Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. November 2018

Eher ein politisches Zugeständnis

7. November: Die Albtraum-Übung. Rund 850 Polizisten proben Einsatz nach Terroranschlag in der HafenCity

Das gestrige Verkehrschaos war wohl eher ein politisches Zugeständnis an Umweltsenator Kerstan als Realitätsnähe für Übungszwecke. Im Ernstfall wäre es Aufgabe der Verkehrspolizei, den Verkehr sofort aus dem gefährdeten Gebiet abfließen zu lassen und für die Zufahrt dorthin großräumig zu sperren. Die Verkehrseinschränkungen sind dann erheblich größer, aber berechtigt und allseits akzeptiert. Das geht schneller als jeder SEK-Einsatz. Wenn die Einsatzkräfte anrücken, haben sie freie Bahn. Realistisch gewesen wäre also eine Übung in verkehrsarmen Zeiten morgens um vier Uhr oder am Wochenende.

Torsten Rosenau, Oststeinbek

Insekten haben schweren Stand

6. November: Finger weg von den Hornissen

Ich habe mich sehr gefreut über die Glosse von Matthias Schmoock über die Hornissen. Das musste tatsächlich alles einmal gesagt werden. Inzwischen sollte auch bis zum letzten Menschen die Information vorgedrungen sein, dass Insekten generell einen zunehmend schweren Stand haben. Die drastische Abnahme der Insekten-Biomasse in den letzten Jahren kann jeder Autofahrer im Sommer an seiner Windschutzscheibe selbst feststellen, die neuerdings auch auf langen Strecken nahezu insektenfrei bleibt. Die Ursachen des Rückgangs liegen im unbekümmerten Umgang mit Insektiziden, in der Flurbereinigung und der extensiven Landwirtschaft, die keinen Raum für die Natur lassen. Jeder Gartenbesitzer kann da etwas tun, indem er z. B. eine Ecke unkontrolliert sich selbst überlässt oder/und insektenfreundliche Pflanzen einsetzt und Insektenhotels (beides in jedem Gartenmarkt erhältlich) aufhängt. Zu den Hornissen, die nebenbei zu den am wenigsten aggressiven Insekten zählen, bleibt zu sagen, dass sie wichtige Aufgaben im Garten erfüllen. Sie ernähren sich u. a. von Wespen, die wesentlich aggressiver und lästiger sein können. Also, Hornissen gehören in den Garten, sind sehr nützlich und ein Zeichen für eine intakte Gartenfauna. Außerdem sind sie nach Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung geschützt.

Dr. Michael George, Ammersbek

Eine total miese Masche

6. November: Tausende Hamburger ohne TV-Empfang. Kabelbetreiber schalten auf digitales Signal um. Viele Bürger müssen sich neues Fernsehgerät oder Receiver kaufen

Leider hat das Abendblatt eine Sache total vergessen. Auch alle über Kabel empfangenen Radiosender wurden abgeschaltet. Damit bleiben teure gute langlebige HIFI-Receiver stumm. Diese langlebigen Receiver haben jetzt einen toten Bereich: Den meistens sehr hochwertigen Tuner. Und es gibt beim FM-Radiosignal analog oder digital keinen Qualitätsunterschied. Beides Stereo, beides HIFI Qualität. Mit Nachhaltigkeit, mit ressourcenschonendem Umgang mit Elektronik etc. ist das nicht vereinbar. Eine total miese Masche, damit teure und gute Receiver jetzt mit einem DAB+ oder ähnlichen zusätzlich ausgestattet werden müssen.

Andreas Müller-Goldenstedt, Hamburg

Aufgabe des Verfassungsschutzes

6. November: Maaßen denkt an Wechsel in die Politik. Der Verfassungsschutzchef wird nach seiner brisanten Abschiedsrede von Innenminister Seehofer freigestellt. Hat er den Rauswurf provoziert?

Nicht der Schutz der gerade zufällig amtierenden Regierung ist die Aufgabe des Verfassungsschutzes. Vielmehr steht der Schutz der Verfassung im Mittelpunkt dieser Einrichtung. Die Verfassung dominiert grundsätzlich die aktuell regierende Parteienkonstellation. Wenn nun die Entlassung von Herrn Maaßen mit fehlender Loyalität gegenüber der Regierung Merkel begründet wird, so ist dies ein unfassbarer Vorgang. In einer Demokratie hat die Loyalität des Verfassungsschutzes ausschließlich der demokratisch entwickelten Verfassung zu gelten, als Diener von Parteien oder der „großen Vorsitzenden“ hat diese Institution keinesfalls in Erscheinung zu treten. Insofern muss jeder Demokrat die Entlassung als schrilles Alarmsignal wahrnehmen.

Reinhold Brahm, Hamburg

Jede Diskussion ist willkommen

3./4. November: Ein Tripper kommt selten allein“. Geschlechtskrankheiten auf dem Vormarsch. Im Dermatologikum informierten Lilo Wanders und ein Experte über „Syphilis&Co und Leserbrief vom 6. November:

Vielen Dank für Ihren wichtigen Kommentar. Exakt die von Ihnen angesprochen Probleme, die zum Teil mit der Einführung der Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) einhergehen, wurden an dem Informationsabend im Dermatologikum Hamburg gezielt diskutiert, also auch die Zunahme der klassischen Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Gonorrhoe inklusive Antibiotika-Resistenzen. In der redaktionellen Zusammenfassung der Veranstaltung sind diese Aspekte nicht ausdrücklich erwähnt. Grundsätzlich führt die bessere Behandelbarkeit und damit geringere Übertragbarkeit einer HIV-Infektion aber schon seit Jahren zu einem nachlassenden Risikobewusstsein und einer weniger konsequenten Verwendung von Kondomen. Auf der diesjährigen Welt-AIDS-Konferenz in Amsterdam wurden die Ergebnisse der medikamentösen Präventionsstudien als großer medizinischer Fortschritt in der HIV-Prävention herausgestellt. Die Anzahl der Neuinfektionen sinkt nachweislich durch die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP), auch wenn sie nur bei Bedarf eingenommen wird. Über konkrete Tipps, wie Männern die konsequente Verwendung von Kondomen in allen Lebenslagen noch attraktiver gemacht werden kann, freut sich aber die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Jede Diskussion zu diesem Thema ist aus meiner Sicht willkommen und für die allgemeine Aufmerksamkeit förderlich.

Dr. Peter Weisenseel

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