Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. Juli 2018

Seehofer treibt es auf die Spitze

3. Juni: Einigung in letzter Minute. Im Asyl-Streit gab es einen Durchbruch

Gott sei Dank wurde ein Kompromiss gefunden und die größte anzunehmende Katastrophe (Zerfall der Union) gerade noch abgewendet. Sicherlich hat Herr Seehofer in vielen Dingen Recht. Er hat aber definitiv den Bogen überspannt. Was ich gar nicht nachvollziehen kann, sind seine ungeschickten Aussagen über Frau Dr. Merkel, die immerhin seine Vorgesetzte ist. Mit diesen Äußerungen hat er sich keinen Gefallen getan. Wenn er sich über Frau Dr. Merkel ärgert, soll er sich privatissimo zu Hause am Frühstückstisch Luft machen. Frau Seehofer wird, anders als einige seiner CSU-„Parteifreunde“, ihrem Mann gut zusprechen und das Ganze für sich behalten.

Joachim Willers, Ellerau

Schlechte Umgangsformen

Politiker wie Seehofer tragen erheblich zur Politikverdrossenheit der Bürger und zur negativen Beurteilung dieser extrem gut bezahlten Garde bei. Auch wenn Herr Seehofer in der Asylfrage in vielen Punkten recht hat, geht man so nicht mit seinen Partnern um. Herr Seehofer benimmt sich daneben und hat jeglichen Anstand verloren. CSU und CDU sollten in Bayern getrennt antreten und um die Wähler konkurrieren. Soll doch die CSU bundesweit antreten.

Otto Kröger, Hamburg

Schlickbelastung ist nicht belegt

2. Juli: Wegen Schlick: HPA macht 47,3 Millionen Euro Verlust

Das Problem der Entsorgung des Hafenschlicks vor der Elbmündung ist wohl hauptsächlich in Schleswig-Holstein zu suchen. Die Behauptung, es würde belasteter Hafenschlick ins Wattenmeer gelangen, ist nicht durch ein Schadstoffmonitoring im Wattenmeer belegt. Die gegenwärtige Deponie Tonne E3 liegt im Bereich der natürlichen Schlickzunge vor der Elbmündung in einer Wassertiefe, aus der kaum etwas ins Oberflächenwasser, das ins Watt driftet, gelingen dürfte. Im Gegenteil: Durch den Meeresspiegelanstieg wird (jetzt schon) Feinsediment aus dem Watt ausgetragen. Bei Sturmlagen wird erodiertes Sediment aus dem „Schlickgebiet“ vor der Elbe bodennah durch das Elbeurstromtal Richtung zentrale Nordsee transportiert und nicht ins Wattenmeer. Des Weiteren könnte man auch von Zeit zu Zeit das Wehr in Geesthacht flachlegen und den Hafen so durchspülen. In den USA wird so etwas mit dem Colorado River praktiziert. Im Übrigen sollte auch mehr Druck auf die Oberlieger der Elbe ausgeübt werden, damit diese ihren Verpflichtungen aus der Wasserrahmen- und der Hochwasserschutzrichtlinie nachkommen. Auch sie hängen wirtschaftlich am Tropf des Hamburger Hafens.

Prof. h. c. Dr. Hartmut Heinrich, Hamburg

Gütertransport mit der Bahn

2. Juli: Die große Park­platz­not an der A1. Abgestellte Trucks gefährden Verkehr an den Raststätten rund um Hamburg

Leider ist der beschriebene Missstand nicht neu, bisherige Warnungen auch aus anderen Bereichen haben nichts geändert. Es wird noch schlimmer kommen. Das ist alles eine Folge verfehlter und stümperhafter Verkehrspolitik durch autofreundliche Verkehrsminister vorwiegend aus Bayern. Leider erwähnen auch Sie in Ihrem Artikel kein Wort davon, dass der Güterverkehr – vor allem der internationale – auf die Bahn verlagert werden muss, der kombinierte Ladungsverkehr bietet dazu viele Möglichkeiten. Dazu müssen aber die Rahmenbedingungen verbessert werden und verpflichtende Regelungen geschaffen werden. Das hat die Politik jahrelang versäumt. Offenbar gibt es aber auch heute seitens der Politik noch kein Einlenken, lieber gefährdet man das Leben von Pkw- und auch Lkw-Fahrern und hofft mit weiterem Beton an Autobahnen das Problem lösen zu können. Die Polizei jedenfalls kann es auch nicht richten. Wie soll sie auch?

Ewald Hauck, Hamburg

Finanznot ist nicht glaubhaft

30. Juni/1. Juli: Von allen guten Geistern verlassen. Die Gremien der katholischen Kirche ziehen bei mehreren Schulen den Stecker – ein historischer Fehler

Den bewundernswert engagierten Beitrag von Matthias Iken möchte ich gern ergänzen: Die angebliche Finanznot der Kirche ist nicht glaubhaft. Beide christlichen Kirchen schöpfen aus Besitz und Vermögen Einnahmen in unbekannter Höhe. Kein Geheimnis ist dagegen der Zustrom von 11,6 Milliarden Euro aus der Kirchensteuer (2016), von der gut die Hälfte an die katholische Kirche fließt und an die Diözesen verteilt wird. Zugegeben, es gibt reichere Bistümer als das von Hamburg. Aber wie wäre es denn mit einem Diözesenfinanzausgleich ähnlich dem der Bundesländer? Bedenklich scheint mir das Machtgerangel zwischen dem Erzbischof und seinem Stellvertreter. Erzbischof Heße zeigte eher Kompromissbereitschaft als Generalvikar Thim und seine „Gremien“. Wenn der Chef sich nicht entschieden durchsetzt, droht auch ihm ein großer Vertrauensverlust in der Bevölkerung. Lehrer, Schüler und Eltern beider Konfessionen sind Missionare des Christentums, das seine gesellschaftliche Bestätigung im Grundgesetz findet. Noch nachdrücklicher darf man vielleicht beide hochwürdigen Herren an die Aufforderung unserer allerhöchsten Instanz erinnern: „Lasset die Kinder zu mir kommen …“

Dr. med. Klaus Gritz, Bleckede

Notwendige Erneuerung bleibt aus

Zu Recht kritisiert Matthias Iken mit deutlichen Worten den Abbruch der Gespräche mit der Hamburger Schulgenossenschaft. Das leidenschaftliche Engagement nicht weniger Hamburger für einen möglichst vollständigen Erhalt der katholischen Schulen, insbesondere in einkommensschwächeren Stadtvierteln, wäre eine Chance gewesen, die katholische Kirche in Hamburg behutsam zu erneuern. Diese notwendige Erneuerung wollen die Gremien der katholischen Kirche wohl nicht. Mit so einer Haltung bleibt unter den katholischen Talaren leider der Muff von tausend Jahren.

Markus Erich-Delattre, Hamburg

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