Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. Juli 2018

Rückkehr zum politischen Alltag

4. Juli: SPD lehnt ge­schlos­sene Tran­sit­zen­tren für Flücht­linge ab

Nicht schon wieder. Es reicht. Wenn es schon kein Sommermärchen gibt, dann können wir sehr gut auf ein Sommertheater in drei Akten verzichten. Nach dem widerlichen Streit der Union sollte die SPD in sich gehen und auf die Basis, SPD-Landräte und Bürgermeister hören, die eine schärfere Gangart in der Flüchtlingspolitik begrüßen. Auch Humanität hat Grenzen, auch wenn diese 2015 weit überschritten wurden. Es muss langsam wieder Normalität in der Bundesrepublik einkehren – der politische Alltag darf nicht von der Asylproblematik beherrscht werden. Wenn es jetzt ein ähnliches Szenario in der SPD gäbe, wie vordem in der Union, dann sagt der Bürger mit Recht: „Die sind doch alle aus dem gleichen Holz geschnitzt“.

Dietmar Johnen-Kluge, per E-Mail

Hass und Missgunst sind noch da

4. Juli: Wie lange hält der Burgfrieden? Die Kanzlerin und der Innenminister haben ihren Streit um Zurückweisungen an der Grenze fürs Erste beigelegt. Doch es bleiben tiefe Narben

Am Ende, nach viel Streit, Diffamierungen und persönlichen Angriffen gab es doch noch einen Kompromiss. Es wird sich noch zeigen müssen, was er denn wirklich taugt. Aus meiner Sicht hat sich im Verhältnis der Schwesterparteien leider nichts geändert. Hass und Missgunst sind nicht verschwunden, sie sind nur unter eine sehr dünne Decke geschoben worden. Ich hätte mir gewünscht, CSU und CDU hätten sich endlich getrennt. Ein Ende mit Schrecken ist bei Weitem besser als ein Schrecken ohne Ende. Das haben wir jetzt. Besser Neuwahlen oder eine andere der möglichen Lösungen als weiter eine Situation mit einem neuen Streit. Der kommt bestimmt, vielleicht schon morgen, nächste Woche, oder in der näheren Zukunft. Die handelnden Personen sind sich schon lang nicht mehr „grün“, wie soll da vernünftige Politik für Deutschland gemacht werden?

Dr. Heino Dobiasch, Barsbüttel

Wertloser Kompromiss

Es gibt keinen Burgfrieden. Eine Burg vielleicht, in der Merkel und Seehofer eingemauert sind, weil sie beide an ihren Posten kleben. Was da als Kompromiss der Welt vorgezeigt wird, ist wertlos. Die Länder, welche die Ergebnisse des Kompromisses tragen müssen, sind nicht gefragt worden. Und zeigen wenig Lust, die ihnen zugedachten Aufgaben zu erfüllen. Also ist alles offen. Die SPD müsste jetzt die Koalitionsfrage stellen. Aber dazu ist diese Partei erstens wie immer zu mutlos und zweitens fürchtet sie nichts mehr als Neuwahlen. Das könnte nämlich zu einem einstelligen Ergebnis führen.

Hans-Emil Schuster, Hamburg

Das Zollamt ist denkmalwürdig

4. Juli: Die Rache der Denk­mal­schüt­zer? Zollgebäude auf der Veddel wurden unter Schutz gestellt

Das ehemalige Zollamt Veddel ist als markantes Zeugnis des ehemaligen Hamburger Freihafens, dessen Spuren an den meisten Stellen inzwischen verschwunden sind, denkmalwürdig. Der Denkmalwert eines Gebäudes ist weder von seiner heutigen Nutzung abhängig, noch davon, was an seinem Standort zukünftig entstehen könnte. Denkmalwürdig ist ein Gebäude, wenn es eine geschichtliche, künstlerische, wissenschaftliche oder stadtbildprägende Bedeutung hat. Dies gewissenhaft zu prüfen ist Aufgabe des Denkmalschutzamtes, und auch im konkreten Fall kommt es zu einem sehr nachvollziehbaren Ergebnis. Die Politik darf Stadtgeschichte und Wohnungsbau nicht gegeneinander ausspielen, sondern sollte hier einen Kompromiss finden, der Alt- und Neubauten verbindet. Nicht zuletzt die zahlreichen Industrieumnutzungen in Hamburg belegen, dass historische Substanz unverzichtbar für die Identität von Stadtteilen ist und hinzugefügte Neubauten enorm aufwertet. Wäre man mit der Speicherstadt in den 1990er-Jahren vergleichbar naiv und sorglos umgegangen, wie es SPD und Grüne beim Zollamt fordern, hätten wir heute kein Unesco-Welterbe in Hamburg. Denkmalpflege ist kein Luxus, sondern – wie der Wohnungsbau – eine zentral wichtige kommunale Aufgabe.

Kristina Sassenscheidt,

Vorsitzende Denkmalverein

Liebloser Ort ohne Supermarkt

4. Juli: Schöne neue Welt. Ein neuer Geldgeber macht’s möglich: die Wandlung vom Marinestützpunkt zum Ostseeresort Olpenitz

Dieser Neubauort an der Ostsee ist eine architektonische Katastrophe. Es sind lediglich Häuser aneinandergereiht – zwar teilweise nett anzusehen – der Ort hat aber keine Infrastruktur, kein öffentliches Grün oder einen Marktplatz, keine Läden (ein Supermarkt ist schon seit ein paar Jahren geplant aber immer noch nicht vorhanden), keine Restaurants oder etwas anderes Liebenswertes – wieso ist das eine „schöne neue Welt“? Ich kann nicht nachvollziehen, wie man dort Geld investiert. An einem schönen Sommertag mag das ja noch nachvollziehbar erscheinen. Aber im Herbst oder Winter, wenn der Wind kalt und heftig um Häuserwände weht, ist diese Häuseransammlung absolut trostlos. Aber der Investor hat bestimmt an einen Kamin gedacht.

Volker Meinhard, per E-Mail

Langjährige gängige Praxis

3. Juli: ADAC bekommt Ärger wegen Verträgen für Min­der­jäh­rige. Die Hamburger Verbraucherzentrale hat den Automobilclub gestoppt

Die Einstweilige Verfügung der Verbraucherschutzzentrale wegen der Mitgliedergewinnungspraxis ist zwar rechtlich korrekt, zeigt aber auch wie behäbig die Zentrale agiert. Schon zu meiner Fahrschulzeit zum Erwerb des Führerscheins der Klasse A1 mit 15 Jahren hat der ADAC auf diese Weise Mitglieder geworben und gewonnen. Das ist mittlerweile 17 Jahre her.

Fabian Haase, per E-Mail

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