden, Muskelquetschungen und, und, und sind Verschleißerscheinungen. Die Trainer wissen um die Problematik, aber um die Öffentlichkeit (Fans) nicht zu alarmieren, haben sie zur Tarnung den Begriff der „Belastungssteuerung“ etabliert. Dieses Wort bezeichnet: Ein sonst gesetzter Startelf-Kandidat setzt mal eine Runde aus. Diese Wortwahl bezeichne ich als „betreutes Denken“. Eine Taktik, derer sich nicht nur Trainer bedienen, sondern längst auch die Vertreter der Massenmedien: Das Denken des doofen Volkes, sanft in die Richtung lenken, wo man es hinhaben will: „betreutes Denken“.

Christian Quadflieg, Hamburg

Kein Realitätssinn der Chefin?

2.1.: ,Der Osten ist im Nachteil‘. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt verlangt eine neue Ost-Förderung

Wenn Frau Göring-Eckardt sehr anmaßend erklärt, dass Deutschland im Verhältnis zu manch anderen Ländern ein gerechtes Land sei und dann dezidiert nachschiebt, Deutschland sei kein gerechtes Land, dann frage ich mich wirklich wie es um den Realitätssinn dieser Dame bestellt ist. Das klingt bei ihr so, als ob es nur wenige Länder gibt, die noch ungerechter als Deutschland sind – vielleicht Länder wie der Kongo, Nigeria, Brasilien, China u.a. Bestärkt durch Reisen in viele Länder glaube ich, dass die Menschen in Deutschland nicht in einem idealen, aber global gesehen in einer der besten aller Welten leben. Milliarden Menschen wären wahrscheinlich froh, wenn sie in diesem so „ungerechten Land“ leben könnten. Daher finde ich die Einstellung von Frau Göring-Eckardt gegenüber Deutschland sehr despektierlich und wirklichkeitsfremd.

Ernst Mutz

Es reicht!

2.1.: Retter attackiert – Polizei stürmt Shisha-Bar. Mob bewirft Feuerwehr mit Böllern und Steinen

Warum wird dieses gefährliche und höchst überflüssige Geballere nicht endlich verboten? Immer wieder gibt es starke Verletzungen gerade bei jungen Menschen und jetzt werden auch noch die Helfer angegriffen. Es reicht! Die Tonnen Müll und die Feinstaubbelastung die Dieselfahrverbote überflüssig machen würde, könnten eingespart werden. Nichts gegen ein professionelles, von der Stadt Hamburg organisiertes Feuerwerk um 24 Uhr an Alster und Hafen.

Aleksander Hein

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