Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. November 2018

Überhebliche Parteien

30./31. Oktober: Ende einer Ära. Nach 18 Jahren gibt Kanzlerin Angela Merkel den Vorsitz der CDU ab

Es wird schwer werden für die CDU eine würdige Nachfolge für Angela Merkel zu finden. Sehr viele stehen jetzt in den Startlöchern, um das Erbe anzutreten. Eine Politikerin, die in der ganzen Welt positive Anerkennung bekommt, wird schwer zu ersetzen sein. Bezeichnend ist, wie die Parteien den Schritt von Frau Merkel beurteilt haben. Die AfD betont, dass nur die Existenz der AfD für diesen Schritt Angela Merkels gesorgt hat. Offenbar glauben sie, der Nabel der Welt zu sein. Jan-Eric Lindner, Vorsitzender der Freien Demokraten meint, Frau Merkel habe den falschen Posten abgegeben, hätte als Bundeskanzlerin zurücktreten müssen. Beide politischen Parteien haben durch ihren respektlosen Fauxpas ihre eigene Gesinnung offenbart. Kein Wort des Respekts, kein Wort der Anerkennung. Das grenzt an Überheblichkeit.

Fritz Timm, Sülfeld

Der Anfang vom Ende

Der angekündigte Rückzug Angela Merkels vom CDU-Vorsitz besiegelt zugleich den Anfang vom Ende ihrer doch etwas in die Jahre gekommenen Kanzlerschaft. Kaum anzunehmen, dass ihr – entgegen eigenem Bekunden – noch die volle Legislaturperiode vergönnt sein wird.

Thomas Prohn

Neue Chancen für Deutschland

Durch den Verzicht Angela Merkels auf den Parteivorsitz und ihren späteren Rückzug als Kanzlerin, eröffnen sich Chancen, dass unser Land wieder anders regiert werden kann. Friedrich Merz ist für mich die einzige Option er könnte das Ruder rumreißen. Er wird mit seinem weltweiten wirtschaftlichen und sozialen Netzwerk die Union wieder zu alter Stärke zurückführen. Die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer steht für ein weiter so und Jens Spahn ist noch zu unerfahren, um als Kanzlerkandidat anzutreten.

Peter Groth, Ellerau

Vorschläge überdenken

30./31. Oktober: Ein grüner Teppich für die Stadt. Bürgerbündnis ,Altstadt für alle!‘ präsentiert Ideen zur Erneuerung Hamburgs.

Die Initiative des Hamburger Bürgerbündnisses „Altstadt für alle!“ ist lobenswert und die vielen Ideen sollten intensiv diskutiert werden, so auch die Vision eines „grünen Teppichs“ über den Gleisen südlich des Hauptbahnhofs. Hier ist allerdings zu bedenken, dass der Raum mitnichten „ein gewaltiges Loch im Herzen der Stadt“ ist, sondern den ehemaligen Verlauf der östlichen Wallbefestigung aus Anfang des 17. Jahrhunderts noch heute kenntlich macht. Die Probleme der städtebaulichen Einbindung der Kunstmeile mit ihren Museen liegen nicht in dem historischen Verlauf des ehemaligen Wallgrabens an der südöstlichen Geestkante Hamburgs, sondern in den ausufernden Kfz-Verkehrsprojekten seit den 1960er-Jahren. Der geordnete Rückbau einiger dieser Fahrbahnen und eine Neugestaltung bestehender Wege und Plätze um die Museen mit behutsamer Verbreiterung des Hauptbahnhofs nach Süden würde ausreichen, um die hier „kaputte Stadt“ zu aktivieren und mit St. Georg zu verbinden. Zudem: Der von der Initiative vorgeschlagene städtische Vorplatz für die „prächtigen Gebäude“ gehört doch eher an die Haupteingänge der Museen und nicht an deren Hinterseiten. In diesem Teil der Altstadt Hamburgs sollte bitte kein weiterer städtebaulicher (und denkmalpflegerischer) Fehler passieren, denn durch den geplanten Abriss des Cityhof-Ensembles wird bereits genug Schaden angerichtet.

Holger Paschburg, Bund deutscher Landschaftsarchitekten (bdla)

Geld für Kultur ausgeben

Noch eine weitere Grünanlage in Hamburg, eine der grünsten Städte weltweit, wie Sie auf der Folgeseite dieses Artikels berichten, ist absolut überflüssig. Bei prognostizierten geringeren Steuereinnahmen in den kommenden Jahren sollte die Aufstockung der Etats von Bildung und Kultur Priorität haben.

Dirk Alberts

Fremdschämen

25. Oktober: Richterin rügt Soko ,Cold Case‘. Mordversuch vor 38 Jahren: Angeklagter freigesprochen. Wurden Zeugen „hoch suggestiv befragt“ oder getäuscht?

Wenn es so war, muss ich mich als pensionierter Hamburger Kriminalbeamter für diese „Kollegen“ schämen. Diese Leute sehen wohl zu viele TV-Krimis. Dort wird fast nur so illegal gearbeitet. Aber, wer hat diese echten K-Beamten in Hamburg ausgebildet, wer sollte sie beaufsichtigen, wer hat sie getrieben, Erfolge zu bringen? Wenn nicht inzwischen geschehen, muss das gesamte Personal dieser Soko umgehend ausgewechselt werden. Ich beneide die Kollegen nicht, die den immensen Imageschaden jetzt zu spüren bekommen und hart daran arbeiten müssen, beim Bürger ernst genommen zu werden.

Ludwig Müller

Schwierigkeiten beim Aufstehen

27. Oktober: : Der Streit um die Sommerzeit. Viele Hamburger begrüßen die EU-Initiative und wollen nie wieder die Uhr umstellen

Angesichts der wissenschaftlich erwiesenen Tatsache, dass Kinder und Jugendliche allein schon mit dem frühen morgendlichen Aufstehen Schwierigkeiten haben, sollten wir Erwachsenen unsere Freizeitbedürfnisse herunterschrauben und uns für die Winterzeit einsetzen. Eine ganzjährige Sommerzeit würde das Aufstehen durch die verlängerte abendliche Helligkeit noch zusätzlich erschweren, da man naturgemäß dann später ins Bett geht. Und monatelang ausschließlich bei elektrischem Licht aufzustehen, ist auch nicht gerade gesundheitsfördernd. Die nächste PISA-Studie lässt grüßen.

Sylvia Nitze-Schröder

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